Herausgeber des jährlichen Berichts ist der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Ennepe-Ruhr-Kreis mit der Stadt Witten.
Grundlage der neuen Boden- und Immobilienrichtwerte sind Kaufverträge, die in 2022 geschlossen und anschließend von den Notaren an den Gutachterausschuss übermittelt wurden. Berücksichtigt werden Verkäufe von bebauten und unbebauten Grundstücken sowie von Eigentumswohnungen.
Marktbericht liefert Bau- und Kaufwilligen wichtige Anhaltspunkte
„Wer ein Haus oder eine Eigentumswohnung erwerben oder sein Traumhaus bauen möchte, sollte stets im Hinterkopf haben: Bis zum tatsächlichen Einzug muss viel Geld investiert werden. Um dieses nicht in den Sand zu setzen, lohnt es sich, den Wert der Immobilie und die Marktlage bereits zu Beginn kritisch zu prüfen“, wirbt Jürgen Wagenbach, vorsitzendes Mitglied des Gutachterausschusses, für einen Blick in den jetzt veröffentlichten aktuellen Bericht. Er könne Kauf- oder Bauwilligen wichtige und dazu noch kostenfreie Anhaltspunkte liefern.
Baukosten um 17 Prozent gestiegen
Insbesondere der am 24. Februar 2022 begonnene Ukraine-Krieg habe im vergangenen Jahr erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen gehabt: So stieg die Inflation innerhalb kurzer Zeit auf über 10 Prozent an, was Leitzinserhöhungen auslöste und die Wohnungsbaukredite in wenigen Monaten von etwa 1 Prozent auf bis zu 4 Prozent steigen ließ. Zusätzlich stiegen die Baukosten im Jahr 2022 um rund 17 Prozent.
Diese Entwicklung hat auch auf dem Grundstücksmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis Spuren hinterlassen. So sind zum Beispiel geplante Neubauprojekte aufgrund der kaum noch zu kalkulierenden Kosten im Jahr 2022 so gut wie nicht mehr realisiert worden. Und auch die Anzahl der im letzten Jahr eingereichten Kaufverträge ging gegenüber den Vorjahren um rund 16 Prozent auf jetzt 2.560 zurück.
Keine Entspannung bei Immobilienpreisen
Eine Entspannung bei den Immobilienpreisen ist in 2022 nicht eingetreten. Die Kaufpreise sind in fast allen Teilmärkten weiter gestiegen, wenn auch nicht mehr so stark wie in den letzten Jahren. Es bleibe abzuwarten, so Wagenbach, ob es im Jahr 2023 aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tatsächlich zu einer geringeren Nachfrage und somit zu einem von Wirtschaftsfachleuten prognostizierten Rückgang der Kaufpreise von Wohnimmobilien kommt.
Fast 50 Prozent Rückgang Baugrundstücken
Der Grundstücksmarktbericht verzeichnet bei der Anzahl der verkauften unbebauten Baugrundstücke für den individuellen Wohnungsbau im Jahresvergleich 2021/ 2022 einen Rückgang von nahezu 50 Prozent. Ein wesentlicher Grund hierfür sei, dass es im Kreisgebiet derzeit kein Neubaugebiet gibt, in dem Baugrundstücke verkauft werden, so dass dem Gutachterausschuss lediglich 33 Kaufverträge vorlagen.
Der Durchschnittswert für den Erwerb von Baugrundstücken betrug 319 Euro pro Quadratmeter. Im Vergleich: 2021 waren es 279 Euro pro Quadratmeter. In Breckerfeld beispielsweise bewegen sich die Grundstückspreise für individuellen Wohnungsbau (freistehende Einfamilien- und Zweifamilienhäuser, Doppelhaushälften sowie Reihenhäuser) zwischen 120 und 215 Euro pro Quadratmeter.
Durchschnittspreise stiegen, Nachfrage sank
Auch die Zahl der verkauften Ein- und Zweifamilienhäuser (-13 Prozent in 2022) sowie der Eigentumswohnungen (-21 Prozent in 2022) ist gegenüber dem Vorjahr stark gefallen. Dennoch ist der Durchschnittspreis für Einfamilienhäuser in 2022 gegenüber dem Vorjahr leicht von 2 bis 8 Prozent angestiegen.
So wurde für ein freistehendes Einfamilienhaus der Baujahresklasse 1975 bis 1994 im Durchschnitt 520.000 Euro (Vorjahr 403.000 Euro) bei einer Wohnfläche von 165 Quadratmeter bezahlt. Eine Doppelhaushälfte der gleichen Baujahresklasse und einer Wohnfläche von 130 Quadratmeter wurde durchschnittlich für 390.000 Euro (Vorjahr 361.000 Euro) verkauft.
Auch der mittlere Preis für Neubaueigentumswohnungen ist mit 3.810 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bei einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 83 Quadratmeter erneut stark – um rund 10 Prozent – gestiegen. Allerdings sank die Anzahl der verkauften Neubaueigentumswohnungen von rund 50 auf nur noch 8 Kauffälle im Jahr 2022.
Die Quadratmeterpreise für Altbauwohnungen sind ebenfalls gestiegen. Für Wohnungen der Baujahre 1985 bis 1994 sind im Durchschnitt 2.030 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche fällig (Vorjahr 1.890 €/m²). „Preisabweichungen nach oben oder unten ergeben sich natürlich durch Lage, Ausstattung und Alter der jeweiligen Wohnung“, macht Wagenbach deutlich.
Bericht online abrufbar
Im Grundstücksmarktbericht sind die Angaben zu Anzahl, Geld- und Flächenumsatz sowie die Durchschnittspreise der einzelnen Teilmärkte für den gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis angegeben. Die Zahlen sind zusätzlich auch nach Gemeinden ausgewiesen. Darüber hinaus veranschaulichen Diagramme die unterschiedlichsten Sachverhalte.









