Seit zwei Jahren hat der Familienbetrieb keine Bewerbung für einen Ausbildungsplatz erhalten, trotz großen Bedarfs – so bereits die Bilanz während der „Woche der Ausbildung“ vom 13. bis zum 19. März (wir berichteten). Ein Beispiel, das den Trend im Märkischen Kreis widerspiegelt: Laut der Bundesagentur für Arbeit des Kreises sind zum Ausbildungsstart immer noch 1352 Stellen frei (LokalDirekt berichtete).
Gerne würde auch die Firma Gohmann jährlich ein bis zwei Auszubildende beschäftigen. Werbemaßnahmen via Radio und über Portale wie die Arbeitsagentur oder die Kreishandwerkerschaft liefen ins Leere, dennoch gibt es auch eine positive Entwicklung: „In diesem Jahr geht unser einziger Lehrling in die Gesellenprüfung“, hat Achim Gohmann gegenüber LokalDirekt im März verraten. Dieser Lehrling ist dem Unternehmen treu geblieben: Tim Göhner. Er erklärte uns, was ihn an seinem Job reizt.
„Abwechslungsreicher Beruf“
Seit Mitte Juni ist Göhner als „frischer Geselle“ bei „Gohmann“ dabei. „Es ist ein abwechslungsreicher Beruf“, findet er. Die Ausbildung und Gesellenprüfung lassen vieles offen: die Selbstständigkeit, den Meisterbrief, verschiedene Spezialisierungen – etwa Bereich Beton – oder auch ein Studium, um Bauingenieur zu werden. Göhner möchte sich ab dem kommenden Jahr zum Straßenbaumeister in der Dortmunder Meisterschule ausbilden lassen.
„Lokal und direkt“
Vor drei Jahren sei es für ihn zum Ausbildungsstart keine Frage gewesen, bei Gohmann anzufangen. Als Kiersper sei das Unternehmen für ihn „lokal und direkt“ in der Nähe gewesen. Zuvor hatte er eine Ausbildung als Dachdecker abgebrochen und sich für den Straßenbau entschieden.
Danach ging alles ganz schnell: „Ich habe eine Bewerbung abgegeben, hatte ein Treffen mit dem Junior-Chef und nach einem persönlichen Treffen ging alles einfach von der Hand“, erinnerte er sich.
Desinteresse kann Göhner nicht verstehen
Auf den Azubi-Mangel in der Handwerks-Branche und Baugewerbe könne er nicht nachvollziehen. „Klar ist es eine körperlich anstrengende Arbeit, aber man kann auch Spaß daran haben.“ In seinem Freundes- und Bekanntenkreis habe er sich umgehört: Hier haben sich viele bereits für eine andere Ausbildung oder ein Studium entschieden – ebenfalls ein Abbild des kreis- und deutschlandweiten Trends.
Bewerbung jederzeit möglich
Grundtugenden wie Pünktlichkeit und die Lust am Arbeiten wünscht sich Nico Hohmann von neuen Azubis. Gleichzeitig beschränkt er sich nicht auf den 1. August als Ausbildungsstart. „Man kann sich jederzeit initiativ bei uns bewerben“, versicherte er.
Und das ginge noch unkomplizierter als bei Göhner: „Eine förmliche Bewerbung brauche ich nicht. Ein Anruf mit der Ansage ‚Ich will arbeiten‘ reicht und dann treffen wir uns zu einem Gespräch.“
Prognose Handwerk
Das gesamte Handwerk habe die gleichen Probleme Ausbildungsplätze zu besetzen. „Wir werden weiter durchkommen, aber wer weiß, wie es in zehn bis 15 Jahren aussieht“, so Gohmann abschließend.









