Die Stadt Kierspe investiert 4,3 Millionen Euro in eine vollständige Entkernung und energieeffiziente Sanierung des Rathauses. Am Montag, 16. März, überreichte Thomas Sommer von der Bezirksregierung Arnsberg einen Förderbescheid über 1,72 Millionen Euro für das Projekt, das am Dienstag, 24. März, vom Rat kurzfristig beschlossen werden soll. Bisher war das Projekt noch kein Thema in der Öffentlichkeit.
"Komplettentkernung" des Rathauses
Simon Trambacz, Leiter des Gebäudemanagements, stellte im Rahmen eines Pressetermins zur Übergabe des Förderbescheids die geplanten Maßnahmen vor: Im Zuge der Sanierung werden in mehreren Bauabschnitten sämtliche Zwischenwände und der Boden bis hin zur Bodenplatte des Gebäudes entfernt. Die Bodenplatte erhält, genau wie die Außenfassade, eine vollständige Dämmung. Anschließend wird eine neue Heizungsanlage in Form einer energieeffizienten Wärmepumpe inklusive Fußbodenheizung eingebaut. Gemeinsam mit der Dämmung der Zwischendecke und neuen Trockenbauwänden kommt eine komplett neue Elektrik ins Rathaus. Zudem werden auch die Fenster durch neue, energiesparende Varianten ersetzt.
„Letztendlich wird eine Komplettentkernung der einzelnen Bereiche stattfinden“, stellte Trambacz fest. Bürgermeister Olaf Stelse ergänzte: „Das heißt, dass es zu Arbeiten im Bestand kommen wird.“ „Wir werden umziehen müssen und weitere Räumlichkeiten in Beschlag nehmen müssen“, führte er weiter aus. Denn eine oftmals gewünschte räumliche Erweiterung des Rathauses werde es nicht geben, es werden lediglich das vorhandene Erdgeschoss und der Keller überarbeitet. Wo genau die einzelnen Rathausmitarbeiter während der Bauphase unterkommen sollen, stehe noch nicht fest.
Gebäude aus den 1950er-Jahren
Das Gebäude wurde in den 1950er-Jahren als Produktionsgebäude der Firma Knipping-Schrauben errichtet und nach einem Umbau im Jahr 1986 zum Rathaus umfunktioniert. Stadtdirektor Helmut Brockmeier war das erste Stadtoberhaupt, das von hier aus die Geschicke der Raukstadt führte. Seit 40 Jahren wurden lediglich kleine Anpassungen an dem Gebäude vorgenommen.
„So wie man sich vor vierzig Jahren Rathaus vorgestellt hat, so ist es jetzt. Wir hoffen, dass wir es nun für die nächsten 40 Jahre zukunftsfähig aufstellen“, sagt Lars Feltens, Fachbereichsleiter Bauen und Planen. Bürgermeister Stelse stimmt ihm zu: „Tatsache ist, dass wir es ohne diese Fördermittel nie in dieser Form hinbekommen würden.“
"Enorme Einsparungen" geplant
Grundlage für das EFRE-Förderprogramm, von dem unter anderem auch die Stadt Halver profitiert, ist die energieeffiziente Sanierung von kommunalen Gebäuden. Mindestens 50 Prozent des Energiebedarfes müssen dabei durch die Sanierung gesenkt werden — im Fall des Kiersper Rathauses sind es ersten Berechnungen zufolge sogar 63 Prozent. Die Verwaltung rechnet damit, dass sie durch die Renovierungen rund 90 Tonnen CO2 einsparen wird. Auf eine genaue Summe möchte sich Kämmerin Kerstin Steinhaus-Derksen aufgrund der volatilen Energiepreise nicht festlegen, betont jedoch: „Es wird enorme Einsparungen für uns geben.“
Zwei Jahre Bauzeit
Die Bauarbeiten werden auf rund zwei Jahre reine Bauzeit geschätzt und sollen im Frühjahr 2027 beginnen. Bis zum Sommer 2029 muss das Projekt abgeschlossen sein. Die ersten Planungen sollen zeitnah nach dem Ratsbeschluss beginnen, um den Zeitplan zu halten.










