LokalDirekt hat bei Marc Haarmann, Betreiber des „Litfass“ in Halver, nachgefragt. Er betrachtet die Angelegenheit differenziert: „Bis vor ein paar Tagen hätte ich noch gesagt, dass wir die Spiele auf jeden Fall zeigen. Nach dem viel diskutierten Interview mit dem WM-Botschafter und den dort getätigten Äußerungen befinde ich mich aktuell im Zwiespalt“, wie er auf Nachfrage von LokalDirekt erklärt.
„Katar hätte natürlich gar nicht erst die Zusage für die Austragung des Turniers erhalten dürfen, das ist klar – und auch die Werbepartner hätten von vorneherein aus der Sache aussteigen müssen. Nur dadurch, dass jetzt eine Kneipe in Halver die Spiele nicht überträgt, wird sich rein objektiv betrachtet an der Gesamtsituation dort nichts ändern.“ Aber dennoch, so Haarmann weiter, stünde sein wirtschaftliches Interesse gerade im Gegensatz zu seinem moralischen Empfinden – „selbstverständlich sind solche Aussagen im Jahr 2022 absolut nicht vertretbar.“
Daher sei er zur Zeit noch „hin- und hergerissen“, habe aber bereits entschieden, dass eine Übertragung, wenn überhaupt, nur im „ganz kleinen Stil“ für ihn in Frage komme. Sprich: Keine Leinwand, kein Beamer, kein Public Viewing wie man es aus der Vergangenheit kennt: „Für mich kommt maximal eine Übertragung im Hintergrund auf dem Fernseher in Betracht.“
Und – sollte er sich für eine Ausstrahlung entscheiden – steht eine Sache für Marc Haarman bereits jetzt fest: „Wenn, dann mache ich das nur in Verbindung mit einer Spendensammlung, beispielsweise für eine LGBTQ-Organisation aus der Umgebung.“
Seine finale Entscheidung jedoch, so betont er weiter, stehe erst noch aus: „Die Chancen für oder gegen eine Ausstrahlung stehen derzeit ungefähr fifty-fifty.“
Kommentar von Marlene Herold:
Verletzung von Menschenrechten, Todesopfer auf den Baustellen für Stadien und Hotels, Ausbeutung von Arbeitern und nicht zuletzt die Tatsache, dass Homosexualität in diesem Land als Verbrechen gilt: Die Gründe, diese Fußballweltmeisterschaft zu boykottieren, liegen mehr als offensichtlich auf der Hand.
Das stellt aber nicht nur die Gastronomen vor die große Frage, wie mit der Situation denn jetzt umzugehen ist. Und klar, der Blick in einen möglicherweise leeren Schankraum schmerzt natürlich – genauso wie der Gedanke an all die schönen, geselligen Fußball-Abende, die man gerne dort oder in den heimischen vier Wänden mit Freunden verbracht hätte. Allerdings ist ja eigentlich recht eindeutig: Moralisch vertretbar ist die – wenn auch passive, da aus Zuschauerperspektive – Teilnahme an dieser Weltmeisterschaft nicht. Und das auf keiner Ebene. Die Frage, ob man sie persönlich boykottieren sollte – egal ob nun aus Sicht eines Restaurantbetreibers oder aus dem ganz eigenen Empfinden heraus – kann wohl nur jeder für sich selbst beantworten.
Aber wo fängt ein möglicher Boykott denn eigentlich an? Na klar – beim wegschalten. Oder? Grundsätzlich ist der Gedanke natürlich nicht verkehrt, jedoch nur für die repräsentativ ausgewählten Haushalte mit einem Quotenmessgerät – ansonsten tangiert es die ausstrahlenden Sender nicht, ob man ein- oder ausschaltet. Einzige denkbare Boykott-Methode daher: Die Spiele nicht zu streamen, denn auch die Anzahl der Klicks fließen in die Quotenberechnung ein.
Und weiter? Objektiv betrachtet werden die paar Prozentpunkte bei den Quoten wohl nicht viel ausrichten. Und schon mal gar nichts an der Lage in Katar ändern.
Marco Seiffert, Journalist, Moderator und Fußball-Fan, schlägt auf seinem Instagram-Kanal vor, die Hauptsponsoren für die Zeit der WM zu boykottieren: Adidas, Coca-Cola, McDonald’s und Budweiser. Ein spürbarer Umsatzeinbruch dieser Unternehmen würde seines Erachtens von deren Seite aus zu Beschwerden bei der FIFA führen.
Und vielleicht ist auch genau das der richtige Ansatz für jeden, der seinen Teil zum Boykott beitragen möchte – Turnschuhhersteller gibt es mehr als genug, Bier auch aus dem Sauerland, statt McDonald’s darf es vielleicht auch mal etwas von der Imbissbude an der Ecke sein und statt Coca-Cola Mineralwasser – gesünder wäre das allemal.









