Als Staatsanwältin und Dorftratsche Tusnelda belebt sie als eine zentrale Figur das Biergericht. Natürlich kam auch für sie als frisch gekrönte Schützenkönigin nichts anderes in Frage, als diese Positionen auch wahrzunehmen. Nun hatte ihr Prinzgemahl und BG-Präses Markus zusätzlich ein Personalproblem. Wer würde nun die Lose für die große Tombola verkaufen? Nur gut, dass Jubelkönigin Beate Hoben und Jungschützenkönigin Lotta Arens in die Bresche sprangen.
Wer in einem Ortsteil wie Landemert wohnt, muss sich dessen bewusst sein, dass sein Leben immer von Schöffen-Augen belauert wird. Jede kleinste Fehlbarkeit kommt in den Biergerichtstopf, um genüsslich aufbereitet und dem Publikum entsprechend serviert zu werden. Ja, selbst die eigene Familie ist nicht sicher vor Verurteilungen.
Voodoo-Meister Don Alfredo della Casa
Das Motto des diesjährigen Biergerichts lautete „Endlich wieder Sauerei”. Kleine Hinweise auf diese konnte man bereits erhaschen, als Abdeckplanen in Plettenberg kurzfristig nicht mehr erhältlich waren, da die Landemerter Schöffen diese zuhauf benötigten. So schützte die Folie den Bühnenboden vor spritzenden Blutfontänen, als Voodoo-Meister Don Alfredo della Casa alias Alfred Dattinger die resistente Carmen per Zauber zu überzeugen suchte, mit dem Rauchen aufzuhören.

Sauerei gab’s erneut, als herausgefunden wurde, wer immer die Abfalltonne am Schießstand mit seinem persönlichen Müll befüllt. Falsche Schuldzuweisungen machten im oberen Dorfabschnitt die Runde bis der wahre Übeltäter offenbar wurde. Auf der Bühne empfing dann „Optik” Michael Reinecke in der Abfalltonne seine Sühnedusche in Form von glibberigem Abfall.
Persönliche Nöte werden schonmal etwas drastisch auf der Bühne nachempfunden. Viele kennen es. Das Bedürfnis, sich in Ruhe zu erleichtern und nicht zu können, wenn’s neben einem plinkert und plätschert. Auf der Bühne zumindest zeigte Ex-König Andreas Schewe keine Hemmungen beim Spritzen mit den Wasserschläuchen. Für jeden Spaß zu haben war auch seine Frau und Ex-Königin Carola. Sie durfte im vergangenen Jahr beim Grüner Schützenfest wegen des schlechten Wetters nicht zur Schützenhalle am Wieden marschieren, was ihr mächtig missfiel. Nun zeigten ihr die Schöffen, was passiert wäre, wenn sie sich durchgesetzt hätte: Klatschnass und von Schnee- und Hagelkörnern bombardiert verabschiedete sich das ehemalige Königspaar von der Bühne.
„Die Schnitzel-Königin am Wieden“
Nach der Pause kam Tusneldas große Stunde. Da sinnierte sie über ihren Königsschuss und ließ das Publikum teilhaben an den Gedankengängen vor, während und danach. Dass das Vogelschießen keine einfache Angelegenheit ist, zeigte sie mit ihrer blau-grün gefärbten Schulter durch die Rückstöße beim Schießen.
„Erst hab ich gedacht, fall doch, dann wieder, oh bitte nicht”, erinnerte sie sich, „plötzlich kamen die mit so ‘ner Zwei-Rohr-Flinte an. Als mein Mann mir dann zurief, Schieß in die Mitte vom Vogel, hab’ ich einfach nur gehorcht.”

Geschäftstüchtig wie sie ist, möchte Königin Andrea ihre neue Rolle vermarkten: „Jetzt ist Schluss mit Hähnchen-Prinz am Hit, jetzt heißt es Schnitzel-Königin am Wieden.”
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