Die Kölner Erzählerin war mit ihrem neuen Programm „Chroniken der Herzen“ auf Einladung des Vereins der Freunde italienischer Kultur in Lüdenscheid zu Gast. Mitveranstalter war der Förderverein Freunde der Stadtbücherei Lüdenscheid.
Simonetta Antonelli braucht auf der Bühne nicht viel. Die Geschichten stecken tief in ihr und sie lässt sie mit viel Temperament und Charme aus sich herauskommen. Oft drehen sie sich um Würde, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Vertrauen. So wie die Geschichte des Kameltreibers, dessen Lieblingstier von einem wütenden Gartenbesitzer getötet wird und der vom Kameltreiber mit einem Stein erschlagen wird. Seine Söhne klagen ihn an. Als der Mörder gerichtet werden soll, bittet er um drei Tage Aufschub, weil er sich von seiner Familie verabschieden will. Danach werde er zurückkehren, versichert er.
Nur ein alter Mann vertraut ihm und bietet sich dem Richter als Pfand an. Und tatsächlich erscheint der Kameltreiber am Ende des dritten Tages. Warum er einem Möder geglaubt habe, wird der alte Mann schließlich gefragt. Seine Antwort: In einer Welt, in der ein Versprechen nicht mehr gelte, habe er nicht mehr leben wollen. Der Richter ist beeindruckt und das Happyend naht. Er lässt Barmherzigkeit gelten und lädt alle zum Feiern ein.
Zu großer Form läuft Antonella Simonetta auf, als sie im zweisprachig angelegten Programm das Stimmgewirr der Menge, die den Mörder gerichtet sehen will, auf Italienisch präsentiert.
So zog die Frau, die nach jahrelanger Theatertätigkeit in Italien und Deutschland und Projekten mit Kindern und Jugendlichen, ihre Rolle als Geschichtenerzählerin gefunden hat, das Publikum in ihren Bann. Begleitet wurde sie von dem Musiker Christoph Diekmann, der mit einer großen Auswahl von Percussions-Instrumenten und seiner Gitarre einfühlsame Übergänge schuf.

Der Abend im großen Saal der Stadtbücherei bot eine „Doppelpremiere“, wie Rolf Scholten, Vorsitzender der Freunde der Stadtbücherei, erklärte. Zum einem handele es sich um den ersten Auftritt von Antonella Simonetti in Lüdenscheid. Zum anderen setzten die Stadtbücherei bei diesem Auftritt erstmals die von Wolfgang Schumacher gespendete mobile Scheinwerferanlage ein. So erlebte das Publikum gleich zwei Glanzlichter.










