Vier Vertreter der Familie Stern – Nachkommen des Meinerzhagener Juden Rolf Stern – sind für das Ereignis aus dem us-amerikanischen Baltimore angereist. Und Gail Stern – Tochter von Rolf Stern, einziger Überlebender der Familie – war es auch, die gemeinsam mit Dieter Först, dem Initiator der Stolpersteine Meinerzhagen, die Tafel enthüllte.
Diese Schautafel informiert über die jüdischen Familien in Meinerzhagen und schlägt einen Rundweg vor, bei dem die 47 in Meinerzhagen verlegten Stolpersteine und die beiden ehemaligen jüdischen Friedhöfe – auch hier befinden Tafeln – aufgesucht werden können.

Leitung und Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde hatten zugestimmt, die Gedenktafel auf dem neu gestalteten Kirchplatz der Jesus-Christus-Kirche aufzustellen.
Vorausgegangen war eine Feierstunde, die in der Jesus-Christus-Kirche abgehalten wurde: Der Chor „Reine Frauensache“ sang zwischendurch Lieder, Grußworte und Gebete wurden gesprochen.
Pastor Klaus Kemper-Kohlhase sprach von der „christlichen Mitschuld an den Judenpogromen“ und von einem „sichtbaren Zeichen gegen das Vergessen“, das zeige, „dass Versöhnung möglich“ sei und „Zuversicht auf ein friedliches Miteinander in der Welt“ bestehe.

Gail und ihr Bruder Jeff Stern sowie dessen Frau Sheri waren bereits 2014 in Meinerzhagen, um dem Einsatz der sechs Stolpersteine für Angehörige ihrer Familie vor der Buchhandlung Schmitz beizuwohnen. Jetzt war Michelle Stern, die Enkelin von Rolf Stern, erstmals dabei.
Gail Stern bedankte sich mit den Worten: „Jetzt haben wir wieder eine Familiengeschichte. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass ein solcher Massenmord nicht wieder geschieht.“
Bereits zu Beginn der Woche waren die Vier in Hohenlimburg, um dort zum Gedenken an „Rolfs kleiner Schwester“ den Margot-Stern-Platz mit aus der Taufe zu heben.

Christina und Dietmar Först, von der Initiative Stolpersteine Meinerzhagen, bedankten sich ausdrücklich bei Sheri Stern, die der Initiative Geld hatte zukommen lassen, um die Infotafel möglich zu machen.
Christina Först erwähnte auch kurz die Familiengeschichte der Sterns: „Rolf Sterns Mutter, Auguste Weil, stammte aus Meinerzhagen. Ihre Eltern und mehrere der elf Kinder wohnten in der Lindenstraße 8. Ihre Schwester Cilly Weil heiratete Julius Stern aus Meinerzhagen und zog mit ihm zu Pollmanns Eck. Dort hatten sie einen Stoff-und Tuchhandel und wohnten mit den Kindern Erna und Erwin über der heutigen Buchhandlung Schmitz. Deshalb wurden dort am 29. August 2014 sechs Stolpersteine verlegt.“
Und weiter: „Rolf Stern überlebte den Holocaust, weil seine Eltern ihn 1938 mit dem Schiff in einem Kindertransport zu Verwandten in den USA schickten. Nur deshalb gibt es die vier Menschen, die heute hier bei uns sind.“
Nach der Enthüllung waren die amerikanischen Besucher im Gemeindehaus auch ausgiebig bei Kaffee und Kuchen zu vielen Gesprächen bereit.

Kommentar von Stephan Mertens
Dass derlei friedliche und Frieden bringende Veranstaltungen immer die Präsenz von Polizeikräften erfordern – so auch in Meinerzhagen -, ist eigentlich ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft. Aber leider hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, das ultrarechtes Gedankengut nicht ausstirbt, sogar wieder erstarkt.
Deshalb soll und muss dafür gesorgt werden, dass vor allem junge Menschen aus der Geschichte lernen und sich damit auseinander setzen sollen. Denn nur wer sich damit beschäftigt, kann eine Duplizität der Ereignisse verhindern.
Mobbing und Diskriminierung sind in unserem Alltag leider keine Fremdworte. Und wie schnell Diskriminierung – egal ob etwa infolge von Ethnien, Religionen, Behinderungen oder sexueller Orientierungen – zu Mord und Genozid führen kann, haben die Nazis überaus abschreckend unter Beweis gestellt.
Wir dürfen nicht müde werden, alles zu tun, damit ein weiterer Holocaust nicht möglich wird. Leider zeigen derzeit weltweit viele politische Äußerungen und Taten, dass eine erneute rechtsgerichtete Intoleranz wieder krakengleich um sich greift. Genau deshalb sind auch schlichte Infotafeln und ständiges Erinnern wichtig.
Meinerzhagen stände es auch gut an, wenn eine weitere Tafel (es wurde tatsächlich eine weitere hergestellt) an noch exponierterer Stelle – etwa in der Fußgängerzone nahe der Stolpersteine – aufgestellt würde. Dies wäre schließlich auch ein deutliches Zeichen der Distanzierung zu rechtsgerichtetem Gedankengut.
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