„Ich bis seit 18 Jahren Leiterin der Agentur für Arbeit, und jetzt zum ersten Mal eingeladen worden, darüber freue ich mich sehr“, sagte Pawlas. Der Vorschlag, die Agentur-Chefin mal für einen Bericht ins Lüdenscheider Kreishaus zu bitten, sei von der CDU-Fraktion gekommen, verriet Ausschuss-Vorsitzender Bernd Alban (SPD). Man war sich einig, Sandra Pawlas künftig häufiger einzuladen – anlog zu den Auftritten von Anna Markmann, Leiterin des Jobcenters Märkischer Kreis.
Frühjahrsbelebung ist ausgeblieben
„Die Arbeitslosigkeit steigt, die sonst übliche Frühjahrsbelebung ist ausgeblieben, es gibt weiter eine hohe Nachfrage an Arbeitskräften, auf dem Ausbildungsmarkt gibt es weniger Bewerber und Ausbildungsstellen“, fasste Sandra Pawlas ihre Ausführungen zusammen.
Aktuell seien im April gut 16.700 Menschen arbeitslos gewesen. Das entspreche einer Quote von 7,5 Prozent. Die Daten würden in den vier Dienststellen der Agentur – in der Hauptstelle Iserlohn sowie in Werdohl, Menden und Lüdenscheid – ermittelt. Pawlas: „Etwa ein Drittel fallen in den Bereich der Arbeitsagentur, zwei Drittel in den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters.“
60 Prozent ungelernte Helfer
„Kunden“ der Agentur für Arbeit seien demnach rund 5000 Personen. Das Jobcenter Märkischer Kreis betreut 11.702 erwerbsfähige Männer und Frauen, darunter 6500 Langzeitarbeitslose. 60 Prozent kommen aus dem Helfer-Bereich und sind ungelernt. „Die Arbeitgeber suchen aber qualifizierte Fachkräfte, Spezialisten und Experten“, so Sandra Pawlas.
Bei der Agentur für Arbeit seien im April 4.600 offene Stellen gemeldet gewesen. Das seien zwar gut 400 weniger als noch ein Jahr zuvor, „aber da steckt Musik drin“, beurteilt die Agentur-Chefin. Die Nachfrage stagniere auf hohem Niveau. Arbeitgebern und Arbeitssuchenden riet die Chefin der Arbeitsagentur „alle angebotenen Bildungs-, Weiterbildungs- und Unterstützungsmöglichkeiten der Agentur zu nutzen und nachzufragen.“
Warnsignal für die wirtschaftliche Entwicklung
Im September 2023 waren im Märkischen Kreis 162.982 Männer und Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vorjahr waren es 164.541 Personen. In der Abweichung von minus 0,9 Prozent sieht Sandra Pawlas ein erstes Warnsignal für die wirtschaftliche Entwicklung des Kreises. Regionen wie das Münsterland oder das Rheinland hätten in diesem Zeitraum bei der Beschäftigung zugelegt (plus 0,9 Prozent). In ganz Südwestfalen ging die Beschäftigung um 0,2 Prozent zurück. Hauptarbeitgeber im Märkischen Kreis sei nach wie vor mit 37,8 Prozent die Metall- und Elektroindustrie. Die industriell geprägte Region sei die mit dem höchsten Anteil an unterlernten Arbeitskräften aller Beschäftigten.
1741 suchen noch einen Ausbildungsplatz
Den Ausbildungsmarkt im Märkischen Kreis fasste die Agenturchefin knapp zusammen: „Aktuell gibt es mehr Ausbildungsstellen als Ausbildungssuchende.“ Bis April 2024 wurden insgesamt 2.281 betriebliche Berufsausbildungsstellen gemeldet. Dem gegenüber stünden 1.741 Bewerberinnen und Bewerber, die sich im Laufe des Berichtsjahres bei den Agenturen für Arbeit vor Ort gemeldet haben. Den zumeist Jugendlichen wirft Sandra Pawlas vor: „Manche wollen nach der Schule erst einmal ein Jahr Pause machen, andere sind sehr unflexibel, wenn es mit ihrem Wunschberuf nicht klappt.“









