Gut eineinhalb Jahre bilden die einstigen evangelischen Kirchengemeinden Nachrodt-Obstfeld, Altena und Wiblingwerde die neue Trinitatis-Kirchengemeinde Mark. Vieles hat sich verändert und noch immer läuft der Fusions- und Kennenlernprozess. „Es ist gerade für ältere Gemeindemitglieder schwieriger als man denkt“, erzählt Helga Baumann. Dabei spielen aber nicht die Grenzen im Kopf eine Rolle, sondern vor allem die ländliche Infrastruktur. „Ohne Auto geht es nicht. Und es gibt noch keine gute Lösung für das Fahrproblem“, erzählt sie. Davon seien vor allem die Wiblingwerder Senioren betroffen. „Es gibt keinen Bus, der uns mal eben zum Breitenhagen oder nach Altena in die Innenstadt bringt. Selbst nach Nachrodt ist es schon schwierig“, sagt sie. Sie selbst besitzt das Deutschlandticket. Geht es um zeitlich festgesetzte Termine, nimmt sie jedoch weiterhin das Auto. Anders gehe es einfach nicht verlässlich und stressfrei.
„Die neue Gemeinde ist flächenmäßig sehr groß. Und da kommt man schon an seine Grenzen“, erklärt die Vorsitzende. Damit möchte sie keineswegs den Fusionsprozess kritisieren. Jedoch müsse man weiterhin nach Lösungen suchen. Doch es werde schon besser. Die Wiblingwerder Frauen organisieren sich immer mehr in Fahrgemeinschaften. Und auch die Frauen aus Altena und Nachrodt, wenn es um ein Programm in Wiblingwerde geht. Was vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit problemlos funktioniert, ist bei den Senioren noch schwer. Denn um Hilfe oder Mitfahrgelegenheiten zu bitten, erfordert durchaus auch Mut.
Umso glücklicher ist Helga Baumann beim Blick in den Saal. Frauen aus allen Gemeindestandorten sind gekommen. Die Frauenhilfsschwestern aus Nachrodt haben sogar ein kleines Geschenk mitgebracht. Die Frauen aus Altena stammen aus dem Seniorenkreis „Gute Freunde“. „In Altena gibt es keine Frauenhilfe mehr“, erklärt Gemeindeschwester Claudia Sauer. Das habe allerdings nichts mit der neuen Kirchengemeinde zu tun, sondern schlicht strukturelle Gründe: „Bei einer Frauenhilfe braucht man auch immer einen Vorstand. Dafür war keiner mehr zu gewinnen. Und so ist ein lockerer Kreis entstanden – und auch Männer sind willkommen.“

Helga Baumann möchte derweil so lange wie möglich am Frauenhilfskonzept festhalten. Denn: „Wir sind mehr als Kaffeetrink-Verein.“ Seit 113 Jahren gibt es die Frauenhilfe in Wiblingwerde nun bereits. „Die Frauenhilfe setzt sich auch für politische Themen ein“, erklärte Baumann. Beispielsweise für die Themen Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion und Teilhabe, Bildung, Gesundheit und Schöpfungsverantwortung.
In ihrer Ansprache appellierte Helga Baumann an die Teilnehmerinnen: „Es ist ein besonderes Geschenk, dass wir unsere individuellen Fähigkeiten einbringen können (…). Wir sind alle verschieden. Mit Gottes Hilfe können wir alle wie ein kleines Rädchen an der Einheit unserer Kirchengemeinde mitwirken.“ Um ein größeres Wir-Gefühl zu erreichen, gab es am Nachmittag auch viel Raum für Gespräche und ein gegenseitiges Kennenlernen. Derweil sorgte Oliver Fiedler am Klavier für Unterhaltung. Denn wie bei der Frauenhilfe üblich gehört das gemeinsame Singen dazu – denn auch das verbindet.









