Doch noch haben nicht alle Eltern Post erhalten. Während die einen direkt mehrere Zusagen haben, sind andere leer ausgegangen. Das heißt aber nicht, dass sie für ihr Kind keinen Kindergartenplatz in der Gemeinde bekommen. „Die Eltern haben bei uns zwei Wochen Zeit, um sich zurückzumelden. Dann benachrichtigen wir die Nachrücker und erst danach werden die Absagen verschickt“, sagt Sandra Schwieren, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Elisabeth. 16 freie Plätze hat die Kita in diesem Jahr anzubieten. „Das ist verhältnismäßig viel, wenn man bedenkt, dass wir 45 Plätze insgesamt haben“, sagt Schwieren. Die 16 Plätze teilen sich auf in sechs Plätze für unter Dreijährige und zehn für ältere Kinder auf. „Aktuell stehen bei uns noch elf Kinder auf der Warteliste. Die sind aber auch nicht alle aus Nachrodt-Wiblingwerde“, sagt Schwieren. Sie geht davon aus, dass alle Kinder aus der Gemeinde gut versorgt werden können. „Vielleicht muss man Abstriche machen und es wird nicht die Wunscheinrichtung, aber wenn man ein bisschen offen ist, bekommt man einen Platz“, erklärt die Einrichtungsleiterin.
In der Awo-Kita in Nachrodt sind es sogar mehr als 20 Plätze, die neu vergeben werden. Einrichtungsleiterin Katrin Bormann ist jedoch aktuell nicht in der Einrichtung und somit gibt es keine Informationen, wie groß der Andrang dort ist. Karin Haarmann vom Familienzentrum in der Bachstraße gab lediglich Preis, dass 18 Kinder in diesem Jahr in die Schule wechseln. Zu den anderen Zahlen wollte sie nichts sagen.
In Wiblingwerde ist der Andrang schon größer. „Wir werden im Sommer 14 neue Kinder bekommen. Das ist relativ viel“, erzählt Martina Fischer, Leiterin des evangelischen Kindergartens. Derzeit stehen noch 20 Kinder auf der Warteliste. „Und das sind nur die, die auch aus Nachrodt-Wiblingwerde kommen“, betont die Leiterin. Besonders groß sei die Nachfrage nach U3-Plätzen. „Ich glaube schon, dass es für Wiblingwerder Familien schwer ist, einen U3-Platz zu bekommen. Aber gemeinsam mit dem Träger wird ja an Lösungen gearbeitet. Nur wie schnell das klappt, weiß ich nicht“, sagt Fischer.

Im Wiblingwerder Waldkindergarten gibt es gar keine U3-Betreuung. Dort gibt es für das kommende Kindergartenjahr sieben freie Plätze und die sind auch weit über die Grenzen des Kreises gefragt. „Wir haben Anfragen aus nahezu allen umliegenden Kommunen. Sogar aus Werdohl“, berichtet Leiterin Marina Hoheisel. Natürlich gingen die Anmeldungen aus der Gemeinde vor. Vermutlich müsse sie am Ende des Verfahrens mehr als 20 Absagen versenden.
„Die Kindergartenplätze im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes werden von den Kindergärten in den Städten und Gemeinden grundsätzlich eigenverantwortlich vergeben“, erklärt Ulla Erkens, Pressesprecherin des Märkischen Kreises. Dazu zählen neben Nachrodt-Wiblingwerde auch Balve, Halver, Herscheid, Kierspe, Meinerzhagen, Neuenrade und Schalksmühle. Erst wenn in einer Kommune kein Kindergartenplatz gefunden werden könne, sei das Kreisjugendamt Ansprechpartner für die Gewährleistung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz.
Die Eltern melden ihre Kinder übrigens nicht bei der Einrichtung direkt an. Für die Anmeldung stehe Eltern ein Online-Verfahren zur Verfügung, über das sich Eltern bei mehreren Kindergärten ihrer Wahl anmelden können. „Die Kindertageseinrichtung entscheiden dann anhand eines individuellen einrichtungsbezogenen Kriterienkatalogs eigenverantwortlich über Annahme oder Ablehnung. Der Kriterienkatalog wurde jeweils in Abstimmung mit der Elternschaft im Rat der Kindertageseinrichtung entworfen und ist transparent“, sagt Erkens.
Vergabeverfahren noch nicht abgeschlossen
Im Rahmen des Verfahrens versenden die Kindergärten seit Montag erste Zusagen. „Da Eltern ihre Kinder in mehreren Kindergärten anmelden, besteht die Möglichkeit, dass Eltern mehrere Zusagen erhalten. Sie können dann die Wunscheinrichtung auswählen und bei den anderen Einrichtungen absagen“, erklärt die Pressesprecherin. Die Einrichtungen könnten die Plätze dann an andere Kinder vergeben. Das Verfahren sei aktuell also noch nicht abgeschlossen und es werde voraussichtlich noch bis Anfang Februar dauern, bis alle Kinder versorgt sind.
Das Kreisjugendamt könne, Stand heute, nicht beziffern, wie viele Kinder Nachrodt-Wiblingwerde für das Kindergartenjahr 2023/24 angemeldet wurden und wie viele Plätze zur Verfügung stünden. „Die Vergabe von Kindergartenplätzen ist ein dynamischer Prozess: Kinder wachsen von U3 in Ü3, zum Beginn des neuen Kindergartenjahres verlassen Kinder den Kindergarten und gehen zu Schule, zudem gibt es Zuzüge und Wegzüge“, erklärt Erkens die Problematik.
Absagen von Kindertageseinrichtungen seien zum jetzigen Zeitpunkt eher die Ausnahme; beispielsweise wenn ein Kind für einen U3 Platz angemeldet wurde und die Einrichtung keinen U3-Platz für das Kindergartenjahr anbieten könne. Die Gründe einer Absage könnten Eltern bei der jeweiligen Einrichtung erfragen.
„Einen Kampf um freie Kindergartenplätze kann das Jugendamt zum jetzigen Stand des Verfahrens nicht feststellen. Das Jugendamt hat bisher nur eine Anfrage aus der Elternschaft erreicht, in der die Sorge geäußert wurde, keinen freien U3-Platz in ihrer Wunscheinrichtung zu erhalten“, berichtet die Pressesprecherin. Das Jugendamt habe empfohlen, sich auch bei anderen Kindertageseinrichtungen und bei der Kindertagespflege in Nachrodt und Wiblingwerde zu bewerben. „Sobald das Vergabeverfahren der Kindergärten abgeschlossen ist, wird das Jugendamt – soweit notwendig – gemeinsam mit Eltern und Kindertageseinrichtungen Lösungen innerhalb von Nachrodt-Wiblingwerde entwickeln“, erklärt Erkens.









