An die goldenen Zeiten der 1980er-Jahre wird die Partei vermutlich nicht wieder anknüpfen können. Damals waren die Mitgliederzahlen dreistellig. „Wir haben auch keine Austritte. Wenn wir Mitglieder verlieren, dann weil sie sterben. Aber es kommen auch keine neuen“, erklärte Klaus Dieter Jacobsen am Donnerstagabend in der Schönen Aussicht. Es sei wichtig, neue Mitglieder zu akquirieren und allgemein für Politik zu begeistern. „Wer hier mitmacht und sich einbringen möchte, dem stehen alle Wege offen“, betonte Jacobsen.
Politik sei spannend und man könne aktiv das Gemeindeleben mitgestalten. Ein weiterer Vorteil sei der enge Kontakt zu den heimischen Landes- und Bundestagsabgeordneten. Diese seien für die Nachrodt-Wiblingwerder immer ansprechbar. Aus diesem Grund war auch der heimische Landtagsabgeordnete Thorsten Schick anwesend. Er kam extra aus Düsseldorf, um von dem aktuellen politischen Geschehen zu berichten. „Und für die Frikadellen“, wie er lachend hinzufügte. Die dürfen bei der CDU in Nachrodt-Wiblingwerde nämlich nie fehlen.
Schick war sichtlich ergriffen von dem Tag, der hinter ihm lag. Er hatte in Düsseldorf an einer Gedenkveranstaltung zur Reichsprogromnacht teilgenommen. „In Düsseldorf gibt es immer eine Gedenkveranstaltung, an der eine jüdische Grundschule teilnimmt. Dieses Jahr nicht. Die Eltern hatten Angst, dass ihre Kinder als Juden identifiziert werden“, berichtete Schick. Es beschäme ihn, dass Nachkommen derer, die dort betrauert werden, in Deutschland wieder Angst um ihr Leben haben müssen. „Wenn wir ,nie wieder‘ sagen, ist es wichtig zu betonen, dass ,nie wieder‘ jetzt ist.
Und wir dürfen keinerlei ,ja, aber…‘ zulassen. Relativierungen können wir nicht dulden“, betonte Schick. Und wenn er Veranstaltungen wie am Wochenende erlebe, bei denen Menschen ein Kalifat auf deutschem Boden haben möchten, finde er klare Worte: „Diese Menschen sind hier falsch. Wenn der Rechtsstaat an seine Grenzen kommt, müssen Gesetze nachgeschärft werden. Wenn wir gesellschaftlichen Zusammenhalt wollen, müssen wir schleunigst Antworten finden.“

Auch das Thema Flüchtlinge sprach Schick an. „Wir können den Bund nicht überall aus der Verantwortung lassen“, mahnte der Landtagsabgeordnete. Die Länder hätten ein sogenanntes atmendes System gefordert. Der Städte- und Gemeindebund hatte 20.000 Euro pro Flüchtling gefordert. Schick: „Ich finde es ist eher ein schnappatmendes System, wenn die Kommunen gerade einmal ein Drittel des geforderten Geldes bekommen. Wie soll das gehen?“ Der Bund sei gefragt und müsse dafür sorgen, dass an den Grenzen für all die jenigen Ende ist, die keine Chance auf ein Bleiberecht haben. „Wir müssen einfach Möglichkeiten schaffen, die Menschen aufzunehmen, die das verbriefte Recht haben, hierherzukommen und unseren Schutz auch wirklich brauchen. Wir sind an unserer Grenze“, betonte Schick.
Parteimitglied Michael Schlieck stimmte zu. „So geht es nicht weiter. Und wir müssen uns immer wieder anhören, wie schlimm die Situation ist.“ Auch Sebastian Brinker sieht das so: „Wir verlieren immer mehr Mitglieder unserer Mitte in die völlig falsche Richtung, wenn es noch mehr Bilder wie am Samstag gibt.“
Immobilien bleiben Haupthema in der Lokalpolitik
Jens-Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU, berichtete zudem am Abend von der Fraktionsarbeit. Das Thema Immobilien habe auch das vergangene Jahr dominiert: „Klar, dass die Situation ist wie sie ist, weil es ein jahrzehntelanges Mangelmanagement gab. Das Problem muss jetzt gelöst werden.“ Nun wäre aber zum Glück die Zeit gekommen, in denen die praktischen Konsequenzen der Beschlüsse sichtbar würden. Die Schulen seien modern und den Standort Holensiepen erkenne man schon jetzt kaum wieder. Ein Problem, dass die Nachrodt-Wiblingwerder weiterhin beschäftige, sei die Verkehrsproblematik. „Leider werden hier die Entscheidungen auf anderen Ebenen gefällt. Die Belastungen sind für die Bürger und für die Wirtschaft groß“, sagte Olschewski.

Im Rahmen der Vorstandswahlen ergaben sich keine Änderungen. Klaus Dieter Jacobsen wurde mit einer Gegenstimme in seinem Amt bestätigt. Ebenso Sebastian Brinker als Schriftführer. Einstimmig wurden Jens-Philipp Olschewski (stellvertretender Vorsitzender) und Burkhard Brinker (Schatzmeister) gewählt. Kathrin Püschel als Mitgliederbeauftragte wurde mit einer Enthaltung und einer ungültigen Stimme gewählt. Die Beisitzer sind weiterhin Stefan Herbel (13 von 14 möglichen Stimmen), Roderich Knipps und Michael Schlieck (beide 14 Stimmen) und Elfriede Sickart (12 Stimmen) im Amt.










