Eine Mehrheit der Delegierten stimmte bei der Wahlkreiskonferenz am Samstagvormittag in Herscheid für die derzeitige Bundestagsabgeordnete. Nezahat Baradari erhielt bei der Versammlung 37 von 69 Stimmen. 31 Delegierte stimmten für den kurzfristig nominierten Gegenkandidaten Thomas Kruber aus Lüdenscheid. Eine der abgegebenen Stimmen war ungültig.
Wenige Minuten vor der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses saß Nezahat Baradari sichtlich angespannt auf ihrem Platz. Vorhersehbar war das Ergebnis nämlich nicht. Der Unterbezirk Märkischer Kreis, der eine Mehrheit der Delegierten stellte, hatte voll auf seinen Kandidaten gesetzt. Thomas Kruber hatte sich aber schnell gefasst. Als fairer Verlierer gehörte er mit zu denen, die Nezahat Baradari zu ihrem Wahlsieg beglückwünschten.

Anschließend sagte er: „Ich danke allen, die mich gewählt haben. Nun werden wir gemeinsam in den Bundestagswahlkampf gehen“, stellte Kruber fest, „auch wenn ich heute als Verlierer hier stehe, werde ich doch alles tun, damit wir als SPD bei der Bundestagswahl als Sieger dastehen werden.“
In ihren 15-minütigen Bewerbungsreden hatten sich beide zuvor kämpferisch gegeben. Nezahat Baradari attackierte CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz. „Schon vor der Wahl Posten zu verteilen, ist respektlos“, sagte sei. Sie setzte sich für eine soziale Politik ein, die sowohl die innere als auch die äußere Sicherheit stärken werde. Thomas Kruber forderte, die Partei müsse sich auf ihre Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität besinnen. „Und vor allem dürfen wir nicht den Rechten auf den Leim gehen. Wir müssen unsere eigenen Themen setzen.“ Dazu zählte er unter anderen ein funktionierendes Gesundheitssystem, sichere Renten, eine starke Wirtschaft und faire Arbeitsbedingungen.

Es folgte eine kurze Aussprache mit lediglich zwei Wortmeldungen. Ernst Braun, SPD-Ortsvereinsvorsitzender aus Kirchhundem, machte sich für Nezahat Baradari stark. Direkt sei der Wahlkreis nicht zu holen, sagte er. Baradari habe als Frau und auch aufgrund ihrer guten Verankerung in der SPD-Fraktion bessere Chancen, einen aussichtsreichen Listenplatz zu erhalten. Er habe große Sorge, dass der Wahlkreis 148 im nächsten Bundestag nicht mehr durch die SPD vertreten sein werde. Das war vermutlich das Zünglein an der Waage. Für Thomas Kruber machte sich Laura Balzer, Vorstandsmitglied der märkischen Jungsozialisten stark.
Die Abstimmung erfolgte geheim. Die Delegierten schritten, alphabetisch geordnet, in Vierergruppen zur Wahlurne und gaben ihre Stimmen ab.
Nezahat Baradari rief zum Abschluss der Versammlung zu Geschlossenheit im Wahlkampf auf. Sie gebe die Wahl noch nicht verloren. Aber: „Wir haben starke Gegner.“
Die Aufstellung der Landesliste erfolgt am 21. Dezember. Dann entscheidet sich, wie gut die Chancen Nezahat Baradaris sind, wieder in den Bundestag einzuziehen.









