Raus aus der Uni und endlich rein in die Praxis: In der Historischen Schützenhalle Lüdenscheid haben am Mittwoch, 21. Oktober, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Schulministerin Dorothee Feller rund 200 Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter (LAA) begrüßt. Beide waren beim Diensteid dabei, den die künftigen Lehrkräfte zu Beginn ihres Vorbereitungsdienstes ablegen.
„Ein Hoch auf Euch, ein Hoch auf das, was kommt“: Mit diesen leicht abgewandelten Zeilen des Andreas-Bourani-Hits „Auf uns“ wurden die angehenden Lehrerinnen und Lehrer begrüßt. Später sang Sabine Esau, begleitet von der Big Band der Gesamtschule Iserlohn, den kompletten Song. Vorher gab sie dem pädagogischen Nachwuchs noch ihren persönlichen Rat: „Werdet einfach die Lehrerinnen und Lehrer, die Ihr früher selbst gebraucht hättet“, sagte sie bei der Staffelübergabe unter dem Beifall der zahlreichen Ehrengäste.
Mit ihrer Teilnahme zollten der Ministerpräsident und die Ministerin allen fast 4000 in Nordrhein-Westfalen startenden angehenden Lehrkräften Anerkennung und Wertschätzung. Diese Zahl ist der Höchstwert der vergangenen Jahre – und sie bestätigt den generellen Trend, dass sich im Land immer mehr junge Menschen dafür entscheiden, Lehrerin oder Lehrer zu werden. Im vergangenen November traten rund 3500 LAA ihren Vorbereitungsdienst an. Insbesondere im Lehramt Grundschule steigen die LAA-Zahlen seit Jahren deutlich an. Waren es im Jahr 2022 noch landesweit 600 Dienstantritte, hat sich die Zahl nunmehr auf fast 800 erhöht. Generell hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren viele Maßnahmen umgesetzt und eingeleitet, um deutlich mehr Personal an die Schulen zu bringen. So hat das Land mehr als 30.000 Menschen dauerhaft in den Schuldienst neu eingestellt, darunter rund 25.000 Lehrkräfte. Heute arbeiten 12.600 Menschen mehr an Schulen in NRW als noch vor vier Jahren.
Ministerpräsident Hendrik Wüst sagte in seinem Grußwort: „Kinder und Jugendliche haben für uns in Nordrhein-Westfalen oberste Priorität. Jedes Kind soll seine Talente entfalten und seinen eigenen Weg gehen können – unabhängig von seiner Herkunft oder den Möglichkeiten seiner Eltern. Dafür tragen wir gemeinsam Verantwortung. Gute Bildung eröffnet Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben und ist eine unverzichtbare Grundlage für eine starke Demokratie. Dafür brauchen wir engagierte und gut ausgebildete Lehrkräfte. Sie vermitteln Wissen, fördern kritisches Denken und machen unsere Schulen zu Orten, an denen junge Menschen Demokratie erleben. Jede zusätzliche Lehrerin und jeder zusätzliche Lehrer stärkt die Zukunftschancen unserer Kinder.“
Schulministerin Dorothee Feller erklärte: „Es ist eine sehr gute Nachricht, dass wir immer mehr LAA in Nordrhein-Westfalen begrüßen dürfen. Diese vermitteln nicht nur Wissen und wichtige Kompetenzen. Sie prägen auch die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler und ihren Blick auf die Welt maßgeblich – vor allem durch die Art und Weise, wie sie den Unterricht für und mit jungen Menschen gestalten. Kaum eine andere Berufsgruppe kann von sich behaupten, einen solch positiven Einfluss auf junge Menschen und letztlich auf unsere Gesellschaft zu haben.“
Nicole Korb, Leiterin des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) in Lüdenscheid, sagte am Mittwochmorgen: „Sie können Kindern und Jugendlichen vorleben, dass Respekt stärker ist als Ausgrenzung, dass Neugier stärker ist als Vorurteil und dass es sich lohnt, sich mit Begeisterung für Schülerinnen und Schüler und für eine offene und demokratische Gesellschaft einzusetzen. Damit tragen Sie als Lehrkräfte auch dazu bei, unsere Demokratie zu stärken und zu bewahren.“
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Die künftigen Lehrkräfte werden am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung an der Corneliusstraße in Lüdenscheid in den Lehrämtern Grundschule, sonderpädagogische Förderung, Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschule ausgebildet.
Im Rahmen der Vereidigungsfeier präsentierte Nicole Korb den fast 200 jungen Frauen und Männern ihr Seminarleitungsteam mit Dr. Judith Vriesen, Dr. Sandra Mubaraka und Ralf Schnetz. Dr. Mubaraka, Seminarleiterin für sonderpädagogische Förderung, betont, dass am ZfsL Lüdenscheid der gemeinschaftliche Gedanke das Ausbildungsgeschehen prägt: „Uns ist es wichtig, dass die LAA von vielen lehramtsübergreifenden Tagen profitieren, in denen es etwa um Vielfalt, Unterrichtsqualität oder auch die Perspektiven im Lehramtsberuf geht.“
Hörbehinderte im Vorbereitungsdienst
Ihren Vorbereitungsdienst in Lüdenscheid startet am 1. November zum Beispiel Annika Rudowski. Die 24-Jährige aus Eslohe im Sauerland wird Lehrerin an einer Förderschule in Olpe mit dem Schwerpunkt Hören und Kommunikation, an der Schülerinnen und Schüler mit einer Hörbehinderung unterrichtet werden. Annika Rudowski hat selbst eine Hörbehinderung, ein Hörgerät hilft ihr durch den Alltag. Sie hat in Köln ein Lehramtsstudium mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation absolviert und ihren Master gemacht. „Ich freue mich sehr darauf, nun endlich auch in der Praxis loslegen zu können“, erzählt sie, „ich bin offen für jedes Kind, habe durch meine eigene Beeinträchtigung einen persönlichen Zugang und werde mich dafür einsetzen, schulische Inhalte barrierefrei in Gebärden- und Lautsprache zu vermitteln, damit jedes Kind individuell gefördert wird.“
Lehrerin statt Architektin
Mit ebenso großer Motivation startet Lina Bitter aus Altena in ihren Vorbereitungsdienst fürs Lehramt Grundschule. Ursprünglich wollte die heute 25-jährige Architektin werden. Da in ihrer Familie viele Menschen in sozialen Berufen tätig sind, stellte sie dann aber schnell fest, „dass ich gerne mit Kindern zusammenarbeite, um ihnen Rechnen, Schreiben und Lesen beizubringen und damit eine gute Grundlage für ihr Leben zu schaffen.“ Sie wird an der Lüdenscheider Ida-Gerhardi-Schule ihre praktischen Erfahrungen machen. „Dort wird jahrgangsübergreifend unterrichtet. Ich bin schon sehr gespannt, wie dieses Konzept funktioniert.“








