„Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Grundschule Tinsberg Pilotstandort für das Projekt ‚Ganztag und Raum‘ sind“, so Carina Böhme, kommissarische Leiterin des Fachdienstes Schule und Sport bei der Stadt Lüdenscheid. „Der Rechtsanspruch für ganztägige Bildung auch im Grundschulalter kommt ab 2026. Von dem Pilotprojekt an der Tinsberger Schule erhoffen wir uns Inspiration und Ideen auch für die weiteren Schulen in Lüdenscheid. Kinder verbringen einen großen Teil ihres Tages in der Schule. Da ist es wichtig, diesen Ort einerseits räumlich aber auch inhaltlich attraktiv zu gestalten und damit den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden.“
Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft wird die Schule Tinsberg bei der Entwicklung eines zukunftsgerichteten pädagogisch-räumlichen Ganztagskonzeptes begleiten. Hierfür stellt die Stiftung nicht nur ihre eigene Expertise in den Bereichen Pädagogische Architektur und Inklusive ganztägige Bildung zur Verfügung, sondern beauftragt zusätzlich jeweils ein interdisziplinäres Prozessbegleitungsteam aus Pädagoginnen und Pädagogen sowie Architektinnen. Ziel des Projektes „Ganztag und Raum“ ist es, zu zeigen, wie sich zukunftsfähige inklusive ganztägige Bildung in bestehenden Räumen umsetzen lässt.
Die Auswahl der vier Pilotstandorte hat eine hochkarätig besetzte Fachjury in einem zweistufigen Auswahlprozess getroffen. Mehr als 40 Städte und Gemeinden aus dem gesamten Bundesgebiet hatten sich bei der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft beworben. Damit alle interessierten Kommunen von dem Projekt profitieren können, werden die Prozesse in den Pilotprojekten umfassend dokumentiert und die Ergebnisse veröffentlicht. Zudem gibt es begleitende Netzwerkveranstaltungen.
Das große Interesse an diesem Projekt erklärt sich auch durch das „Gesetz zur ganztägigen Förderung von Kindern im Grundschulalter“. Dieses spricht jedem ab 2026 neueingeschulten Kind einen Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung zu. Laut einer Schätzung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) müssen hierfür rund 800.000 weitere Ganztagsplätze geschaffen werden. Für viele Kommunen bedeutet dies eine große Herausforderung, da dem Mehrbedarf an Plätzen ein begrenztes Angebot an Raum gegenübersteht.
Hier setzt die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft mit ihrem Projekt „Ganztag und Raum“ an. Denn vielerorts sind keine aufwendigen Neubauten nötig, um diesem Mehrbedarf zu begegnen. Oft funktioniert Ganztag nämlich noch immer nach dem Prinzip „vormittags Schule, nachmittags Betreuung“: Beide Bereiche arbeiten weitgehend unabhängig voneinander ohne gemeinsames pädagogisches Konzept und in getrennten Räumen. Hierdurch wird sowohl räumlich als auch pädagogisch viel Potenzial verschenkt.
Deshalb entwickelt die Stiftung gemeinsam mit den Pilotstandorten Ganztagskonzepte, die darauf abzielen, die Trennung von „Vormittag“ und „Nachmittag“ aufzuheben und beide Bereiche stärker zu verzahnen. Maßnahmen sind beispielsweise die Neustrukturierung von Tagesrhythmen und Teamstrukturen, kleine Umbauten sowie die Anpassung von Raumnutzungen und Möblierung. Ziel ist es, durch die Verbindung von Pädagogik, Organisation und Raum hochwertige ganztägige Bildung in den Bestandsgebäuden zu ermöglichen. Neben der gesamten Schulgemeinschaft sind auch Jugendhilfe, Schulverwaltung und Schulaufsicht involviert. Das ermöglicht, den Prozess und die Ergebnisse auch auf andere Standorte in den Kommunen zu übertragen.
Das erste Pilotprojekt in Ulm
Wie das funktionieren kann, hat die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft bereits in einem ersten Pilotprojekt in Ulm erprobt. Unter www.montag-stiftungen.de/gur-ulm lässt sich die komplette Dokumentation herunterladen.
Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft ist eine unabhängige gemeinnützige Stiftung und gehört zur Gruppe der Montag Stiftungen in Bonn. In ihren Handlungsfeldern Pädagogische Architektur, Bildung im digitalen Wandel und Inklusive ganztägige Bildung engagiert sie sich für eine chancengerechte Alltagswelt, an der alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können und die Kindern und Jugendlichen bestmögliche Entwicklungs- und Bildungschancen eröffnet. In ihrem Handlungsfeld Pädagogische Architektur macht sich die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft für einen zukunftsfähigen, nachhaltigen und inklusiven Schulbau stark. Dabei verbindet sie die zwei Disziplinen, die im Schulbau eng zusammengehören: Denn gute Schulen brauchen sowohl pädagogische Konzepte, die Kinder und Jugendliche optimal begleiten, als auch Räume, die diese Konzepte ermöglichen und unterstützen.
Unternehmer aus Freienohl
Die Carl Richard Montag Förderstiftung als Dachstiftung und Eigentümerin des Stiftungsvermögens finanziert die projektbezogene Stiftungsarbeit im Sinne des Stifters Carl Richard Montag. Unterstützt wird sie von der Montag Stiftung Denkwerkstatt als Impulsgeberin und Ideenschmiede, die auch die strategische Beratung sowie die übergeordnete Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftungsgruppe verantwortet.
Carl Richard Montag stammt aus Freienohl im Sauerland. Das Vermögen, das er in seine Stiftungen eingebracht, stammt aus seiner erfolgreichen Tätigkeit als Bauunternehmer und Generalplaner.









