Im Oktober 2021 ging Claudia Wrede, Leiterin des Bürgerzentrums, auf das AFG zu, um zu fragen, ob es dort Jugendliche gibt, die bereit wären, einigen älteren Besuchern des Bürgerzentrum bei der Bedienung ihrer Smartphones und Laptops zu helfen.
Spontan fanden sich fünf Schüler der damaligen 6b, die ihr Wissen gerne weitergeben wollten. Einmal pro Monat trafen sie sich nach Schulschluss fast drei Jahre lang in den Räumen des Bürgerzentrums mit „ihren Schülern“, die durch die Bank auch ihre Großeltern hätten sein können.
Dabei ging es vom Basiswissen: ‚wie schalte ich mein Smart-Phone korrekt ein‘, bis hin zu: ‚wie mache ich eine Banküberweisung online‘, um alle Themen rund um die Nutzung von IT-Geräten.
„Wir hatten auch viele witzige Situationen, vor allem, weil sich die Senioren auch selber auf die Schüppe genommen haben“, erzählen die Schüler. Jolia Kadr hat aus fast drei Jahren Tätigkeit etwas ganz Besonderes mitgenommen: „Die Kommunikation mit den Älteren war einfach gut. Ich habe da viel gelernt. Sonst sprechen wir ja doch meistens mit Gleichaltrigen und uns wird etwas beigebracht, nicht umgekehrt. Die intensiven Gespräch über IT-Themen hinaus waren wirklich gut“, sagte sie.
Eine solche Entwicklung hat sich Schulleiter Paul Meurer auch gewünscht. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass die Generationen wieder zusammenfinden. Gerade nach der Coronazeit war das für alle wichtig“, betonte er.
Die Gruppe der Schüler des Bürgerzentrums, von denen die meisten älter als 70 Jahre waren, beließen es dann oft auch nicht bei IT-Problemen. „Gerade als wir auf den Smartphones die sozialen Medien gemeinsam ausprobiert haben, haben sie uns auch ganz viel davon erzählt, wie sie früher ihre Freizeit verbracht haben, als es eben noch keine Handys gab. Aber die wenigsten fanden es schlecht, dass wir uns relativ viel mit unseren Smartphones beschäftigen. Sie meinten, wir können uns glücklich schätzen, welche Möglichkeiten wir heute haben. Sie sehen die sozialen Medien als Erweiterung. Diese Einstellung hat uns schon überrascht“, meinte Nica Schmale.
Angelo Montaperto brachte die Stimmung der ‚Unterrichtsstunden‘ auf den Punkt: „Die Leute waren einfach cool!“ beschrieb er die Stunden, die sie gemeinsam verbracht haben. Da wurde häufig am Schluss nicht auf die Uhr geschaut, sondern einfach weiter gelernt und erzählt.
„In vielen Bereichen ist man heute aber tatsächlich auf die IT-Geräte angewiesen“, meint Paul Meurer. „Gerade bei Bankgeschäften ist man fast schon gezwungen, mit einem Computer oder dem Smartphone arbeiten zu können. Das überfordert so manchen Senior.“ Eine Erfahrung, die auch Vasileios Rafail Papadopoulos machte: „Einer der Senioren wollte wissen, wie man mit dem Smartphone bezahlen kann, er hatte aber gleichzeitig Angst, ob das eine sichere Methode ist“, erzählte er.
Die Gruppe, die mit den Schülern des AFG den Umgang mit ihren Laptops und Smart-Phones geübt hat, kann jetzt so schnell nichts mehr schrecken. Wie man sein Bankkonto auf das Handy bekommt und wie man sicherstellen kann, dass das eigene Geld nicht auf einmal „verschwunden“ ist, haben sie von den Jugendlichen gelernt. Dabei wurde auch eine große Vertrauensbasis aufgebaut, denn gerade beim Einrichten von Bankkonten wurden PINs und PUKs und zu vergebene Passwörter gebraucht. Zahlenkombinationen, die eigentlich nur der Nutzer selber wissen sollte. Da die Schüler aber beim Einrichten der Geräte geholfen haben, haben die Senioren ihnen auch diese Schlüssel anvertraut. Und das hat sich in einem Fall auch als sehr hilfreich gezeigt.
„Einmal bekam ich freitags Abends einen Anruf von einem der Senioren des Bürgerzentrums, der seine PIN nicht mehr wusste, also sein Handy nicht mehr öffnen konnte“, erzählte Claudia Wrede. „Auf dem Handy hatte er aber seine Bahnkarte für den nächsten Tag gespeichert. Da ich wusste, dass Vasileios ihm beim Einrichten des Handys geholfen hatte, habe ich ihn angerufen. Der wusste durch Zufall das Passwort noch und so konnte dem Senior geholfen werden. Ohne das große Vertrauen wäre das schief gegangen.“
Inzwischen haben die anfänglich zehn Teilnehmer des Bürgerzentrums nach und nach den Kurs verlassen, so dass dieses Projekt jetzt erst einmal beendet wurde. „Aber für das nächste Schuljahr planen wir durchaus eine Neuauflage, eventuell mit Themenschwerpunkten wie die Nutzung von WhatsApp, TicToc und den Einsatz von KI“, überlegt Paul Meurer
Neben den Urkunden, mit denen die Schüler bei späteren Bewerbungen einen Beweis für ihr ehrenamtliches Engagement haben, hat Schulleiter Paul Meurer die fünf Schüler, zu denen auch Paul Guerra gehört, der zur Urkundenübergabe leider erkrankt war, auch noch zu einem kleinen Imbiss oder Eis eingeladen.










