LokalDirekt hat Bürgermeisterin Birgit Tupat zum großen Jahresinterview getroffen. Gemeinsam mit ihr blicken wir noch einmal zurück auf das vergangene Jahr und wagen auch einen Ausblick. Neben den großen Bauthemen, wird 2025 auch vom Wahlkampf geprägt sein. Drei Kandidaten um das Bürgermeisteramt gibt es bereits in der Doppelgemeinde und gerade in den vergangenen drei Wochen hat der Wahlkampf mächtig Fahrt aufgenommen.
Frau Tupat, Jahreswechsel das ist die Zeit des Aus- und des Rückblicks. Gerne würden wir mit Ihnen über das vergangene Jahr sprechen, aber auch einen Blick in die Zukunft werfen. Lassen Sie uns mit dem Thema beginnen, dass Nachrodt-Wiblingwerde 2024 am meisten beschäftigt hat: die Lennebrücke. Eigentlich ist dazu alles gesagt, aber lassen Sie uns einmal zurückblicken? Was von der ganzen Misere ist Ihnen noch in guter Erinnerung?
Birgit Tupat: „Ob das wirklich eine gute Erinnerung ist? Ich weiß noch genau, dass ich in einer Besprechung mit meinem Stellvertreter und der Wehrleitung war als wir den Anruf erhalten haben, dass die Brücke unverzüglich voll gesperrt wird.“
Die Pontonbrücke – die wohl beste Idee. Erzählen Sie mal, wie war das alles? Und wie fühlte sich das an? Gab es Angst, Gesetze zu brechen? Vorfreude etwas zu schaffen? Pure Verzweiflung?
„In dem Moment hieß es Ärmel hochkrempeln und gemeinsam mit den Mitgliedern des Krisenstabs in kürzester Zeit eine Lösung finden. Ich habe überhaupt nicht an gesetzliche Vorschriften gedacht, da einfach schnell gehandelt werden musste.
Die Pontonbrücke war eine Meisterleistung des Ehrenamts. Es gibt ein Sprichwort, dass da heißt: Not macht erfinderisch. Wenn schon große Behörden nicht mehr weiterwissen, dann müssen wir vor Ort zumindest eine praktikable Notlösung schaffen. Ich glaube, dieses ist mit einem gigantischen Kraftakt der Beteiligten gelungen. Das war und ist mein Verständnis, meine Aufgabe.„
Die Gemeinde kann eigentlich gar nicht viel machen. Die Brücke fällt nicht in die Zuständigkeit der Kommune und doch sind Sie es, die oft angefeindet wird. Jüngst im Wahlkampf von Christian Pohlmann, der Ihnen vorwirft, die letzten Verhandlungschancen mit dem Grundstückseigentümer zerschlagen zu haben. Was ist da dran? Und wie frustrierend ist das? Würden Sie rückblickend etwas anders machen?
„Wir als Gemeindeverwaltung dürfen in Sachen Brücke auch Vieles einfach nicht tun. Die verantwortliche Behörde und die Gesetzeslage sind eindeutig. Ich stand und stehe nach wie vor für sachlichen Dialog und konstruktive Gespräche zur Verfügung. Das war nie anders. Es ging und geht darum, für die Menschen und Unternehmen in Nachrodt-Wiblingwerde und im gesamten Lennetal die beste Lösung zu finden. Der Blick zurück wird die Errichtung der neuen Brücke nicht ermöglichen. Stattdessen gilt es zukunftsorientiert zu entscheiden und zu handeln.“

Der Blick in die Glaskugel: Wie und vor allem wann geht es weiter? Aktuell wird die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss vom Oberverwaltungsgericht bearbeitet. In den Ausbauplänen für 2025 ist die Lennebrücke nicht zu finden.
„Das hängt von der Entscheidung des Gerichts ab. Aus gutem Grund sind die Gerichte in Deutschland unabhängig. Gleichwohl verstehe ich als Bürgermeisterin und Bürgerin von Nachrodt-Wiblingwerde, dass die gesamte Verfahrensdauer zur strittigen Grundstücksfrage ebenso wie die Dauer des Gesamtprojekts neue Lennebrücke für viele Menschen problematisch und häufig sogar existentiell bedeutend ist.“
Blicken wir gemeinsam auf eine weitere Großbaustelle: das Amtshaus. Christian Pohlmann von der SPD wirft ihnen vor, Gelder zu verbauen, die so nicht nötig gewesen wären. Er hält an einem alten Vorschlag fest, dass leerstehende Kreckelgebäude als Amtshaus zu nutzen – auch wenn er selbst für den Aus- und Anbau des Amtshauses, so wie er nun erfolgt gestimmt hat. Warum war Ihrer Meinung nach das Kreckelgebäude keine Alternative?
„Bereits im Januar 2019 wurde in einer Sitzungsvorlage über eine mögliche Verwendung des Gebäudes durch die Verwaltung berichtet. Vorher hatte ein Gespräch mit dem damaligen Besitzer stattgefunden. Im Rahmen des Gesprächs hat dieser mitgeteilt, dass eine Sanierung aus seiner Sicht nicht darstellbar ist. Der Eigentümer hat damals noch den Abbruch des Gebäudes geplant und hätte die Liegenschaft eventuell an die Gemeinde verkauft beziehungsweise im Rahmen der Erbpacht überlassen. Im Zuge dieser Sitzung wurde der Beschluss zum Erwerb der ersten Container auf dem Märkischen Platz gefasst.
In der Sitzung des Rats am 24. Januar 2022 wurde im Rahmen des Erwerbs der zweiten Containeranlage nochmals über eine mögliche Nutzung des Gebäudes Kirchstraße 5 gesprochen. Anfang Januar 2022 hat ein gemeinsamer Termin an dem Gebäude stattgefunden, an dem Vertreter der SPD, der Verwaltung und ein Vertreter der Firma Verfuß teilgenommen haben. Der Vertreter der Firma Verfuß machte deutlich, dass eine mögliche Sanierung des Gebäudes Kosten in Höhe von mindestens 13,5 Mio. Euro verursachen würde.
In dieser Sitzung wurde einstimmig beschlossen, die zweite Containeranlage zu kaufen.“

Wann wird das Amtshaus fertig?
„Wer privat, gewerblich oder öffentlich mit Baumaßnahmen zu tun hat, kennt die Unwägbarkeiten des Bauens. Die Fertigstellung hängt von verschiedenen Faktoren ab, die durch die Gemeindeverwaltung nur bedingt beeinflusst werden können. Aufgrund des Fachkräftemangels und der allgemeinen Lage im Baugewerbe ist es beispielsweise nicht sicher, dass heutzutage bei Ausschreibungen auch tatsächlich geeignete Firmen Angebote abgeben. Aus weiteren Gründen ist die zeitliche Planung häufig von externen Faktoren abhängig und die Realisierung der Maßnahme ist für das ausführende Unternehmen nur zu bestimmten Zeiten möglich. Derzeit gehen wir von einer Fertigstellung bis Ende 2026 aus.“
Und Ihre Wunschvorstellung für den Märkischen Platz? Wenn das Amtshaus fertig ist, kommen die Container weg und es kann etwas Neues entstehen. Was könnte das sein?
„Der Märkische Platz nimmt als einziger zentraler öffentlicher Platz in Nachrodt städtebaulich eine Schlüsselrolle ein. Es soll ein Platz entstehen, der den Interessen der Bürgerinnen und Bürger dient. Ein Platz mit Aufenthaltsqualität, eine lebendige Begegnungsstätte. Damit das gelingt wird es Beteiligungsmöglichkeiten geben. Bürgerinnen und Bürger sollen ihren ganz eigenen Märkischen Platz selbst mitgestalten.“
Kommen wir zum gesetzlich vorgeschriebenen Ausbau des Offenen Ganztags. Dafür wurde bereits ein Gebäude neben dem Grundschulstandort Nachrodt gekauft. Im Lauf des Jahres wurde klar, dass das Gebäude nicht genutzt werden kann. Zumindest nicht im Rahmen einer wirtschaftlichen Lösung. Wird das mit dem Abriss 2025 was? Und wann stehen die Container, die vorerst den Ganztag beherbergen sollen? Und warum glauben Sie, dass die Entscheidung so richtig ist?
„Das Projekt OGS muss zum Schuljahr 2026/2027 fertig sein, da dann ein gesetzlich verankerter Anspruch auf einen Offenen-Ganztags-Platz besteht. Somit ergibt sich der Zeitplan von selbst. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse und der Hanglage des Schulgrundstücks war der Erwerb des Nachbargrundstücks perspektivisch erforderlich. Man stelle sich nur einmal vor, wir hätten das Grundstück nicht erworben und könnten in Folge dessen keine Lösung am zentralen Grundschulstandort in Nachrodt schaffen. Wie in allen Gemeinden sind auch in Nachrodt-Wiblingwerde Rahmenbedingungen zu beachten. Da das Bestandsgebäude nicht wirtschaftlich sinnvoll umgebaut werden kann, ist die Baufeldfreimachung und die kurzfristige zeitlich begrenzte Containerlösung zum heutigen Zeitpunkt die wirtschaftlichste Lösung. Die vielen positiven Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern zur Containerlösung während der Generalsanierung der Grundschule Wiblingwerde wurden bei der Lösungsfindung ebenfalls berücksichtigt.“
Was passiert mit dem Jugendzentrum und der Bücherei? Seitens der SPD wird betont, dass das Gebäude ein Totalschaden ist. Ist das Gebäude nicht zu halten?
„Ich glaube, das Gebäude ist zu halten. Wir haben in den letzten Jahren bereits in das Gebäude investiert. Eine neue Heizungsanlage wurde installiert, die Bücherei wurde saniert usw. Zudem wurde der Handlungsbedarf am Gebäude in der kommunalen Immobilienstrategie mit geringer Priorität bewertet. Unabhängig davon werde ich mich weiterhin für den Erhalt und die weitere Sanierung des Gebäudes einsetzen.“
Die Never-Ending-Story Gartenhallenbad. Wird 2025 dort geschwommen? Warum ist das Projekt so wichtig?
„Das Gartenhallenbad ist ein wichtiger Standortfaktor für die Lebensqualität in Nachrodt-Wiblingwerde. Für alle Bürgerinnen und Bürger und in allen Altersklassen. Hier lernen Kinder schwimmen, es ist ein Treffpunkt für Viele, sei es beim Frühschwimmen, den Kursen oder beim Familienbad. Vor allem ist das Gartenhallenbad auch wichtig für unsere Schulen und Vereine. Ich glaube fest daran, dass dort 2025 geschwommen wird. Eine genaue Zeitplanung wird es allerdings erst geben, wenn in Bezug auf das Edelstahlbecken alles geregelt ist. Das Edelstahlbecken wird spätestens Anfang Juli vor Ort montiert, die Zusage des zuständigen Unternehmens liegt bereits vor.“

Rastatt: Das Projekt Gastronomie ist erneut gescheitert. Der Rat hat jüngst seine Entscheidung, das Gelände mit Investor Klaus Weihrauch zu entwickeln aufgehoben. Wie groß ist der Frust?
„Es ist eher eine große Enttäuschung, da meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ich viel Herzblut in die Gespräche mit Herrn Weihrauch gesteckt haben. Die Planung, der Grundriss, die Ausrichtung: Das ist in meinen Augen nach wie vor überzeugend. Umso frustrierender ist es, wenn aus konjunkturellen, räumlichen und wirtschaftlichen Gründen andere Projekte durch den Investor priorisiert werden. Die Tragweite der aktuell fehlenden Begegnungsstätte mit Gastronomieangebot in Nachrodt ist allen im Rat und in der Verwaltung bewusst.“
Wie geht es weiter?
„Wir müssen jetzt gemeinsam neu denken. Dazu trifft sich zunächst der Arbeitskreis Rastatt. So werden ergebnisoffen neue Nutzungskonzepte besprochen. Eine gastronomische Nutzung bleibt nach wie vor wesentlicher Bestandteil der Zielsetzung.“
Was wäre Ihre Vorstellung für das Gelände?
„Ich könnte mir gut einen Platz für Jung und Alt vorstellen. Außerdem eine Möglichkeit zum gemeinsamen Feiern und zum Verweilen. Beispielsweise mit einem Service- und Sanitärgebäude oder einer Bühne für Veranstaltungen. Im Arbeitskreis werden wir auch über mögliche Fördermittel und die Finanzierung sprechen, um einen Rahmen für das Vorhaben zu ermitteln.“
Alles dreht sich 2024 um die Kommunalwahl. In der kleinsten Gemeinde des Kreises läuft bereits der größte Wahlkampf. In manchen Nachbarkommunen gibt es noch nicht einmal Kandidaten. Sie sind nun seit zwei Amtsperioden Bürgermeisterin. Es gibt bestimmt Jobs, die in Zeiten knapper Kassen und weltweiten Krisen spaßiger sind. Was hat Sie dazu bewegt, sich erneut zur Wahl zu stellen, was treibt Sie an?
„Ich erfahre immer wieder viel Zuspruch und Unterstützung aus der Bevölkerung, ich habe Freude an meiner Arbeit und kann damit Gutes für Nachrodt-Wiblingwerde bewirken. Daher möchte ich meine begonnene Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger fortsetzen. Dabei steht der Abschluss der begonnenen Projekte ebenso im Mittelpunkt wie aktive Gestaltung der Zukunft.“
Welche persönlichen Werte oder Überzeugungen leiten Sie in Ihrer politischen Arbeit?
„Mir sind Ehrlichkeit, Bürgernähe, Empathie, Einfühlungsvermögen, Macher-Mentalität und sachliche Kommunikation wichtig. Ich bin überzeugt, dass meine Qualifikation, Kompetenz und langjährige Erfahrung die beste Wahl für Nachrodt-Wiblingwerde sind.“
Gab es in den vergangenen Jahren Momente, in denen Sie überlegt haben, das Amt aufzugeben? Wenn ja, was hat Sie dann motiviert weiterzumachen?
„Ehrlich gesagt, gab es keinen einzigen Moment in dem mir dieser Gedanke kam.“
Können Sie uns von besonders bewegenden oder schwierigen Momenten aus Ihrer Amtszeit berichten, die Ihnen noch heute in Erinnerung geblieben sind?
„Besonders schwierig war die verheerende Flutkatastrophe im Juli 2021. In wenigen Stunden haben sich die Ereignisse überschlagen und es gibt neben den bekannten Gesichtern auch stille Helden, die noch Schlimmeren Schaden für unsere Gemeinde, Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen verhindert haben. Auch die für viele Menschen herausfordernde Corona-Pandemie mit existentiellen Fragen rund um Gesundheit, Kinder, Familie, Freunde, die harten Lockdowns usw. sind mir in Erinnerung geblieben. Gleiches gilt für die unverzügliche Sperrung der Lennebrücke, von der ich sehr kurzfristig erfahren habe sind mir noch als große Herausforderung in Erinnerung.
Auf besonders schöne Momente blicke ich umso lieber zurück. Die schönen Erlebnisse gibt es immer wieder wie zum Beispiel das Ehrenamtsgrillen, die Veranstaltungen ,Lenne lebt‘, die kürzlich gefeierte Eröffnung der generalsanierten Grundschule Wiblingwerde, das Fest zum zehnjährigen Bestehen der Lenneschule, die erste Fahrt auf der sanierten Landstraße L692, die Feste in und um die Heimatstube und Vieles mehr.“
Welche beruflichen und persönlichen Erfahrungen haben Ihnen am meisten dabei geholfen, Ihre Rolle als Bürgermeisterin auszufüllen?
„Die Unterstützung durch meine Familie sowie langjährige Erfahrung und Qualifikation in den einzelnen Sachgebieten. Als gebürtige Nachrodt-Wiblingwerderin bin ich unserer Gemeinde und den Menschen verpflichtet. Die Begegnungen mit Menschen und die vielfältigen Aufgaben des Amts motivieren mich immer wieder aufs Neue.“
Ein paar allgemeine Fragen:
Wie schätzen Sie die Situation der Jugend in der Gemeinde ein? Gibt es genügend Angebote für sie? Was muss eine Kommune bieten, um junge Familien zu locken, was um Jugendliche nach dem Abschluss hier zu halten? Und kann Nachrodt-Wiblingwerde das bieten?
„Nein, es gibt nicht genug Angebote für die Jugend oder die jungen Erwachsenen. Wir können mit Natur und ländlichem Leben sowie traditionellen Werten und vielen Angeboten durch das aktive Vereinsleben punkten. Dennoch fehlt zum Beispiel die Anbindung an die nächsten Großstädte. Wenn man hier auf dem Land nicht mobil ist, ist man oft auf sich gestellt. Jugendliche möchten in Clubs und zu Partys gehen, besondere Locations entdecken und einzigartige Erlebnisse haben, die wir hier nicht haben. Da benötigen wir wenigstens gute und günstige ÖPNV-Verbindungen.
Gleichwohl glaube ich, dass die Jugend es in Nachrodt-Wiblingwerde auch nicht schlechter hat als anderswo in der Region. Das Landleben ist aus gutem Grund ganz allgemein nicht vergleichbar mit dem Leben und den vielen Optionen der Großstadt.“
In den letzten Jahren wurden in der Gemeinde einige wichtige Bauprojekte realisiert beziehungsweise werden gerade realisiert. Welche dieser Projekte sind Ihnen besonders wichtig und warum?
„Eine Priorisierung der Bauvorhaben wird der Sache nicht gerecht, da jedes einzelne für sich eine unglaubliche Bereicherung und Investition in die Zukunft unserer Gemeinde ist. Mit den Sanierungen der Lenneschule und der Grundschule in Wiblingwerde haben wir dem klaren Bekenntnis uns für Familien mit Kindern einzusetzen Ausdruck verliehen. Beide Maßnahmen sind wesentliche Säulen für die Lebensqualität von Familien mit Kindern. Ich halte es für angebracht, als Bürgerin und Bürger in der kleinsten Gemeinde des Märkischen Kreises voller Stolz auf diesen erfolgreichen Kraftakt zu schauen. Nicht wenige Gemeinden beneiden Nachrodt-Wiblingwerde um die gute Schulinfrastruktur.

Mit dem Start des Neubaus zur Errichtung eines neuen Feuerwehrgerätehauses Nachrodt investieren wir in die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen vor Ort. Gleichzeitig investieren wir in die Freiwillige Feuerwehr und das Ehrenamt, um die engagierte Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr nachhaltig zu stärken.
Mit der Sanierung des Amtshauses schaffen wir eine moderne Anlaufstelle für alle Bürgerinnen und Bürger. Der in Entwicklung befindliche Bürgersaal wird für alle Bürgerinnen und Bürger offenstehen und nutzbar sein.
Auch die Sanierung des Hallenbads ist ein Beitrag für die Allgemeinheit und ein zentraler Bestandteil zur Sicherung guter Lebensqualität in Nachrodt-Wiblingwerde.“
Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema in der heutigen Zeit. Inwieweit fließen ökologische Überlegungen in die kommunale Arbeit ein? Einen Klimamanager gibt es ja nicht mehr.
„Ich setze mich weiterhin für Soziales, nachhaltiges Wirtschaften sowie den Klima- und Umweltschutz ein. Ökologische und wirtschaftliche Betrachtungen sind mittlerweile eng verflochten. Die umfangreichen Bauvorhaben der vergangenen Jahre, der Gegenwart und der bereits absehbaren Zukunft verdeutlichen, dass energetische und nachhaltige Maßnahmen gelebt werden. Bei Beschaffungen werden gemäß Nachhaltigkeitsprinzipien alle Seiten bei der Vergabe betrachtet. Soziales genießt weiterhin einen hohen Stellenwert, wie etwa das Ehrenamtsgrillen als Würdigung des Engagements zeigt.“
„Die Akquise von Fördergeldern ist entscheidend für viele Projekte. Wie haben Sie es in der Vergangenheit geschafft, Fördermittel für die Gemeinde zu sichern? Was ist die größte Herausforderung und warum sind Sie für eine pauschalisierte Fördermittelvergabe?
„Ich habe 2017 die Erstellung eines Gemeindeentwicklungskonzeptes angestoßen. Dadurch ist es der Gemeinde möglich, Projekte im Rahmen der Städtebauförderung zu realisieren. Weiterhin wurde eine Stelle im Fachbereich 3 mit dem Projekt Fördermittelmanagement betraut. Es wurden entsprechende Anträge im Bereich der Dorfentwicklung und Dorferneuerung gestellt. So konnte der Kornspeicher in Wiblingwerde und zeitnah auch die Heimatstube saniert werden. Der Schulhof der Lenneschule und das Gartenhallenbad wurden beziehungsweise werden mit Mitteln aus dem Programm Soziale Integration im Quartier saniert.
Die Antragstellungen erfordern einen hohen Arbeitsaufwand und genau so ist es mit den abschließenden Verwendungsnachweisen und den Dokumentationspflichten. Diesen enormen Zeitaufwand und die damit verbundene Bindung von Personalressourcen könnte man sich sparen, wenn die zur Verfügung stehenden Mittel nach einem Verteilschlüssel an die Kommunen ausgezahlt würden. Das ist jedoch leider nicht der Fall, es ist erforderlich für jedes Projekt einen einzelnen Antrag zu stellen und den Verwendungsnachweis zu erbringen. Diese bürokratischen Hürden sind nicht nur schädlich im Sinne der Sache – es bleiben viele Fördermittel ungenutzt – sondern verdeutlichen, dass die Vergabe von Fördermitteln mit hohen Hürden verbunden ist.“
Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft, wenn es um die Finanzierung wichtiger Projekte geht?
„Das sind eindeutig die Mittelbeschaffung und die Generationengerechtigkeit. Der Kämmerer hat es in seiner Haushaltsrede auf den Punkt gebracht. 71 Prozent der Einnahmen die in der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde erwirtschaftet werden fließen direkt an den Märkischen Kreis. Diese Summe wird in den Folgejahren noch weiter steigen. Was mich beschäftigt: Wer soll das alles bezahlen? Wie sollen die Gemeinden diese Umverteilungspraxis stemmen? Zugleich bin ich überzeugt, dass wir auch in den kommenden Jahren immer wieder Finanzierungslösungen für Schlüsselprojekte finden werden.“
Wie schlecht steht die Gemeinde finanziell da, und wo sehen Sie Potenzial für Einsparungen oder zusätzliche Einnahmen?
„Die finanzielle Lage der Gemeinde ist so schwierig, wie seit Jahren nicht. Das ist aber kein Einzelfall von Nachrodt-Wiblingwerde, sondern das trifft alle Kommunen im Märkischen Kreis. Die finanzielle Ausstattung der Kommunen im Kreis ist völlig unzureichend. Ich sehe kein Einsparpotential, es sei denn, es werden die freiwilligen Leistungen beschnitten. Das kommt für mich jedoch nicht in Frage. Es ist beispielsweise nicht hinnehmbar, dass bei den freiwilligen Leistungen für die Kindergärten oder beim Zuschuss für den Trägerverein des Gartenhallenbads gekürzt wird. Ebenso ist der Kulturetat der Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt oder ‚Lenne‘ unterstützt sehr wichtig. Auch der Neubau der Mehrzweckhalle soll wie geplant erfolgen und nicht beschnitten werden.“
Wo sehen Sie unsere Gemeinde in zehn Jahren, wenn alles nach Ihren Plänen verläuft?
„Dann sollten alle Projekte, insbesondere auch die Maßnahmen aus dem Wiederaufbauplan der Flutschäden abgeschlossen sein und die Gemeinde sollte wieder eine solide Haushaltsplanung haben. Mit einer Infrastruktur und Gebäuden, die dem Stand der Technik entsprechen. Mit Menschen, die hier nicht nur leben, sondern hier Ihre Heimat haben. Mit Vereinen, die starken Rückhalt in der Bevölkerung haben und nach wie vor ein wichtiges Bindeglied für alle engagierten Bürgerinnen und Bürger sind. Mit Unternehmen, die hier verwurzelt sind und am Standort gute Rahmenbedingungen vorfinden. Mit einer Bevölkerungszahl, die nicht unter dem heutigen Stand ist. Gerne auch mit 500 Personen mehr in der Meldedatei.“
Was würden Sie rückblickend anders machen, wenn Sie noch einmal am Anfang Ihrer ersten Amtszeit stünden?
„Ich denke, dass man hinterher oft schlauer ist. Aus diesem Grund kann ich diese Frage tatsächlich nicht beantworten. Jede Entscheidung die ich treffen musste habe ich gemäß meines Amtseids getroffen. Aus diesem Grund glaube ich, dass ich die Entscheidungen vermutlich genau so wieder treffen würde. Vielleicht würde ich Formate wie das Ehrenamtsgrillen früher starten. Eben die Anlässe die unglaublich schön, gut und verbindend sind.“

Gibt es ein Projekt oder eine Entscheidung, auf das Sie besonders stolz sind?
„Ich glaube nicht, dass ich alleine stolz sein kann! Ich glaube, dass wir alle stolz auf das Geleistete sein können. Hinter uns liegen zehn Jahre Stärkungspakt des Haushalts und enge Grenzen des Möglichen. Dennoch ist es gelungen Lenneschule und Grundschule Wiblingwerde vollständig zu sanieren, um in kommende Generationen zu investieren. Die vielen großen und kleinen weiteren Maßnahmen wie die Sanierung des Kornspeichers Wiblingwerde, die Umgestaltung des Schulhofs an der Lennschule, der eigenwirtschaftliche Ausbau des Glasfasernetzes und Vieles mehr konnten erfolgreich abgeschlossen werden.“









