Die Fehlergalerie im Flur der Pflegedienst-Verwaltung „In guten Händen“ füllt sich. Einmal im Monat wird einer des Teams für den „Fehler des Monats“ ausgezeichnet. Es gibt eine Urkunde und einen mit Süßigkeiten gefüllten Wanderpokal. Mit gesenktem Kopf und unter hämischen Blicken verlässt aber niemand das Parkett. Vielmehr steht für Chefin und Team fest: „Wieder was gelernt, was man besser machen kann.“
„Fehler des Monats“ – das sei immer schon so ein Spruch gewesen, der im Pflegedienst-Alltag hier und da mal schmunzelnd auftauchte, erklärt Melanie Hedtfeld im Rahmen eines Pressegesprächs anlässlich der Preisverleihung in dieser Woche. Wie viel Potenzial aber die Erarbeitung eines Fehlers für den Betriebsalltag haben kann, wurde ihr Ende vergangenen Jahres bewusst. Die Entscheidung, den „Fehler des Monats“ als Managementprozess unter den Mitarbeitern zu etablieren, stieß zunächst aber auf Gegenwehr. „Die waren doch etwas überrumpelt, schließlich ist so ein Fehler und gerade das Fehlermachen ja auch erstmal negativ konnotiert.“
Also entwickelte Hedtfeld ein ausgefeiltes Konzept und trat damit wiederum vor ihre Mitarbeiter. Die Idee, Fehler als Zeichen für Potenziale zu sehen und als Chance für nachhaltige Verbesserungen zu erkennen, ließ die Unternehmerin nicht los; und schließlich konnte sie auch das Team überzeugen. Ein jeder ist von nun an angehalten, sich in eine Liste einzutragen, wenn mal „was schief gelaufen ist“. Eine eingehende Fehleranalyse zwischen Leitung und Team soll der Ursache dann auf den Grund gehen. „Wir üben konstruktive Kritik an uns und unserem Vorgehen und setzen uns mit unseren eigenen Strukturen auseinander“, so Hedtfeld.


„Fehler passieren an der Basis, haben ihre Grundlage aber meist in der Leitungsebene“, erklärt Melanie Hedtfeld den Kern des Prozesses. „Das zu erkennen, ist Grundlage und wiederum Erfolg des Systems.“ Es gehe eben nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen oder jemanden vorzuführen, sondern Strukturen, die ursächlich für oft auch wiederkehrende Fehler sind, zu erkennen, aufzubrechen und abzuschalten. „Als das bei allen angekommen war, entwickelte sich der Fehler des Monats zum Erfolg“.
„Mein Fehler war, das Fehlermanagement zu vernachlässigen“, sagt Melanie Hedtfeld heute. Mithilfe des Fehler-Systems habe nicht nur die Fehlersensibilität innerhalb des Teams zugenommen, sondern auch bereits Prozesse nachhaltig positiv beeinflusst. „Der Pflegesektor steht unter großem Druck, wir werden extrem kontrolliert und stehen oft unter Generalverdacht, zumindest aber im Fokus.“ Diesen Umstand zugrunde gelegt habe dann auch die Entscheidung der Fachjury herbeigeführt, das Managementsystem von Melanie Hedtfeld mit dem Innovationspreis auszuzeichnen.
Im Statement der Jury heißt es: „Melanie Hedtfeld hat sich in ihrem Unternehmen auf den Weg gemacht, um zu einer anderen Fehlerkultur, die zu ihrem Pflegedienst „In guten Händen“ und der dort gelebten Unternehmenskultur passt, zu finden. Die Jury zeichnet daher nicht nur die mit dem „Fehler des Monats“ gelebte Fehlerkultur aus, sondern lobt mit der Preisvergabe ausdrücklich die damit untrennbar verbundene Unternehmenskultur.“
Die Verleihung fand in der vergangenen Woche am Dienstag, 13. September in Dortmund im Rahmen des PDL-Kongresses des Vincentz-Verlages statt. 15 Unternehmen hatten sich auf die Auszeichnung beworben.

Für Melanie Hedtfeld geht’s nun noch nach Würzburg und Berlin, um dort im Rahmen zwei weiterer Kongresse ihr prämiertes System vorzustellen. „Die Aufmerksamkeit in diesen Tagen ist enorm“, sagt Hedtfeld. Es gebe sogar schon Unternehmen, die die Halveranerin gebeten haben, den „Fehler des Monats“ in deren Strukturen einzubauen. „Anwendbar ist das System ja eigentlich überall.“
Eine weitere wichtige Planung ist darüber hinaus die Feier zur Preisverleihung. „Die 3000 Euro gehören dem Team, das ist unsere gemeinsame Auszeichnung“, sagt Melanie Hedtfeld. Der Wunsch sei gewesen, ein großes Fest mit den Familien der Mitarbeiter zu feiern – mit Hüpfburg. Am liebsten noch in diesem Jahr.










