Bon Kim strahlt eine überwältigende Ruhe aus. Die südkoreanische Lichtkünstlerin ist ganz in Weiß gekleidet. Sie wirkt fast wie ein Zen-Meister. An drei Tagen hat sie auf Einladung des Lüdenscheider Lichtroutenkollektivs Besucherinnen und Besucher auf Schloss Neuenhof zu ihrer Performance „Mourning Heat“ empfangen.
Die Ruhe der Künstlerin überträgt sich schnell auf ihre Gäste. Nach der Begrüßung und einigen Sicherheitshinweisen („Haare bitte zurückbinden. Es kann gefährlich werden.“) geht’s die Treppe zum ehemaligen Heuboden des barocken Wasserschlosses hinauf.
Hier werden sie von einer Serie von Glühfäden in Ständern („Heater“) empfangen. Bon Kim überreicht den Gästen keramische Röhren. „Heater“ und die Röhren, die angenehm in der Hand liegen, sind die skulpturalen Bausteine der Installation „Mourning Heat“.
Die „Heater“ beginnen zu glühen
Dann schaltet Bon Kim den Strom ein und die „Heater“ beginnen zu glühen. Erste Lektion: Die Künstlerin zeigt den Gästen, wie die Röhren zu handhaben sind und zum ersten Mal erklingen Töne. Danach unterstützt sie die Workshopteilnehmer beim Gebrauch der Röhren. Jedem gelingt es, die klagenden Töne zu erzeugen. Der Sound ist das Herz der Performance. Danach lassen die Besucher die Röhren in Zweier-Gruppen und später zusammen singen. Es entsteht ein vielstimmiges meditatives Klagelied. Es könnte die Trauer einer Gruppe um einen lieben Verstorben sein. Der Klang fungiert dabei als Metapher für das Entsenden eines Verstorbenen in den Himmel – ein Bild des Abschieds, das in vielen Trauertraditionen verankert ist.
Tatsächlich ist „Mourning Heat“ eine performative Installation, die versucht, das Zurückgelassene, das Vergangene und den Zwischenraum mithilfe von Wärme zu erforschen. Durch das Medium Wärme zielt das Projekt darauf ab, den Prozess des Trauerns neu zu interpretieren – ausgehend von aufsteigender Hitze bis hin zum allmählichen Nachlassen der Wärme.
Für die Klangerzeugung müssen die Workshop-Teilnehmer aktiv werden. Die menschliche Präsenz ist integraler Bestandteil des technischen Systems: Material, Strom, Wärme, Licht und Körper bilden ein hybrides System, das von der Interaktion abhängt.
In ihrer künstlerischen Forschung entwickelt Bon Kim Objekte und Installationen, die das Verhältnis von Mensch, Maschine und Physik neu befragen: Mit technischer Wärmebildung, mit Wärme-Bildern und Wärme-Sensoren übersetzt sie unsichtbare energetische Prozesse in sinnlich erfahrbare Situationen.
Bon Kim sagt: „Die Welt durch Wärme zu sehen, ist eine Metapher dafür, sie als Empfindung wahrzunehmen und nicht nur als bloße Oberfläche.“ Diese Erfahrung durften die Gäste in sechs gut besuchten Workshops am 15., 16. und 17. Oktober mit ihr teilen. Und mehr noch. Eine Besucherin stellte fest: „Wir durften ein außergewöhnliches Instrument kennenlernen, das an keiner Musikschule unterrichtet wird.“








