Bei 50 km/h legt ein Auto pro Sekunde exakt 13,3 Meter zurück. Ist der Fahrer auch nur einen Moment abgelenkt, beispielsweise wenn ein Ball über die Straße rollt, hat das Kind, das dem Ball hinterherrennt, keine Chance. Am 12. Juni war Milo Crico zusammen mit weiteren Fachleuten Gast im Berufskolleg für Technik (BKT) am Lüdenscheider Raithelplatz. Ihr Ziel: Junge Leute für Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren und vor Leichtsinn zu warnen.
Ein drastisches Beispiel präsentierte Wolfgang Rahmer, Oberstaatsanwalt a. D. Der Fahrer eines mit vier jungen Leuten (alle unter 21 Jahre) besetzten Autos lässt sich an einem Schnellimbiss provozieren. Er fährt auf den Mann zu. Der landete auf der Motorhaube. Dann gibt der Fahrer Gas. Stellenweise geht es mit bis zu 120 km/h über die B54. An einer Bushaltestelle muss er abbremsen. Der Mann auf der Motorhaube springt ab. „Immerhin bei 50 km/h“, sagt Wolfgang Rahmer. Passiert ist ihm kaum etwas. „Zum Glück war er Karate-Sportler.“
Die Täter sind schnell ausfindig gemacht. Das Beweismaterial gegen sich haben sie dabei. Sie haben die Aktion mit ihren Handys aufgenommen. Die Anklage wegen Körperverletzung folgt. Der Fahrer und drei weitere Personen aus dem Wagen werden verurteilt. „Jugendlicher Leichtsinn und gruppendynamische Prozesse können zu solchem Fehlverhalten führen“, berichtet der ehemalige Oberstaatsanwalt.
Direkt von der Straße berichtet Milo Crico. Ein Unfall mit drei Toten in Niedersachsen, darunter eine schwangere Frau und ihr Baby. „Da hatte ich selbst kurz einen Filmriss“, erinnert er sich. Die Jugendlichen im Klassenraum wirken nachdenklich. Dann zeigt Crico ein Video eines befreundeten Motorradfahrers. Der Mann wird von einem Raser auf der L528 zwischen Halver und Kierspe überholt. Dabei streift er ein anderes Fahrzeug. Zum Glück wird nur ein Außenspiegel des Autos beschädigt. Einige hundert Meter weiter steht das Fahrzeug des Rasers mit qualmendem Motor quer auf der Straße. Der Mann hatte die Kontrolle über den Wagen verloren. „Krass, die Strecke kenn‘ ich“, ruft einer der Schüler. Er und seine Mitschüler dürften gewarnt sein.
Milo Crico fragt auch Wissen ab. Was ist im Notfall zu tun? 112 anrufen, Verletzte in stabile Seitenlage bringen, die meisten wissen, was zu tun ist.
Am Ablenkungssimulator der Kreisverkehrswacht Unna wurden auf einem Bildschirm Verkehrssituationen simuliert, wobei das Fahrzeug vom Nutzer gelenkt sowie Gas und Bremse betätigt werden müssen. Immer wieder stört das Smartphone dabei mit Handlungsaufforderungen, bei denen dann jederzeit ein unvorhergesehenes Ereignis auf der Straße geschehen kann, auf das die Fahrerin oder der Fahrer reagieren muss. Bei der Ablenkung durch das Handy waren die Nutzer oft der Verkehrssituation nicht mehr gewachsen. Angefahrene Fußgänger, Radfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer waren die Folge.
Der angekündigte Gurtschlitten der Verkehrswacht Hagen war nicht am Start. Auf ihm hätten die Schülerinnen und Schüler am eigenen Leib spüren können, welche enormen Kräfte bei einem Frontalzusammenstoß freigesetzt werden.
Der Märkische Kreis veranstaltet in den weiterführenden Schulen seit einigen Jahren diesen Expertenparcours, um junge Fahrerinnen und Fahrer auf Gefahren aufmerksam zu machen
Ziel des Verkehrssicherheitstags: Unfälle zu verhindern und Verkehrsteilnehmer für ein rücksichtsvolles Miteinander zu sensibilisieren. Mehr Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Verhalten als Verkehrsteilnehmer soll geschult werden, damit die jungen Fahrerinnen und Fahrer künftig noch vorausschauender fahren.










