Der Verein Ge-Denk-Zellen „Altes Rathaus“ hat am Samstag, 11. April, an die letzten Tage der nationalsozialistischen Herrschaft in der Stadt erinnert. Rund 20 Besucher beteiligten sich an einem historischen Rundgang.
Start war am Brunnen auf dem Sternplatz. Hier verweisen Pflastersteine auf die Partnerstädte Lüdenscheids. Matthias Wagner vom Ge-Denk-Zellen-Verein wies darauf hin, dass viele der 7500 Zwangsarbeiter aus den Nachbarstaaten und eben auch Partnerstädten kamen. Die Osteuropäer seien als „Untermenschen“ bezeichnet und schlecht behandelt worden. Heute leben Menschen aus hundert Nationen in Lüdenscheid und meistens gelingt ein faires Miteinander.
An der zweiten Station neben dem Rathauseingang wurde auf die 1983 vom Rat auf Initiative von amnesty international angebrachte Tafel für die dort ausgestellten drei Fahnenflüchtigen und die anderen Opfer der NS-Diktatur hingewiesen. Zwanzig Jahre später wurde sie entfernt und ins Archiv gebracht. Hier erfülle sie kaum noch ihren Zweck, über die Unmenschlichkeiten der Nationalsozialisten zu informieren, wurde kritisiert.
Dass der Rathausplatz so modern und inhaltsleer gestaltet worden sei und keine Aussage über seine Geschichte und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Stadt enthalte, wurde als Defizit festgestellt.
An der dritten Station wurde auf die Bedeutung des ehemaligen Hotels zur Post (heute: Targo Bank) hingewiesen. Hier nahmen die siegreichen US-Truppen ihren Sitz und schufen die ersten Ansätze für die Demilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratisierung der deutschen Gesellschaft. Im Juli übernahm das britische Militär die Aufgaben und übertrug sie in Lüdenscheid den belgischen Truppen.
Erinnerung an die jüdische Familie Ripp
In der Knapper Straße informierte Matthias Wagner über das Schicksal der jüdischen Familie Ripp, deren Geschäft an der Knapper Straße 8 in der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstört wurde. Dem Ehepaar mit seinem Baby gelang mit großer Mühe die Flucht nach Belgien. Das Kind kam 1944 bei einem Bombenangriff auf sein Versteck ums Leben.
Der Besuch des „russischen“ Gräberfelds für rund 100 zivile Verstorbene aus den Unternehmen Lüdenscheids auf dem alten evangelischen Friedhof und der Besuch des Kriegsgräberfelds auf dem neuen evangelischen Friedhof bildete den Abschluss des zweistündigen Rundgangs.
Beitrag zur Stärkung demokratischer Werte
Im anschließenden Gespräch über den Sinn der Beschäftigung mit der Vergangenheit Lüdenscheids wurde der Wunsch deutlich, Zeichen oder Werkstücke für die Demokratie in Lüdenscheid zu schaffen, damit zu den Denkmälern der NS-Zeit eine Alternative geschaffen wird. Anlässlich des 81. Jahrestags des Kriegsendes stellte sich insbesondere die Frage, welchen Beitrag das Gedenken zur Stärkung demokratischer Werte leisten kann.











