Das Bautz-Festival hat seit seinem Bestehen mit Defiziten abgeschlossen. Nach Medienberichten belaufen sich die Fehlbeträge auf insgesamt rund 1,5 Millionen Euro. Um die Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH (LSM) als Veranstalter handlungsfähig zu halten, hat der Rat 700.000 Euro außerplanmäßige Haushaltsmittel für die LSM bewilligt.

Dazu erklärt Dominik Hass-Sommer, Vorsitzender des Kulturausschusses, für die SPD-Fraktion:

„Das Bautz-Festival gehört zu Lüdenscheid. Wir wollen, dass das auch in Zukunft so bleibt. Dafür braucht das Festival eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive. Seine Zukunft darf aber nicht allein an der Frage entschieden werden, ob am Ende eine schwarze Null steht.“

Das Bautz-Festival hat in den vergangenen Jahren wiederholt mit finanziellen Defiziten abgeschlossen. Die erheblichen Kostensteigerungen und veränderten Rahmenbedingungen haben die Durchführung großer Kulturveranstaltungen zunehmend erschwert. Diese wirtschaftlichen Herausforderungen nehmen wir ernst, gerade angesichts der schwierigen Haushaltslage unserer Stadt.

Gleichzeitig steht für uns fest: Der Wert einer kulturellen Veranstaltung lässt sich nicht allein an ihrem wirtschaftlichen Ergebnis messen. Eine finanzielle Unterstützung des Festivals in einem angemessenen Rahmen halten wir deshalb auch in Zukunft für vertretbar. Ziel muss es zugleich sein, die städtischen Zuschüsse zu begrenzen und die wirtschaftliche Perspektive des Festivals kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Mehr als eine Musikveranstaltung

Denn das Bautz ist längst mehr als eine Musikveranstaltung. Es ist ein fester Bestandteil unserer Stadtgesellschaft und der Kulturlandschaft der gesamten Region. Das Festival bringt Generationen zusammen – von Familien mit Kindern über Jugendliche und junge Erwachsene bis hin zu älteren Besucherinnen und Besuchern. Es schafft Begegnungen, stärkt die Identifikation mit unserer Stadt und macht Lüdenscheid lebendig. Bei allen notwendigen Veränderungen müssen bezahlbare Angebote und insbesondere die Familienfreundlichkeit erhalten bleiben. Gerade dieser generationenübergreifende Charakter zeichnet das Bautz aus und macht es in der Festivallandschaft besonders.

Wer ausschließlich auf das wirtschaftliche Ergebnis schaut, greift zu kurz. Auch ein Wegfall des Festivals hätte einen Preis: für das kulturelle Leben, für die Attraktivität unserer Stadt und für örtliche Unternehmen und Vereine. Besucherinnen und Besucher aus ganz Deutschland und teilweise sogar aus dem Ausland sorgen für zusätzliche Nachfrage bei Hotels, Gastronomie, Taxiunternehmen, Sicherheitsdiensten, Caterern und weiteren Dienstleistern. Zugleich macht das Bautz weit über die Stadtgrenzen hinaus auf Lüdenscheid aufmerksam.

Zusätzliche Zielgruppen erschließen

Dieses Potenzial wollen wir künftig noch stärker nutzen. Dazu gehören beispielsweise zusätzliche Stellplätze für Wohnmobile und Camper sowie eine stärkere Verknüpfung des Festivals mit unserer Innenstadt, der Gastronomie und weiteren Angeboten vor Ort. So können zusätzliche Zielgruppen erschlossen und die positiven wirtschaftlichen Effekte für Lüdenscheid weiter gestärkt werden.

Wenn Lüdenscheid für junge Menschen, Familien und Fachkräfte attraktiv sein soll, dürfen wir Kultur nicht als verzichtbaren Luxus betrachten, sondern müssen sie als wichtigen Standortfaktor begreifen. Auch andere kulturelle Veranstaltungen und Angebote unserer Stadt werden aus guten Gründen - vereinzelt in ähnlicher Höhe - öffentlich unterstützt. Entscheidend ist der kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Mehrwert für unsere Stadt, verbunden mit einem verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln.

Keine Denkverbote

Deshalb unterstützen wir die laufende Weiterentwicklung des Festivals. Neue Kooperationen, zusätzliche Sponsoren und Einnahmemöglichkeiten, organisatorische Anpassungen und auch Veränderungen des Veranstaltungsformats können dazu beitragen, das Bautz langfristig wirtschaftlich zu stärken. Dabei sollte es keine Denkverbote geben. Entscheidend ist, gemeinsam mit den Verantwortlichen tragfähige Lösungen zu entwickeln, ohne den besonderen Charakter des Festivals aufzugeben.

Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Verantwortlichen bereits konstruktiv an neuen Konzepten und Perspektiven arbeiten. Das Stadtmarketing und seine Beschäftigten leisten seit Jahren wichtige Arbeit für die Belebung unserer Stadt. Diese Arbeit verdient Anerkennung und Unterstützung. Gleichzeitig brauchen die Verantwortlichen Planungssicherheit, um neue Partnerschaften aufzubauen, Sponsoren zu gewinnen und notwendige Weiterentwicklungen verlässlich umzusetzen. Wer langfristige wirtschaftliche Verbesserungen erreichen will, muss auch langfristige Perspektiven ermöglichen.

Wir wollen nicht Jahr für Jahr darüber diskutieren, ob wir uns das Bautz noch leisten können. Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, wie wir es uns auch in Zukunft leisten können. Für uns ist klar: Das Bautz darf als wichtige Kulturveranstaltung auch öffentliche Unterstützung erhalten. Gleichzeitig wollen wir seine wirtschaftliche Zukunft gemeinsam mit den Verantwortlichen weiter stärken. Unser Ziel ist ein Festival, das wirtschaftlich verantwortungsvoll aufgestellt ist und zugleich seinen offenen, familienfreundlichen Charakter bewahrt.“