Die großen Laubbäume im Hohenzollernpark könnten sicher schon so manche Geschichte erzählen. Und aktuell können sie beobachten, wie ihr Zuhause neu und klimafreundlich gestaltet wird. Dabei geben alle Beteiligten auf die alten Gehölze, Insekten und Fledermäuse besonders acht.

Es knirscht und knarrt nun, wenn man durch den Hohenzollernpark spaziert. Statt auf herkömmlichen Wegen schreiten die Besucher künftig über hellen Natursteinkies. Darunter befinden sich Eco-Wabenplatten, die mit dem groben Kies aufgefüllt wurden.
Davon profitiert das Erdreich – aber vor allem werden die Wurzeln der Bäume geschont. Denn anstatt eine 45-Zentimeter-Schicht abzutragen, mussten nur zehn Zentimeter ab Grasnarbe runter.

Bauamt wirft Wegkonzept über den Haufen
„Das Bauamt hat den Wurzelschutz an oberste Stelle gesetzt“, freute sich Martina Hesse beim Ortstermin am Freitag (27. Oktober). Als Ausschussvorsitzende für „Umwelt und Planung“ gaben sie und Dr. Jana Schrage (Die Grünen) den entscheidenden Impuls zur Park-Neugestaltung.
Im Laufe der Planungsphase warf das Bauamt dank dieser Hinweise, die Bäume zu schonen, Dreiviertel des Wegkonzeptes über den Haufen, berichtete Bauleiterin Katrin Siegmund. Ohne das Eingreifen des Bauamts wären langfristig wohl massive Schäden an den Bäumen entstanden, ergänzte Hesse.

Statt auf konventionelle, versiegelte Wege setzte das Team um Siegmund also auf die Kies-Lösung: „Damit viel Feuchtigkeit von oben durchsickern kann“, erklärte sie. Es regnete in Strömen, während sie zusammen mit Baum-Experte Martin Turk und Bauamtsleiter Michael Schmidt präsentierte, wie weit die Arbeiten im Hohenzollernpark vorangeschritten sind.
„Absolut baumfreundliches Wetter“, freute sich Turk angesichts der immer länger währenden Trockenheitsphasen. Doch gerade wegen des längst begonnenen Klimawandels ließ sich das Bauamt schnell überzeugen, den Park schon jetzt bestmöglich darauf vorzubereiten.
„Immer außerhalb der Baumkronen“
Im Zuge der Flächenentsiegelung wurden die Waschbetonplatten rund ums Ehrenmal entfernt und ebenfalls durch Wabenplatten und Kies ersetzt. Nur ein Weg musste laut Katrin Siegmund neu anstehen; dieser führt von der Ecke Bergmannstraße diagonal hoch zur Gedenktafel. Aber: Man sei immer außerhalb der Baumkronen – und damit des Wurzelbereichs – geblieben.

Der kleine Weg oberhalb der Mauer – die Natursteine sollen ebenfalls erhalten bleiben – bleibt zwecks Barrierefreiheit gepflastert, hier sollen drei neue Bänke aufgestellt werden. Dank einer neuen Rampe sowie einer Treppe soll jeder Zutritt zum Park haben können. Außerdem sind fünf weitere Bänke sowie eine Relax-Liege aus Holz geplant. Für noch mehr Sitzmöglichkeiten sollen Betonkuben platziert werden.
Fokus auf den Artenschutz
Auch auf die Tierwelt nahm das Bauamt Rücksicht: Die Fledermäuse bleiben weiterhin in den Bäumen beheimatet und ein Insektenhotel soll zahlreichen Arten einen Unterschlupf bieten. Passend dazu gibt’s insektenfreundliche „Bugsafer“-Lampen.
Aus einem anderen Projekt des ausführenden Garten- und Landschaftsbaubetriebs Brocksieper und Milk konnten drei Bäume gerettet werden: Zwei Ahorne und eine Goldulme finden im Hohenzollernpark ein neues Zuhause.

Außerdem sollen laut Katrin Siegmund zahlreiche neue Stauden und Sträucher gepflanzt werden. Ein Habitatsbaum bleibe bestehen, müsse nur zwecks Standhaftigkeit kontrolliert werden.
„Das geht nur, wenn wir das schützen, was wir haben.“
Als Baum-Experte berät Martin Turk vom gleichnamigen Halveraner Betrieb die Stadt Halver. Er betonte, dass die Neuausrichtung des Parks auch mit Blick auf eine neue EU-Verordnung nur sinnvoll sei. Diese sieht eine Zunahme der städtischen Grünflächen bis 2050 um fünf Prozent sowie einen Mindestanteil von zehn Prozent an Baumkronen vor. „Das geht nur, wenn wir das schützen, was wir haben.“
Er lobte auch, wie behutsam die Garten- und Landschaftsbauer vorgehen. Sie arbeiten mit Schubkarre statt Radlader. Es könne nur gut werden, wenn es ganzheitlich vernünftig gemacht werde.
Kosten steigen unerwartet an
Ursprünglich war die Maßnahme mit 210.000 Euro kalkuliert – 200.000 Euro sollten mithilfe von Fördermitteln gedeckelt werden. Nun – rund drei Jahre nach Beginn der Planungen – liege man bei Ausgaben in Höhe von 330.000 Euro, erklärte Katrin Siegmund. Das führt sie auf die Inflation und die allgemeine Kostensteigerung zurück.
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Zum Volkstrauertag am Sonntag, 19. November, soll der obere Bereich voraussichtlich nutz- und begehbar sein. Die komplette Maßnahme wird laut Siegmund im Laufe des Jahres 2024 fertiggestellt. Und dann müssten natürlich noch all die Stauden, Sträucher und Bäume gut anwachsen und den Hohenzollernpark im neuen Gewand erscheinen lassen.










