Der Abend war dreigeteilt: Den Anfang machte das Kammerorchester mit Musikern aus dem Volmetal und Wipperfürth, gefolgt von der BigBand „Swingsound“ aus Kierspe und zum Abschluss spielten beide Ensembles gemeinsam.
Nachdem Clemens Wieland, Trompeter der Kiersper BigBand, das Publikum pünktlich um 19 Uhr begrüßte und einen Exkurs über die Corona-Zeit und die damit verbundenen Schwierigkeiten für Musiker lieferte, bat er die Besucher, sich „emotional tragen zu lassen“.

Kammerorchester begeistert mit schwungvollen Darbietungen
Den Anfang machte das Kammerorchester unter dem Dirigat von Ben Köster mit Mozarts allseits bekannter „kleiner Nachtmusik“. Die aus vier Sätzen bestehende „Serenade Nr. 13“ wurde von den 12 Streichern originalgetreu gespielt.
Dass hier ein Kammerorchester die Sätze darbot und dabei nicht die „normale“ Orchestergröße (meist 30 Musiker und oft viel mehr) bestand, spielte kaum ein Rolle, da die Musik bestens interpretiert wurde – man musste sich nur „emotional tragen lassen“. Gelungene Tempi-Wechsel und schwungvolle Passagen ließen vermuten, dass viel Üben und akribische Proben notwendig waren.

Danach ging es musikhistorisch „mit einem großen Schritt“ – wie Ben Köster meinte – voran: Gustav Holst stand mit seiner „St. Pauls Suite“ auf dem Programm. Holst wurde vor allem durch sein Werk „Die Planeten“ weltberühmt. Ohne seine Kompositionen würde etwa auch John Williams‘ „Star Wars“-Filmmusik sicherlich anders klingen. Die „St. Pauls Suite“ indes war geprägt von irisch anmutenden, volksliedähnlichen Klängen, manchmal auch mit Nuancen orientalisch verspielter Melodien. Keine Frage: Holst hat sich mit traditioneller Volksmusik beschäftigt und die darin enthaltenden tänzerischen Elemente in seine Musik integriert.
Ob zupfend oder streichend – im zweiten Satz mit einem fließenden Klangteppich der zweiten Geigen: Es blieb stets spannend. Denn der Wechsel aus balladesken Klängen und mitreißenden, sehr schwungvoll vorgetragenen Melodien bot stets Überraschendes. So meinte man etwa auch, die Tonfolge des Klassikers „Greensleeves“ hören zu können. Hier war auch den Musikern der Spaß am Musizieren anzumerken – zweifellos ein Höhepunkt des Abends.
Bekannte Melodien aus der Welt des Films
Zum Abschluss des ersten Teils ertönten Passagen und Melodien aus Filmmusiken: „Herr der Ringe“ von Howard Shore und „Fluch der Karibik“ von Klaus Badelt. Shore hatte seine Filmmusik 2008 zu einer konzertanten Fassung (mit über 200 Musikern) umgearbeitet. Für die Filmmusik hatte er sich eingehend mit Richard Wagners Leitmotiv-Prinzip beschäftigt. Das ist in der Musik zu hören und wurde auch vom Kammerorchester entsprechend umgesetzt: Sie spielten einen Wechsel aus finsteren Stimmungen und munter, freundlichen Hobbit-Klängen und ließen so im Kopf des Zuhörers die Bilder des filmischen Epos‘ aufleben. Eine im doppelten Sinne Reise ins Reich der Fantasie, die das Publikum begeistert aufnahm.
Die von Badelt komponierten Klänge des Piraten-Blockbusters wurden gekonnt mit perkussiven Klängen (hauptsächlich Snare-Drum) rhythmisch unterstützt. Die bekannten Themen packten dank der mitreißenden Darbietung samt Walzer-Einschub auch schnell den ganzen Saal.
Peppige Grooves und satter BigBand-Sound
Nach der Pause sorgte zunächst ein gefundenes Handy für Amüsement, da Clemens Wieland zwecks Identifikation seitens der Besitzerin, Bundesliga-Ergebnisse abgefragt hatte. Nach Wielands Einleitung, in der alle kommenden Song-Titel in einem Text verarbeitet wurden, ging es mit „Swingsound“, der BigBand Kierspe, unter der Leitung von Dirk Pawelka weiter.
Doch „Swing“ spielte die Band kaum. Denn abgesehen von der Cole-Porter-Komposition „Night And Day“, die immerhin aus der Swing-Ära stammt, spielte „Swingsound“ viele Pop-Songs von den 1970ern bis heute.

Peppig und poppig, jazzig, spritzig und funky ging es zu. Packende Grooves, gute Arrangements, ein treibender Bass, knackige Staccato-Bläsersätze, gelungene Soli – auch hier: Spaß am Spiel hörbar. Dargeboten wurden Instrumentalversionen etwa von Stevie Wonders „Isn’t She Lovely“ oder dem Beatles-Klassiker „Lady Madonna“.
Doch mit Holger Menzel und Michaela Neunz traten auch Akteure singend in den Vordergrund: „A Star Is Born“ aus dem gleichnamigen Film sangen sie gemeinsam und ob Holger Menzel bei „Bad Bad Leroy Brown“ eher der Version von Harald Juhnke oder der von Howard Carpendale nahe kam, konnte jeder für sich entscheiden. Auch Michaela Neunz‘ Interpretation des EurovisionSongContest-Gewinners von 2014 „Rise Like A Phoenix“ erwies sich als wunderbare Ballade.

Spannende Fusion aus Kammermusik und Big Band
Im dritten Teil spielten dann die BigBand und das Kammerorchester gemeinsam. Hier konnte Holger Menzel noch einmal glänzen, indem er ein Udo-Jürgens-Medley – bestehend aus „Aber bitte mit Sahne“, „Ein ehrenwertes Haus“, „Mit 66 Jahren“ und „17 Jahr“ – vortrug.
Danach folgte eine starke Eigenkomposition von Band-Leiter Dirk Pawelka, die seine Affinität für das Western-Genre erklingen ließ. Hier griff der Dirigent erneut auch selbst zur Trompete, um das Thema zu spielen.

Whitney Houstons Hit „One Moment In Time“ bildete einen weiteren Höhepunkt: Wenn auch Michaela Neunz nicht die Gospelstimme Houstons hat, gelang es ihr dennoch – passend untermalt durch die Streicher – das Lied gefühlvoll und wirklich sehr gut zu interpretieren.
Krönender Abschluss
Als letztes Stück des Abends hatten sich die Verantwortlichen John Miles‘ Mega-Hit „Music“ ausgesucht. Ebenso spannungsgelanden und elegisch wie das Original, erwies sich auch die BigBand-Kammerorchester-Variante als starke, mitreißende Nummer, die zu recht eine Standing Ovation des Publikums hervorrief.
So wunderte es nicht, dass auch die Zugabe eine Essenz des Stückes „Music“ war. Äußerst passend, beschreibt der Song doch – im Wechsel von Ballade und kraftvollem Groove – die Liebe zur Musik.
Damit ging – bei freiem Eintritt – ein atemberaubender, überaus unterhaltsamer Abend mit hervorragendem Entertainment zu Ende. Und es wunderte nicht, dass die Besucher die beiden aufgehaltenen Zylinder mit reichlich Spendengeldern füllten. Für alle ein wirklich toller Abend.











