Aykut Aggül schoss bei den Etatberatungen durchaus scharf. „Für mich ist der Bereich Soziales im Haushalt stark vernachlässigt“, erklärte Aggül. So seien beispielsweise im Haushalt Gelder für eine Boulbahn an der Lenne eingeplant. „Die könnte man bestimmt über Fördergelder finanzieren. Das ist doch ein klassisches Kleinprojekt“, erklärte Aggül. Er könne nicht verstehen, warum das nicht passiert sei. Auch finde er im Haushalt keinen Posten zur finanziellen Unterstützung der Ferienspiele. Für den Ehrenamtspreis, der mit 200 Euro dotiert ist, könne er sich außerdem gut 200 Euro mehr vorstellen, um das Ehrenamt noch mehr zu schätzen. Was vor acht Jahren ins Leben gerufen wurde, sollte man seiner Meinung nach weiter ausbauen. Der Ton war durchaus scharf: „Wir unterstützen die Kinder- und Jugendfeuerwehr. Aber der Ehrenamtspreis, der bleibt bei 200 Euro.“ Gut findet er hingegen, dass die Gemeinde 1000 Euro für die Flüchtlingsarbeit eingeplant hat, um die gestrichenen Fördermittel aus dem Programm „Komm an“ zu kompensieren.
„Natürlich möchte man immer mehr und mehr“, sagte der Ausschussvorsitzende Christian Pohlmann (SPD). Aber die Haushaltslage lasse eben nicht alles zu. Es werde beispielsweise auch in diesem Jahr wieder ordentlich Geld für die Spielplätze in die Hand genommen. Bereits im vergangenen Jahr gab es einige neue Spielgeräte. Und auch 2025 wird dort investiert. Was den Ehrenamtspreis betrifft, sagte Pohlmann: „Ich glaube, das ist ein schöner Betrag. Den Ehrenamtlern geht es gar nicht um das Geld. Ich denke, angesichts der Haushaltslage ist das angemessen.“
Bürgermeisterin Birgit Tupat erklärte zudem, dass der Ansatz „Ferienspiele“ nicht mehr im Haushalt zu finden sei, da der Träger das Evangelische Jugendreferat ist. Dieser finanziere die Aktion. „Die kümmern sich komplett alleine darum. Wenn sie aber auf uns zukommen und sagen, dass sie mehr Geld brauchen, kümmere ich mich persönlich darum. Beispielsweise wenn ein Bus gechartert werden muss. Dann sammel ich Spenden“, betonte Birgit Tupat. Und was die Boule-Bahn betrifft: „Natürlich werden wir dafür Fördergelder beantragen, das ist doch klar. Aber irgendwie müssen wir das ja erst einmal im Haushalt darstellen.“
Aykut Aggül gab sich damit nicht zufrieden und schoss erneut zurück und kristisierte, dass nicht offen kommuniziert werde: „Wenn nichts angesetzt ist, werden keine Rückfragen kommen. Klar.“ Seiner Meinung nach müsse ein Ansatz für benachteiligte Familien geschaffen werden. Er habe in persönlichen Gesprächen oft erlebt, dass Familien ihre Kinder nicht zur Klassenfahrt schicken können, weil sie das Geld nicht hätten. Gleiches gelte für Freizeitaktivitäten. Ein Punkt im Haushalt, der solche Familien unterstütze fehle ihm.
Nun wurde es durchaus laut: „Also jetzt platzt mir gleich der Kragen“, konterte Stefan Herbel (CDU). 75 bis 80 Prozent des Bundes-, Landes- und Kreishaushaltes seien Sozialausgaben. „Wenn man sagt, wir tun zu wenig, dann finde ich das ein starkes Stück“, sagte Herbel sichtlich erbost. Und auch das Jugendreferat finanziere sich nicht aus eigener Tasche, sondern bekomme für die Jugendarbeit Geld von der Gemeinde. „Dass Familien sich das nicht leisten können, liegt oft auch daran, dass sie zu bequem sind, einen Antrag zu stellen“, erklärte der Christdemokrat. Es gebe schließlich extra Programme, die Familien in solchen Situationen unterstützen und die Teilhabe sichern. Bei der Antragsstellung helfe sowohl die Schule als auch die Verwaltung. „Es ist also nicht so, wie Sie es darstellen. Dass nicht alles himmelhochjauchzend ist, ist klar. Aber es ist ein auskömmliches Maß. Die Gemeindekasse jetzt aufzublähen, halte ich für falsch“, sagte Stefan Herbel.
Rückendeckung bekam Aykut Aggül einzig von Regina Tschentscher (UWG). Sie regte an, die kleinen Beträge in Beziehung zu den großen Ausgaben zu setzen. Beispielsweise würden 7 Millionen Euro für ein Schwimmbad ausgegeben. „Da müsste man bei den Großprojekten dann auch mal gucken und die Ausgaben reduzieren“, sagte Tschentscher. Auch Aykut Aggül war noch nicht durch mit der Diskussion: „Wir reden hier über Kleinstbeträge, die man in die Hand nehmen sollte. Natürlich können die Betroffenen Anträge stellen. Aber die Hemmschwelle ist einfach groß“, meinte Aggül.
Stefan Herbel schlug daraufhin vor: „Man kann hier Vorträge halten. Aber stell lieber einen konkreten Antrag.“ Aykut Aggül konterte: „Als fraktionsloser kann ich keinen Antrag stellen. Das ist jetzt eure Aufgabe.“ Einen entsprechenden Antrag wird es wohl nicht geben. Denn auch Gerd Schröder (SPD) pflichtete Stefan Herbel bei: „Also ich finde den Haushalt enggestrickt, aber ausgewogen.“ In Sachen Erhöhung Ehrenamtspreis würde er auch sagen, dass der Ansatz auskömmlich sei, da es nicht um das Geld gehe, sondern um die Anerkennung. Was die Debatte um einen Ansatz für benachteiligte Familien betrifft, sagte Schröder: „Es ist sicherlich richtig, dass es eine Hemmschwelle gibt. Aber es gibt entsprechende Unterstützung und wir können denen das Geld doch nicht an die Haustür bringen.“
Auch seitens der UWG wird Aykut Aggül keine Unterstützung bekommen. „Wir werden einen solchen Antrag nicht stellen. Wir haben keinen Fraktionszwang. Das war die Meinung von Regina Tschentscher, nicht die der Fraktion“, erklärte Petra Triches im Nachgang der Sitzung.
Christian Pohlmann beendete schließlich die hitzige Debatte, die thematisch immer weiter vom eigentlichen Haushalt abwanderte und forderte die Anwesenden zur Abstimmung auf. Final wurde der Etat einstimmig beschlossen.









