Während sie Teig knetet oder Kerzenständer putzt, stellt sie Rollenverständnis und Haltung Luthers infrage. Claudia Baumann glänzte als Luthers Frau in der szenischen Rezitation der VHS Volmetal im Gesellschaftsraum der Stadthalle. Die Tischrede der Katharina Luther, geb. von Bora, war eine der ungehaltenen Reden von ungehaltenen Frauen. Mit dem Zyklus von Monologen unter dem Titel „Wenn du geredet hättest, Desdemona “ gab Christine Brückner Frauen eine Stimme, die in der Geschichte nur eine Nebenrolle neben berühmten Männern spielten. Sie sorgte mit den elf Reden 1983 für literarisches Aufsehen.
„Entstanden ist ein sprachgewaltiger Chor starker Frauen: mal zornig und aufsässig, mal wehmütig und zärtlich. Vierzehn Texte von furioser Kraft und moralischer Stärke.“, hieß es in der Ankündigung der VHS Volmetal. Geplant war die Rezitation bereits zum Internationalen Frauentag im März, musste aber wegen eines Schneesturms ausfallen, so Marion Görnig, VHS-Leiterin in ihrer Begrüßung.

Weniger bekannt war offenbar der Ersatztermin am Dienstagabend, 5. September. Die Besucherzahl, fast ausnahmslos Frauen, war überschaubar. Schade. So verpassten viele eine grandios agierende Claudia Baumann von der Theatergruppe Schalksmühle, die mit sparsamer Deko, als Luthers Frau leicht sächselnd, als Klytämnestra an der Bahre des Königs von Mykene, mal verzweifelt, wütend oder liebevoll ihren Gefühlen Ausdruck gab und der Zerstörungswut des Königs die Gedanken von Bewahrung und Aufbau entgegen setzte. Gemeinsame Linie bei beiden: Frieden muss man nicht erflehen. Man muss Frieden machen, um ihn kämpfen. Das zumindest hat sich im Laufe der Geschichte nicht geändert. Aktueller konnten die beiden szenischen Rezitationen als kleine Auswahl aus der Brückner-Vorlage kaum sein.









