Flower-Power und APO-Ausläufer hatten ab 1970 auch die sauerländische Idylle aufgewühlt. „Eigentlich wollte ich was über die 70-er Jahre machen“, sagt Holger Weyland, der sich mit verschiedenen Facetten der Ortsgeschichte beschäftigt. Dabei fiel ihm „die erste WG in der Hauptstraße ein. Die sorgte für Gesprächsstoff“. Und Weyland verband sie mit einem Namen: Peter Sevriens. Der steht im Mittelpunkt des neuen Weyland-Buches, das jetzt veröffentlicht wird.
„Peter Sevriens Art-Station“ ist Titel des 100-Seiten-Readers. Er verknüpft Leben und Arbeit des Künstlers, der 1970 nach Meinerzhagen kam, mit der damaligen Jugendkultur. Weyland und seine Clique, junge Gymnasiasten, „hat damals sofort interessiert“, wie Peter Sevriens „so drauf war“. „Sowas gab es ja damals in Meinerzhagen noch nicht.“, schreibt er. Da kam einer aus Holland, Großstadt-gewohnt, in die Provinz. Sevriens, ein junger Mann, unkonventionell. So, wie die Meinerzhagener Teenager gerne sein wollten. Cool, etwas rebellisch. Und dann noch jemand, der offenbar die erste Wohngemeinschaft (WG) im Ort gegründet hat.
Mit der Distanz von mehr als 50 Jahren sieht Peter Sevriens das weniger spektakulär. Er musste sich erst einmal zurechtfinden in der neuen Umgebung, brauchte Arbeit und eine Wohnung. Geld war knapp und eine WG, bei der alle zusammenlegten, machte die Wohnung erschwinglich. Das war Pragmatismus statt Alt-68er-Philosophie. Die Sicht des Autors und die Sicht Sevriens variieren hier. Gleichwohl gelingt es Weyland, Sevriens Weg nachzuzeichnen.

Objekt- und Aktionskünstler
Dazu gehörten der „Photo-Waggon“, ein Eisenbahnwaggon, den er nach Valbert brachte. Es sollte ein Waggon sein, eingerichtet wie einer, „mit dem früher die Fotografen durch das Land gezogen sind“. Die Wagen waren Wohnung und Labor zugleich.
Sevriens stellte den Waggon später noch Herten und Köln ab, um ihn für Ausstellungen zu nutzen. Seit 35 Jahren steht er am Valberter Bahnhof. Aktuell verlangt die Bahn, das Kunstobjekt zu entfernen. Ein Ultimatum, das Sevriens erneut mediale Aufmerksamkeit beschert. Allerdings eine, auf die er gern verzichtet hätte.

Eine entscheidende Wegmarke war die Gaststätte „IMPULSIV“ in Breddershaus bei Valbert. Als Sevriens und seine Frau Karin nach zwei Jahren das Kneipenprojekt beendeten, hatte er „unheimlich viele Objekte geschaffen“ – mit großem Spaß, wie er betont. Diese Sammlung, dazu spätere Objekte, fanden dann ein neues Domizil in der „ART STATION“. Der alte Valberter Bahnhof wurde so zum Privat-Museum.

Filme-Entwicklung mit Rheinwasser schaffte es in Tagesschau
Legendär war 1986 eine Aktion, bei der Sevriens mit Rheinwasser Filme entwickelte. Eine Aktion, über die es sogar die 20-Uhr-Nachrichten der „Tagesschau“ schaffte. Vor Ort wurde es danach ruhiger um dem den Künstler. Bis 2021.
Das Jahr, in dem Joseph Beuys 100 Jahre alt geworden wäre. Die Galerie van der Grinten in Köln ehrte Beuys in einer Ausstellung mit bis dato unveröffentlichten Fotos – darunter auch Bilder des Meinerzhagener Künstlers. Sevriens porträtierte in dem 1980-er Jahren in Düsseldorf lebende Künstler, fand Zugang zu Beuys und durfte ihn im Atelier, aber auch im Familienkreis fotografieren.
„Prophet gilt nichts im eigenen Land“
Holger Weylands 100-Seiten-Werk über den inzwischen 80-jährigen Künstler weist einige Sprünge und Brüche auf. Aber: er rückt einen Künstler in den Fokus, der sich in der Szene einen Namen gemacht hat. So stellte das renommierte Museum Ludwig in Köln 1996 in einem Buch die besten und erfolgreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts vor. Mit dabei: Peter Sevriens.

Damit erinnert Weyland daran, welche Wertschätzung der 80-jährige Künstler erfahren hat. Sie wird auch in einer umfangreichen Liste von Ausstellungen und Aktionen deutlich, die der Autor zusammengestellt hat. Weyland hat sich stets gewundert „über die sehr verhaltene Resonanz der Stadt in diesen Jahren“, heißt es in seinem Resümee, „lediglich die beiden lokalen Zeitungen damals, die Meinerzhagener Zeitung und die Westfälische Rundschau, berichteten hin und wieder sehr positiv über die künstlerische Arbeit von Peter Sevriens und formulierten dabei auch die gängige Aussage, dass der ‚Prophet im eigenen Lande‘ oftmals nichts gilt.“
INFO
- Das Buch „Peter Sevriens Art-Station“ kommt diese Woche in den Handel.
- Die Erstauflage umfasst 100 Exemplare.
- Peter Sevriens signiert das Buch am Donnerstag, 2. März, um 16 Uhr in der Buchhandlung Schmitz, Meinerzhagen










