Die Fallzahlen und Beratungskontakte der Anonymen Drobenberatung Iserlohn (DROBS) ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr davor deutlich gestiegen. Waren es 2021 noch genau 4.367 Kontakte, stieg die Zahl im letzten Jahr auf 4848 (914) Personen wurden insgesamt betreut.
Diese Bilanz stellte Stefan Tertel, Geschäftsführer der Anonymen Drogenberatung, im Ausschuss für Gesundheit und Soziales des Märkischen Kreises vor. 140 Entgiftungen wurden veranlasst und 145 Drogentherapien angestoßen. Auf Nachfrage schätzte Stefan Tertel die Anzahl der Drogentoten im Märkischen Kreis auf etwa 40, genauere Zahlen gebe es nicht.

Die DROBS ist an drei Standorten im Kreis vertreten – am Hauptsitz in Iserlohn sowie in Werdohl und Lüdenscheid. Von Werdohl aus werden Sprechstunden in Plettenberg, von Lüdenscheid aus in Kierspe und Meinerzhagen angeboten. Seit November ist die Drogenberatung in einem neuen Gebäude an der Nordstraße 21 in Iserlohn zu erreichen. Nach 38 Jahren „Am Dicken Turm“ konnte der Umzug erfolgen. „Dort verfügen wir über zwei getrennte Eingänge und sind jetzt räumlich gut aufgestellt“, so Stefan Tertel.
„Die Klienten sind vielfältiger geworden, deshalb sind unsere Angebote auch vielfältiger geworden. Erster Schritt ist immer, eine Beziehung zu den Klienten aufzubauen, und dann weitere Hilfen anzubieten sowie Möglichkeiten aufzuzeigen“, gab der DROBS-Geschäftsführer einen Einblick in seine Arbeit und die seiner Kolleginnen und Kollegen. Neuer Schwerpunkt in der Jugend-Suchtberatung sei „Emma und Jonny“. Die Onlineberatung richte sich an junge Erwachsene, die in der digitalen Welt unterwegs seien.

Die Corona-Pandemie habe auch massive Auswirkungen auf die Arbeit der Drogenberatung gehabt, so Stefan Tertel. Es gab weniger Suchtprävention, weniger Kontakte zu Kindern und Jugendlichen in den Schulen, weniger Teamveranstaltungen. Ukraine-Krieg und Energiekrise hätten für die Drogenkranken ebenfalls weitreichende Folgen gehabt: mehr Armut, (wenig) Wohnungen, wenig Arbeit (Süchtige leben länger…), mehr Suchtprobleme exzessiver Medienkonsum, Bedarf an Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Eltern ist gestiegen.
„Es ist mehr Druck im Kessel“, beschreibt Tertel die aktuelle Situation seiner Kundschaft. Als gut bezeichnet er die Zusammenarbeit mit Jobcentern und Jugendämtern. Allerdings: „Die DROBS gibt keine Auskunft über die Klienten – nur, ob er oder sie bei der DROBS gewesen ist.“
Rauschmittel seien immer verfügbarer und bezahlbarer geworden, die Bestellung im Internet ist möglich. Und wie beurteilt der DROBS-Geschäftsführer die Freigabe von Cannabis? Stefan Tertel: „Alle Rauschmittel haben gesundheitliche Folgen. Auch wenn es jetzt legalisiert wird, bleibt es immer ein Problem. Die Risiken bei illegal bezogenem Cannabis sind hoch.“
1990 Menschen starben 2022 an den Folgen ihres Drogenkonsums
Die Zahl der Drogentoten in NRW sei stark gestiegen. 1990 Menschen seien im vergangenen Jahr an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Ein Problem sei, dass immer weniger Ärzte substituieren, also den Abhängigen beispielsweise Ersatzmedikamente verabreichen.
Stefan Tertel: „Die es noch machen, sind über 60 Jahre. Aus diesen Gründen befürchte ich, dass die Anzahl der Drogentoten weiter steigt. Unser Vorschlag sind Drogenkonsumräume wie in den Metropolen. Wir würden gerne in Iserlohn und Lüdenscheid solche Räume einrichten. Vorteil: Es wäre immer ein Arzt oder Rettungssanitäter anwesend. Konsumiert wird ohnehin, besser, wenn es in einem geschützten Raum geschieht.“

Es sei zudem schwierig, Ärzte für die Substitution zu gewinnen. Praxen gebe es in Iserlohn, Schwerte und Menden, allerdings keine im Südkreis. „Und wie sollen die Klienten aus dem Südkreis mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Schwerte oder Iserlohn kommen? Die sind dann ja einen halben Tag unterwegs.“ Tertel hat festgestellt, dass immer mehr ältere Menschen ein Suchtproblem haben, aber alleine zu Hause sitzen. „Wir versuchen, auch sie unterstützen, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt.
Ein freudiges Ereignis steht der Anonymen Drogenberatung in diesem Jahr noch ins Haus – sie wird 50 Jahre alt. Gefeiert werden soll das unter anderem mit zwei Tagen der offenen Tür – und zwar am Donnerstag, 15. Juni, 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr, in der Beratungsstelle Lüdenscheid, sowie am Freitag, 08. September, ab 10.00 Uhr in der Zentrale in Iserlohn.








