Landrat Marco Voge, Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper, Klimaschutzbeauftragte Petra Schaller, Kreisbandmeister Michael Kling sowie dessen Stellvertreter Karsten Runte stellten im Brandschutz- und Rettungsdienstzentrum (BRZ) Altena-Rosmart die digitale Karte sowie deren Nutzungsmöglichkeiten vor. Sie ist weit mehr als die digitale Darstellung eines möglichen Jahrhundert-Hochwassers, die bereits vor Jahrzehnten im Bau- und Planungsausschuss des Kreises präsentiert worden war.
„Wir sind ein wasserreicher Kreis. Mal haben wir viel zu viel davon, mal viel zu wenig“, erklärte Landrat Marco Voge. Deshalb sei es auch vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe von Juli 2021 wichtig gewesen, mit allen 15 kreisangehörigen Städten und Gemeinden ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten.

2021 habe der Märkische Kreis die Erstellung eines Klimafolgenanpassungsteilkonzeptes „Wasser“ in Auftrag gegeben. Es beinhalte die Ermittlung von sensiblen Schwerpunkten bei der Wasserversorgung sowie kommunenscharfe Maßnahmenkataloge. Zwei Bausteine stünden dabei im Fokus: zu wenig Wasser (durch Trockenheit oder Dürre) sowie zu viel Wasser (etwa durch Starkregen).
Komplette Übersicht der Wasserversorgung
Eine komplette Übersicht der Wasserversorgung (etwa Trinkwasser, Löschwasser) im Kreisgebiet mit Verweis auf sensible Punkte ist nun fertiggestellt. Daraus ergeben sich mögliche Handlungsfelder und zu entwickelnde Maßnahmen. Anhand einer 2D-Simulation wird darüber hinaus auch das Thema „Starkregen“ beleuchtet. Diese Starkregengefahrenkarte ist ebenso finalisiert worden. Sie wurde in enger Abstimmung unter anderem mit den Städten und Gemeinden, Wald und Holz NRW, Wasserversorgern, Stadtwerken, Schulen sowie Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet.
Die Arbeiten starteten am 1. Oktober 2021. Eine weitreichende Beteiligung (etwa durch Online-Befragung mit 248 Teilnehmenden, Internet-Plattform und Workshops) zahlreicher Akteure und der interessierten Öffentlichkeit haben sehr viele Rückmeldungen ergeben, die in die Daten eingeflossen sind. Allein im Jahr 2022 wurden 60 Veranstaltungen von der Klimaschutzbeauftragten Petra Schaller durchgeführt.
Besser auf große Regenmassen vorbereiten
„Das Klimafolgeanpassungskonzept ist eine enorm wichtige Grundlage für den nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser bei uns im Kreis. Es beleuchtet verschiedene Teilbereiche mit dem Bezug Wasser. Ein Ziel ist es, besser auf große Regenmassen vorbereitet zu sein. Die Erfahrung, welche Folgen ein lokaler Starkregen haben kann, haben wir nun mehrfach gemacht.
Mit den jetzt fertigen Modellierungen können unsere Rettungskräfte, aber auch Unternehmen und Eigentümer sehen, wie schnell und mit welcher Geschwindigkeit Wasser in einem Gebiet ansteigt und wann es wieder abfließt. Daraus lassen sich konkrete Rückschlüsse ziehen. Es können weitere Maßnahmen zum Schutz vor Katastrophenlagen ergriffen werden. Wir sind einer der ersten Kreise, die über so eine detaillierte Starkregengefahrenkarte verfügen“, sagt Landrat Marco Voge.
Ausschreibung schon vor der Flutkatastrophe im Juli 2021
Die Ausschreibung für das zweijährige Projekt wurde noch vor der verheerenden Flutkatastrophe am 14. und 15. Juli 2021 auf den Weg gebracht. Im September wurde der Auftrag an zwei renommierte Büros vergeben. Die im Rahmen der Erarbeitung erstellten Starkregen-Modellierungen werden nun in einem vierwöchigen Praxistest im Brandschutz- und Rettungsdienstzentrum des Kreises geprüft.Nach der Testphase soll die Starkregengefahrenkarte Anfang 2024 öffentlich zugänglich gemacht und so von Bürgern sowie Unternehmen genutzt werden können, um rechtzeitig Vorsorgemaßnahmen ergreifen zu können.
Dass die Starkregen-Ereignisse keine Ausnahmen gewesen sind, unterstrich die Kreis-Klimaschutzbeauftragte Petra Schaller: „In den letzten 10 bis 20 Jahren ist es immer heißer geworden. In der Folge kamen Starkregen. Es wird mehr und es wird heftiger.“ Auch für die Einsatzkräfte im Kreis ist die neue Online-Karte eine große Hilfe. „Wir können schneller reagieren“, so Kreisbrandmeister Michael Kling. Denn eines sei doch klar, „wir können nicht immer sofort überall sein.“ Kling appelliert an die Resilienz, also die Anpassungsfähigkeit, jedes einzelnen. „Man kann viel für den eigenen Hochwasserschutz tun. Manchmal reicht es schon, die Türen und die Kellerfenster abzudichten“, so Kling.
Filmsimulation
Die Daten zeigen in einer Art Filmsimulation, wo das Wasser bei Starkregen herkommt, wie schnell es fließt und steigt, wie hoch der Wasserstand aktuell ist und wie lange es dauern könnte, bis das Wasser wieder abfließt. Für die Einsatzleitung im BRZ bieten die digitalen Karten eine gute Beurteilungsgrundlage bei Starkregeneinsätzen, zum Beispiel im Hinblick auf die Personal- oder Materialplanung. Zudem ermöglichen sie eine noch gezieltere Warnung der Bevölkerung.
Städte und Gemeinden, Unternehmen, Vereine, Verbände, Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Senioreneinrichtungen können so vorhersehen, ob und wie sie von einem möglichen Starkregen betroffen sind. „Darauf können sie sich dann vorbereiten“, so Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper. Sie weist darauf hin, dass es für den Hochwasserschutz zahlreiche Fördermöglichkeiten gibt. Die Arbeit an der Erstellung des Klimafolgenanpassungsteilkonzeptes geht nun in die finale Phase.
Interviews mit Fachexperten aus den Bereichen Gesundheit, Waldwirtschaft und Wasserversorgung werden noch durchgeführt. Die Maßnahmenkataloge der Kommunen und der Kreisverwaltung werden weiter detailliert abgestimmt. Im letzten Schritt müssen sämtliche Erkenntnisse in ein schriftliches Konzept einfließen. Dies wird für unterschiedliche Zielgruppen eine Lang- und eine Kurzfassung sein. Im März 2024 soll das Projekt in einer größeren Veranstaltung präsentiert werden.
Bevölkerung effektiver schützen
Ziel ist es, die Bevölkerung im Kreis bei den immer häufiger auftretenden Starkregenereignissen effektiver zu schützen und alle Beteiligten für das Thema Vorsorge zu sensibilisieren. Projektende ist am 1. Dezember 2023. Das komplette Konzept sowie die berechneten Starkregen-Modellierungen sollen im ersten Quartal 2024 auf der Homepage des Märkischen Kreises veröffentlicht werden.








