Dragons-Geschäftsführer Mathias Perey hatte im Vorfeld des direkten Kellerduells eine „enge Partie, in der es auf Kleinigkeiten ankommen wird“ vorausgesagt und unterstrich dabei nochmals die Bedeutung dieser Auseinandersetzung – im Falle eines Sieges bliebe man nämlich vorzeitig sicher in der Liga.
Die Marschroute war klar definiert: sich selbst gegen den Gast aus Ostwestfalen für eine kräftezehrende und anstrengend-spannende Spielzeit belohnen.
Die intensive Vorbereitung in der unfreiwillig spielfreien Woche schien den Schalksmühlern zu Beginn noch etwas in den Knochen zu stecken. Viel spielte sich in den ersten Minuten zwischen den gefährlichen Räumen ab, wobei die Gäste aus Ostwestfalen optisch etwas aktiver waren. Die entscheidende Lücke fanden aber auch sie zunächst nicht.
Auszeichnen konnten sich indes die Schlussmänner bei den seltenen Durchbrüchen auf beiden Seiten. Die Führung von Bogdan Andrei Criciotoiu, der kurz zuvor früh verwarnt worden war, wurde postwendend ausgeglichen (4.). Es war eine umkämpfte Anfangsphase in der vollen Sporthalle Löh, erst nach acht Minuten konnten die Dragons erneut einwerfen – und fingen sich abermals den direkten Ausgleich.
Durch mehrere Ballverluste und Kontergelegenheiten gelang es dem Team Lippe auf 2:5 davonzuziehen, ehe SGSH-Topscorer Tobias Schetters verkürzte. Doch auch diesmal hatte der Gast die direkte passende Antwort parat und stellte den Drei-Tore- Vorsprung schnell wieder her (12.).
Nach einer runden Viertelstunde waren die Gäste auf der rechten Seite plötzlich völlig blank, trafen jedoch nur den Querbalken. In dieser Phase schien es eher als wären die Dragons dem Druck gegen eine nach Perey „talentierte Lemgoer Truppe, die zum Teil bereits Bundesligaluft schnuppern konnte und Stresssituationen kennt“, nicht gewachsen. So konnten die HandbALLer aus Lippe in der Folge den Abstand auf vier Tore erhöhen, ehe die Drachen eine Zeitstrafe für sich zu nutzen wussten und der Vorsprung allmählich wieder schmolz.
Die Hausherren wurden wacher, sie wurden besser. Angestachelt und gepusht vom heimischen Publikum gelang so vor der Pause noch der wichtige 11:12-Anschluss.
Herzschlag-Finale im Löh
Die in ihren jeweiligen Spielen zuvor beide siegreichen Mannschaften kamen mutiger aus der Kabine und legten zunächst im Gleichschritt die Treffer nach. Nach 38 Minuten ergab sich die Chance zur erneuten Führung, der Siebenmeter verfehlte jedoch das Tor. Die Schalksmühler, die bisher drei von vier Duellen gegen die Gäste für sich entscheiden konnten, ließen sich nicht vom neuerlichen Rückstand beirren und warfen im prognostizierten engen Spiel den Turbo an: Innerhalb von zwei Minuten gelang es, selbst mit drei Toren voraus in Front zu gehen (43.).
Inmitten einer Zeitstrafe auf Seiten der Drachen kam Lippe jedoch zurück und hielt die Begegnung zwischen dem Zehnten und dem Zwölften der 3. Liga West weiter spannend (46.). Zunächst zeichnete sich daraufhin eine erneute Absetzung der Dragons ab, die Handballer aus Lippe stellten sich aber ein ums andere Mal dagegen und ließen den Vorsprung bis auf das zwischenzeitliche 25:22 nicht weiter anwachsen.
Die Gäste stemmten sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage und kamen drei Minuten vor dem Ende wieder auf einen Treffer heran – obwohl ein SGSH-Spieler auf dem Boden lag, wurde der Zug ausgespielt (57.).
Durch einen neuerlichen Siebenmeter konnten die Schalksmühler den knappen Vorsprung wiederherstellen, der bis in die letzte Minute Bestand hielt (29:27), ehe Thore Oetjen für seine Farben traf und es noch einmal richtig spannend machte. 16 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene nahmen die Dragons nochmal eine Auszeit und kamen durch Erik Blaauw elf Sekunden vor Schluss zum entscheidenden 30:28 – der letztmalige Anschluss zum 30:29-Endstand war reine Ergebniskosmetik.
Die SGSH Dragons feierten nach dem erlösenden Sieg ausgelassen mit den Fans können damit bereits frühzeitig für die neue Saison in der 3. Liga planen.
Auf Stimmenfang
Mathias Perey: „Ein großes Kompliment an alle, die an diesem Projekt nach dem Sommer mitgearbeitet haben. Als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt, hat die Mannschaft und das gesamte Umfeld Großes geleistet. Es war nicht immer einfach, aber wir haben jetzt frühzeitig den Klassenerhalt gesichert. Die Wenigsten haben uns das vorab zugetraut. Ich hatte immer den Glauben an die Mannschaft, die Trainer und alle, die bei dem Projekt SGSH Dragons mitwirken. Das ist der Lohn für unsere harte Arbeit. Wir können jetzt die letzten Spiele befreit aufspielen und werden in den verbleibenden Partien nochmal alles reinwerfen.“
Maciej Dmytruszynski: „Wir hatten heute vom Start weg eine gute Torwart-Leistung, offensiv sind wir in der ersten Hälfte leider nicht so gut rein gekommen. Wir haben vorab gesagt, dass das Spiel nicht in den ersten 15 Minuten entschieden wird und die Jungs haben die Ruhe bewahrt. Es war bis zum Ende eng und spannend, am Ende zählt aber nur, dass wir die zwei Punkte geholt haben. Unser Ziel waren 20 Punkte, die haben wir geholt. Wir haben heute wieder gezeigt, dass wir in der 3. Liga mithalten können und in diese Liga gehören. Wir haben jede Woche für die Region gekämpft und das Herz auf dem Hallenboden gelassen. Die Saison war überragend.




Nicht viele haben uns auf dem Zettel gehabt vor der Saison, das Potenzial war aber immer in der Mannschaft. Viele der Jungs kommen aus der Verbandsliga und sollen dann Drittliga-Abstiegskampf können, natürlich ist das für die Spieler dann auch mental anstrengend. Verbessern wir uns offensiv noch weiter, können wir nächste Saison auch weiter oben stehen.“
Match Facts
SGSH Dragons – Team HandbALL Lippe II 30:29 (11:12)
SGSH Dragons: Hablowetz, Gipperich (5 (0/1)), Yorgov (5 (2/2)), Lüsebrink, Blaauw (2), Halfmann, Koenig (8), Schnepper, Schetters (4 (0/1)), Perey (4), N. Jannack, J. Jannack, Walch (1), Boerner, Cricitoiu (1).







