Es gibt bekanntlich Comedians und Comedians. Die einen haben einen eher speziellen Humor, der nicht immer gut ankommt, und die anderen verstehen es vortrefflich, ihr Publikum zu unterhalten. Das war am Freitagabend der Fall: Moderator und Komiker Ingmar Stadelmann – er mutierte in den letzten zehn Jahren vom Ossi-Jungen zum bitterbösen Großstadt-Satiriker – hatte vier weitere Kollegen eingeladen, die allesamt mit witzigen Geschichten und guten Gags – zugegeben: ein paar waren auch unterhalb der Gürtellinie – das Publikum zu feuerwerkartigen Lachsalven animierte.
Rund 300 Besucher füllten die Stadthalle gut aus – und alle kamen auf ihre Kosten. Ingmar Stadelmann begrüßte das Publikum, sorgte direkt für Stimmung, indem er ironisch übers Sauerland herzog: „Ich bin eine Stunde von Sundern aus hierhin gefahren und das hier ist immer noch Sauerland“. Stadelmann sprach die Zuschauer direkt an, zeigte sich flexibel, reagierte prompt auf witzige Zwischenrufe – ein spontaner Comedy-Künstler eben.
Der erste Gast war der junge Tony Bauer, der erst seit gut einem Jahr auf größeren Bühnen zu finden ist und etwa durch seinen Auftritt bei „NightWash“ bekannter wurde. Er war nicht nur schlagfertig, sondern auch selbstironisch: „Jetzt sehe ich aus wie ein Kind, aber bei Nacht…“; beim Anblick einer schönen Frau: „Hasse nicht Bock, mich zu adoptieren“; oder über seine Heimatstadt Duisburg: „Wenn du da geboren wirst, hast du gleich 60.000 Euro Schulden“. Er erzählte von seinem Kumpel Jerome, der gleichzeitig sein Lieblingsphilosoph ist und beim Abschied schon mal Sprüche ablässt wie „Ich seh dich bald in alter Frischer oder vielleicht auch mit frischer Alten.“ Auch die deutsche Mentalität nahm er auf den Arm. So etwa am Beispiel der Corona-Pandemie: „Was kaufen die Amerikaner? Waffen; die Franzosen Rotwein und der Deutsche? Klopapier! Nach dem Motto ‚ich muss meinen Arsch retten!'“
Der Lehrer „Herr Schröder“ ist tatsächlich Deutschlehrer und verstand es bestens, vom Leid der Lehrkräfte zu berichten, zog aber auch ironisch über die braven Schüler her: „Am Elternsprechtag wollen deren Eltern mit MEINEN Eltern sprechen!“ Auch bestimmte moderne Berufe verstehe er nicht: „Was macht etwa ein Kommunikationsdesigner? Zahnspangen?“ Sein Motto: „Das Leben am Korrekturrand der Gesellschaft“. Er habe in Berlin das Abitur mit 3,0 gemacht, das sei soviel Wert wie ein bayrisches Seepferdchen und auch wenn jemand während des Schulbetriebs fragt, wieviele Lehrer hier arbeiten, bekommt der die Antwort: „Naja, die Hälfte etwa!“

Außerdem mag Herr Schröder Problemschüler. Da sei immer was los. Da fragen die Schüler etwa wie „Nathan, der Weise“ seine Eltern verloren habe, da wird aus „Effi Briest“ effizent und das Sternzeichen der Schüler aus diesem „Habibitat“ sei „Kein Bock“.
Nach der Pause zog Mirja Regensburg vom Leder. Sie sang und improvisierte während ihres Stand-Up-Auftrittes. Sie käme aus einer ländlichen Gegend, wo es noch Bronkel – der Bruder ist gleichzeitig der Onkel – gäbe. Wobei sie noch Glück gehabt habe: Sie hatte nur eine Brante. Sie kokettierte mir ihrem Bauchspeck, machte sich über Schönheitswahn lustig und überlegte, ob es sinnvoll sei „mit diesem Sport“ anzufangen. Dann erinnerte sie sich an den Schulsport: „Ja, Brennball, das brannte, wenn ich den Ball in die Fresse bekommen habe. Oder Bockspringen. Hat das jemand nochmal in seinem Leben gebraucht?“

Auch das traurige ESC-Ergebnis nahm sie auf die Schippe: „Letzter Platz. Lord of the Lost. Das hätte man ahnen können!“ Dann demonstrierte sie, wie man es richtig machen könnte: Hauptsache mit Glitzer und osteuropäisch.

Mit dem letzten Auftritt erwies sich der Ex-Lidl-Filialleiter Osan Yaran als politisch unkorrekter, aber dafür amüsant-ironischer Geist, der sich über Intergration und Deutschtum lustig machte. Etwa über sinnfreie Straßenschilder wie „In vier Kilometern fehlt die Markierung“. Darüberhinaus erzählte er viele lustige Episoden aus seinem Leben und von seiner deutschen Ex-Frau.
Das Publikum danke den Komikern für diesen überaus witzigen Abend mit einem donnernden Applaus. Und auch nach dem Ende des Auftritts waren die Akteure offenbar gerne bereit, noch für Selfies, Autogramme, kurze Gespräche, Buchverkäufe sowie -signaturen zur Verfügung zu stehen. Ingmar Stadelmann hatte zuvor noch gewarnt: „Anfassen kostet fünf Euro!“
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