Klimakatastrophen, Cyberangriffe und der Krieg in der Ukraine verändern den Blick auf Sicherheit und Verteidigung. Bei einer Informationsveranstaltung der SPD Nachrodt-Wiblingwerde sprach die Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk am Donnerstag, 18. Juni, über den neuen Wehrdienst, Aufrüstung und Zivilschutz.
"Der Abend soll unter dem Motto 'Zeitenwende' stehen", erklärte Christian Pohlmann, Vorsitzender der SPD Nachrodt-Wiblingwerde, zu Beginn der Veranstaltung. Er selbst könne sich erinnern, in seiner Kindheit die atomare Bedrohung unterschwellig wahrgenommen zu haben. "Dann jedoch kam eine Zeitenwende, gemeinsam mit dem Mauerfall. Seitdem haben wir Frieden als selbstverständlichen Zustand erlebt. Jetzt erleben wir jedoch die nächste Zeitenwende."
Der neue Wehrdienst
Im Mittelpunkt des Vortrags stand unter anderem der geplante neue Wehrdienst. „Zu diesem Thema sind viele falsche Informationen im Umlauf“, sagte Bettina Lugk. Ein möglicher Dienst bedeute nicht automatisch einen Fronteinsatz, betonte sie. Neben militärischen Aufgaben gehe es auch um den Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland. Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung bleibe dabei bestehen.
Nach den derzeitigen Planungen soll ab 2027 wieder eine verpflichtende Musterung eingeführt werden. Bereits in diesem Jahr wurden erstmals alle jungen Menschen des Jahrgangs 2008 angeschrieben. Männer mussten einen Fragebogen ausfüllen, Frauen konnten dies freiwillig tun.
Neue Bedrohungen erfordern neue Antworten
Die Zeiten, so Lugk weiter, haben sich geändert. "Wir sehen uns ganz neuen Bedrohungen ausgesetzt. Zum Beispiel sind Hackerangriffe mittlerweile ein Thema, ebenso wie der Einsatz von Drohnen."
Deshalb halte sie es für notwendig und sinnvoll, dass jeder Haushalt für den Fall eines Versorgungsausfalls einige Vorräte wie Konserven, Wasser sowie eventuell Nahrung für Babys, Kleinkinder und Haustiere anlege. Außerdem sollten ihres Erachtens auch Taschenlampen und Kerzen vorhanden sein.
"Deutschland ist es wert, verteidigt zu werden"
Aus dem Publikum kam die Frage, wie sich die geplanten Investitionen in die Bundeswehr mit dem Sanierungsbedarf bei Straßen, Brücken und anderer Infrastruktur vereinbaren lassen. "Anfangen müssen wir meiner Meinung nach bei der Ausrüstung", erklärte Bettina Lugk darauf. "Und natürlich muss auch die Infrastruktur gestärkt und verbessert werden. Die Maßnahmen, die jetzt schon auf dem Weg sind, müssen nun nach und nach umgesetzt werden. Ich sehe die Notwendigkeit, hier zu investieren. Ich lebe gerne hier. Deutschland ist es wert, verteidigt zu werden."
Amateurfunk als Alternative zum Mobilfunknetz
Zu Gast war auch Roland Lersch aus Nachrodt-Wiblingwerde, der seit vielen Jahrzehnten Amateurfunker ist. "Wenn das Mobilfunknetz und damit alle Handys ausfallen, haben wir ein Problem", betonte er. Lersch sieht im Amateurfunk eine Alternative zu Smartphones.
Das Funken, so führte Lersch weiter aus, sei nicht nur ein wunderschönes Hobby, sondern auch mit geringem Einsatz zu erlernen. Und noch einen weiteren entscheidenden Vorteil sieht er in der Technik: "Gerade wenn hier in unseren Dörfern mal die Kommunikation zusammenbrechen sollte, könnte durch Funk die Verbindungen weiter aufrechterhalten werden." Der Vorsitzende des Amateurfunkverbandes Hagen Süd plane nun, für interessierte Anwohner eine Veranstaltung und ein Informationsschreiben anzubieten.
Bettina Lugk wandte ein, dass die Erfahrungen aus der Ukraine zeigen, dass die Mobilfunknetze meist robust seien. Sie sieht aber auch die Stadtverwaltungen in der Verantwortung: "Die Vernetzung und vor allem die Bereitstellung von wichtigen Rufnummern in Form eines digitalen Telefonbuchs muss gewährleistet sei. Da haben die entsprechenden Stellen noch einige Aufgaben vor sich."










