Gemeinsam suchten die Frauen Bibelstellen, in denen Gott beschrieben wird. „Es fällt auf, dass die Menschen versuchten einen Gott zu beschreiben, mit Dingen, die sie kennen. Beispielsweise eine feste Burg, ein Kriegsherr, Vater oder Quelle des Lebens. Wie man Gott sieht, hängt auch heute immer noch stark von der eigenen Lebensrealität ab. Woher man kommt, spielt einfach eine große Rolle“, erklärte Mara Schwäbe. Der Begriff „queer“ stammt aus dem Englischen und sei früher eine Beleidigung gewesen. Und so verwendet worden, wie heute das Wort pervers. „Es geht darum, quer zu gehen. Also nicht der Normativität zu entsprechen. Aber wer bestimmt eigentlich, was normal ist?“, fragte die Pfarrerin.
Was bedeutet nun die Aussage „Gott ist queer?“ Schwäbe hatte zwei Meinungen dabei. Einmal die vom Theologen Thorsten Dietz, für ihn bedeute queer: „Anders ist normal.“ Gott stehe jenseits der Geschlechterdifferenz. Er sei weder männlich noch weiblich. Alle Menschen spiegelten etwas von Gottes Wesen: „Genau das meint der Satz ,Gott ist queer‘, Gott passt nicht hinein in unsere Schubladen. Gott steht jenseits der binären Geschlechterlogik und ist nahe zugleich. Darum war diese Aussage für viele queeren Menschen so tröstlich.“ Denn wenn sie zum Bilde Gottes geschaffen seien und Gott queer sei, dann seien sie bei Gott zuhause, anders als sie es oft in Kirchen erfahren würden. Kirchenpräsident Joachim Liebig sind das anders: „Gott ist natürlich nicht queer, das ist eine Einschränkung, die Gott in keiner Weise gerecht wird.“ Denn durch diese Aussage fühlten sich wiederum andere ausgegrenzt. „Ich fände es spannend, Joachim Liebig zu fragen, wie er sich Gott vorstellt. Denn dann bräuchte auch er Bilder“, sagte Mara Schwäbe.
Schnell entstand ein reger Austausch unter den Frauen, bei dem schnell klar wurde, dass die Frage ob Gott queer ist, eine politische, gesellschaftliche und theologische ist. „Also für mich wäre ein richtig oder falsch in dieser Diskussion schlimm. Ich finde es gut, wenn man es einfach stehen lassen kann und jeder individuell für sich entscheidet“, sagte Kirsten Steinecke. Andrea Springer sieht das ähnlich: „Früher sind Leute durch ein Sieb gefallen. Das hat mir immer Angst gemacht. Ich wollte gar nicht anders sein, um nicht durchs Raster zu fallen. Mich freut diese Diskussion sehr. Mir gibt das Trost.“
Das nächste Mal treffen sich die Frauen am Dienstag, 17. Oktober. Dann geht es ab 19.30 Uhr im Wiblingwerder Gemeindehaus um das Thema „Mit Natur- und Hausmitteln durch die Erkältungszeit“. Interessierte Frauen sind willkommen.









