Ja, eigentlich war es eine reine Formsache und die logische Konsequenz. „Der Verein wird aufgelöst gemäß Paragraph neun der Satzung Dorfkirche aktiv – Förderverein der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Wiblingwerde wegen Wegfall des Vereinszwecks nach Paragraph zwei der Satzung“, erklärte der Vorsitzende Ralf Machelett. Was sperrig klingt, ist eigentlich ganz einfach: Es kann keinen Förderverein für eine Gemeinde geben, die gar nicht mehr existiert.
Wie bereits mehrfach berichtet, haben sich die evangelischen Kirchengemeinden Wiblingwerde, Nachrodt-Obstfeld und Altena zur neuen Gemeinde Trinitatis Mark zusammengeschlossen. So sollen alle drei Standort für die Zukunft sicher aufgestellt werden. Seit dem 1. Januar ist das so. Offiziell gefeiert wird der Zusammenschluss allerdings erst Pfingsten.

Am Dienstag versammelten sich Mitglieder des Fördervereins im evangelischen Gemeindehaus in Wiblingwerde zur Mitgliederversammlung. Auf der Tagesordnung stand bereits deutlich, worum es gehen würde. „Eigentlich sind Beerdigungen in Wiblingwerde immer gut besucht, aber diese wohl nicht.“ Mitglied Uwe Rath nahm es mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Neben dem Vorstand waren lediglich fünf weitere Mitglieder erschienen. Aber sie alle waren Mitglieder der ersten Stunde und der Abschied fiel allen Beteiligten sichtlich schwer. Ist die Geschichte des Fördervereins doch untrennbar mit den bewegenden Ereignissen in der Gemeinde während der vergangenen Jahre verknüpft.
Die Idee zu diesem Förderverein entstand einst, um die Pfarrstelle von Gerald Becker im Höhendorf zu erhalten. Ein Drittel der Stelle musste die Gemeinde damals selbst finanzieren. Der junge und motivierte Pfarrer war beliebt. Er sollte unbedingt der Gemeinde erhalten bleiben. Und so war der Förderverein schnell gegründet. Viele machten mit. 60 Mitglieder zählte der Verein im Nu. Nach einiger Zeit bekam Gerald Becker noch einen Auftrag an einer Berufsschule. Dadurch war die volle Stelle gesichert. Aufgelöst wurde der Förderverein dennoch nicht. Denn noch immer waren die finanzielle Mittel knapp und die Mitglieder engagiert. Das große Ziel blieb und so hieß es damals: „Wir möchten die Eigenständigkeit der Gemeinde erhalten und eine aktive und segensreiche Arbeit ermöglichen. Wo unsere Hilfe gebraucht wird, sind wir dabei.“

Der Förderverein hat seither das Gemeindeleben maßgeblich geprägt. In guter Erinnerung sind den Wiblingwerdern noch die Gemeindefeste und die Frühlingsmärkte. Mit dem Geld, das durch Spenden, Feste und Mitgliedsbeiträge gesammelt wurde, konnte viel bewegt werden. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn durch eine große Spende wurde unter anderem der Treppenlift für das Gemeindehaus angeschafft. Durch ihn ging es von nun an barrierefrei von unten in den großen Saal. „Das erste, was damals jedoch angeschafft wurde, nachdem es nicht mehr nur um die Pfarrstelle ging, waren Stuhlkissen“, erinnert sich der Vorsitzende. Und so gab es viele kleine und große Anschaffungen mit Mitteln des Förderereins. „Oft war es so, dass durch den Zuschuss des Fördervereins Dinge ins Rollen gebracht werden konnten“, erzählte Machelett.
Eine große Sondersammlung gab es unter anderem für das Dach der Kirche, das dringend erneuert werden musste. Oder für einen Zuschuss für die Anschaffung einer neuen Orgel. „Die 18.000 Euro dafür haben wir schon 2019 übergeben. Die Orgel wird auch kommen. Sie ist bestellt und erste Vorarbeiten an der Empore sind auch schon erfolgt“, berichtete Machelett.

„Wichtig war uns immer, dass man die Dinge anfassen kann. Es wurden zum Beispiel auch mal Heizkostenzuschüsse diskutiert. Da entschieden wir uns allerdings gegen“, erinnert sich Kassierer Tobias Kreft. Viele kleine Dinge rund um Kirche und Gemeindehaus wurden gekauft. Beispielsweise eine neue Spülmaschine, neue Vorhänge für das Gemeindehaus, ein Aufsitzrasenmäher oder eine Schneefräse. Zudem gab es Zuschüsse zur Sanierung der Jugendräume.
„Im vergangenen Jahr haben wir uns dann recht schnell dazu entschieden, noch das restliche Geld zu investieren. In der Satzung steht nämlich, dass das Geld im Falle einer Auflösung an die Kirchengemeinde geht. Wäre das so, wäre nicht mehr gewährleistet, dass das Geld in Wiblingwerde bleibt, wofür es bestimmt war“, erklärte Machelett. Daher gab es noch 9000 Euro für die Sanierung der Treppen, 430 Euro für Reparaturen am Rasenmäher und 1680 Euro für eine Funkanlage für die Kirchenglocken. „Die ist vor allem für Beerdigungen sinnvoll. Das Problem war immer, dass niemand sehen konnte, wann die Gesellschaft am Grab auf dem Friedhof angekommen ist. Denn dann sollen die Glocken läuten. Nun kann der Bestatter diese vom Friedhof aus anschalten“, erklärte Machelett.

Nun waren noch 117,66 Euro in der Kasse. „Das Geld brauchen wir noch für Verwaltungsangelegenheiten. Der Notar beispielsweise bekommt noch etwas für die formelle Auflösung“, erklärte Kreft.
Vor und nach der Versammlung wurde noch viel über die neue Kirchengemeinde diskutiert. Während beispielsweise Lilo Kannengießer klar sagte, „das ist nicht mehr meine Kirchengemeinde“, waren andere, wie beispielsweise Barbara Böhland, positiver: „Ja, es ist eine Veränderung. Aber es führte kein Weg drumherum. Wir behalten doch unsere Kirche, feiern hier weiter reformierte Gottesdienste und auch die Gruppen gehen doch weiter.“ Der Vorstand des Fördervereins sieht das ähnlich. Jedoch wisse man auch, welche Probleme so ein Prozess mit sich bringe. „Wenn es einen neuen Förderverein geben sollte, müsste der mit Leben aus allen Standorten gefüllt werden. Wir müssen uns erst einmal alle finden. Vorher macht es unserer Meinung nach keinen Sinn, darüber zu diskutieren“, erklärte Machelett.










