Die wirtschaftliche Lage im südwestfälischen Handwerk bleibt angespannt. Zwar liegt der Geschäftsklimaindex weiter über dem Bundesniveau, doch erstmals seit Jahren überwiegen nur noch „befriedigende“ Bewertungen.

Überregionale Nachrichten

Das Handwerk in Südwestfalen zeigt sich weiterhin vergleichsweise stabil, kämpft jedoch zunehmend mit wirtschaftlichen Belastungen. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Südwestfalen unter rund 800 Betrieben hervor. Der regionale Geschäftsklimaindex liegt bei 106,8 Punkten, während der bundesweite ifo-Index auf 89 Punkte gesunken ist.

Trotz der scheinbar stabilen Lage zeichnet sich ein Stimmungsumschwung ab: Erstmals seit mehr als zehn Jahren bewerten mehr Betriebe ihre Geschäftslage nur noch als „befriedigend“ statt als „gut“. Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt sieht das Handwerk daher unter Druck: Hohe Kosten für Energie, Material und Kredite sowie unsichere wirtschaftliche Perspektiven belasten die Betriebe erheblich.

Die Unsicherheit wirkt sich deutlich auf die Investitionen aus. Mit einem Index von 86,6 Punkten bleibt die Investitionsbereitschaft niedrig. Viele Betriebe verschieben oder streichen geplante Vorhaben. Als Gründe nennt die Kammer hohe Zinsen, gestiegene Kosten und eine schwache Nachfrage.

Porträt von Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen, mit freundlichem Gesichtsausdruck und Anzug.
Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen
Foto: Boris Golz/HWK Südwestfalen

Am Arbeitsmarkt zeigt sich ein gemischtes Bild: Während die Mehrheit der Betriebe ihre Beschäftigtenzahl stabil hält, bauten zuletzt 20 Prozent Personal ab, nur elf Prozent stellten neue Mitarbeiter ein. Auch künftig rechnen etwa drei Viertel der Betriebe mit gleichbleibender Beschäftigung.

Besonders unter Druck steht das Bauhauptgewerbe: Nur noch 36 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut, gleichzeitig berichten 30 Prozent von Auftragsrückgängen. Viele Betriebe sehen sich gezwungen, Preise zu erhöhen. Im Ausbaugewerbe hingegen ist die Lage etwas stabiler, auch wenn Umsatzzuwächse weiterhin hinter Rückgängen zurückbleiben.

Auch bei Zulieferern und im Kfz-Gewerbe zeigt sich die schwache Konjunktur. Vor allem Werkstätten melden häufiger sinkende Aufträge und kurze Planungszeiträume. Im Nahrungsmittelhandwerk bleibt die Situation angespannt, während das Gesundheitsgewerbe und Teile des privaten Bedarfs vergleichsweise stabil bleiben.

Insgesamt ergibt sich folgendes Bild: Das Handwerk in Südwestfalen ist widerstandsfähig, befindet sich jedoch in einer Phase der Stagnation. Mit einer durchschnittlichen Auftragsreichweite von elf Wochen verfügen die Betriebe zwar über einen gewissen Puffer – es fehlt jedoch an Impulsen für Wachstum. Die Handwerkskammer sieht vor allem verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen als Voraussetzung für neue Investitionen.

Einordnung: Als Auftraggeberin der Umfrage vertritt die Handwerkskammer die Interessen der Betriebe. Die dargestellten Einschätzungen spiegeln daher die Perspektive des regionalen Handwerks wider und ordnen die wirtschaftliche Lage aus Sicht der Unternehmen ein.