"Gerade bei uns in Kierspe geht der Trend stark zu der Urnenbestattung", gibt Sina Wende einen Einblick in die aktuelle Entwicklung der Friedhofs- und Bestattungskultur. Sie ist Bestatterin und war gemeinsam mit zwei Standeskollegen am Mittwochabend, 18. März, zu Gast im Ausschuss für Demografie, Soziales und Familie.

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Kostenfrage als Entscheidungsgrund

Auch Bestatter Martin Schriever zeigt sich überzeugt: "Standard ist Urne." Als Grund dafür sieht Schriever vor allem die Kosten für Beerdigungen. Anfang der 2000er-Jahre hätten die Krankenkassen ihre Unterstützung für Bestattungen langsam heruntergefahren, seit 2005 gebe es keinerlei Zuschüsse mehr zu Beerdigungskosten. Seitdem steige die Nachfrage nach Bestattungsvorsorge. "Wohl auch, weil man seinen Kindern nicht zur Last fallen will", vermutet Schriever.

Auf einen genauen Preis für eine Bestattung möchte sich der Fachmann nicht festlegen: "Im Grunde ist es so, als würde die Frage gestellt, was ein Auto koste." Von einer verhältnismäßig günstigen, anonymen Bestattung bis hin zu großen Trauerakten mit Musik, Reden und anschließendem Zusammenkommen sei alles möglich, berichtet Schriever.

Urne gewinnt Preis-Leistungs-Vergleich

Mit den günstigen Angeboten wie den Urnenwänden und -würfeln auf dem Friedhof sowie immer häufiger nachgefragten Bestattungsformen wie der Seebestattung oder Beisetzungen in Friedwäldern, die in Kierspe nicht angeboten werden, fördere man einen Trend, der dazu führe, "dass es immer mehr Rasenfläche auf unserem Friedhof gibt und immer weniger Pflegegräber", so Schriever.

Baumbestattungen beliebt

Schriever machte sich dafür stark, weitere Bestattungsformen in Kierspe anzubieten. Er regte an, sich bei benachbarten Friedhöfen, zum Beispiel in Lüdenscheid oder Meinerzhagen, zu informieren. Gerade Baumbestattungen, also das Beisetzen einer Urne unter einem Baum, seien aktuell gefragt: "In der kommenden Woche bin ich zum dritten Mal in diesem Jahr im Friedwald in Hückeswagen", machte er die aktuelle Nachfrage deutlich.

Auch auf dem Kiersper Kommunalfriedhof kann sich Schriever eine solche Begräbnismethode vorstellen. Beispielsweise könnten die "Alleebäume" auf der vom Weg abgewandten Seite für Baumbestattungen genutzt werden, führt Schriever an. "Ich habe den Eindruck, dass an dem vorbei geplant wird, was die Bevölkerung möchte", stellte er fest. Ausschussmitglied und UWG-Fraktionsvorsitzender Clemens Wieland stimmte ihm zu: "Wenn der Trend jetzt in Richtung baumnahe Bestattungen geht, müssen wir uns da hin entwickeln."

Keine Neuberufung der "Arbeitsgruppe Friedhof "

Wieland möchte zudem die Friedhofsgebühren noch einmal in den Hauptausschuss bringen, nachdem die Bestatter die Politiker auf intransparente Preise hingewiesen haben. Als Gegenvorschlag warb Rainer Nettlenbusch dafür, die 'Arbeitsgruppe Friedhof' wieder ins Leben zu rufen. Dem widersprachen nicht nur die UWG-Fraktion und Marie-Luise Linde, die als Abgeordnete des Seniorenbeirates im Ausschuss sitzt, sondern auch Schriever: "Ich weiß nicht, ob man sich damit einen Gefallen tut, denn dadurch werden Prozesse ausgebremst."

Ausgebremst fühlt sich Schriever zudem von den Friedhofsgärtern. Die Personen selbst bezeichnete er als "ein kompetentes Team". Die Arbeitszeiten der Friedhofsgärtnerei hingegen seien "ein bisschen ein Armutszeugnis, wenn es freitags nicht mehr hinzubekommen ist, um 13 Uhr ein Urnengrab zuzumachen. Das könnte man etwas verbessern."

Für die Idee, die Situation zu verbessern, bekam Nettlenbusch Applaus von der UWG und Zustimmung von Ralf Ullrich (SPD).

Mit Martin Schriever hat LokalDirekt bereits im Rahmen der Serie "Sterben heute" umfangreich gesprochen.