Der Sohn einer Arbeitskollegin seiner Mutter war es, der Joachim Kruse vor einigen Jahrzehnten zur Astrophysik und Astrofotografie brachte. Geplant hatte er nach seiner Schulzeit demnach auch den Einstieg in die Astrophysik. Doch als Wehrdienstpflichtverweigerer gehörte er zu den Ersten, die in der Pflege landeten. Geblieben ist er dort bis zum Ende seines Berufslebens.
Mittlerweile kann er sich als Rentner jedoch voll und ganz seinem Hobby widmen und verbringt die Nächte gerne in der Natur. „Ich bin das noch gewöhnt, durch die Nachtdienste im Gesundheitswesen“, kommentierte er seine nächtlichen Touren. Stets dabei hat er seine Ausrüstung, um Sterne, Galaxien, die Milchstraße und interstellare Wolken festzuhalten. Auf einer Karte zeigte er einem Interessenten die Lichtverhältnisse in den verschiedenen Regionen Deutschlands. Dabei wurde schnell klar, dass Halver am Rande des Ruhrgebiets für die Astrofotografie nicht zu 100 % geeignet ist. Trotzdem hat Kruse mittlerweile diverse Fotospots in und rund um Halver gefunden. Grund genug für einen Interessenten, der seinen Wohnort in Düsseldorf hat, die weite Strecke zu den Vorträgen von Joachim Kruse auf sich zu nehmen.
„Astrofotografie hat viel mit Geduld zu tun“, erklärte Kruse seinen Zuhörern, „und außer dem Wetter können wir eine Menge beeinflussen.“ Tatsächlich machte das bewölkte und verregnete Sauerländer Wetter dem eigentlichen Plan für den Abend einen Strich durch die Rechnung: Geplant war die Beobachtung einer partiellen Mondfinsternis von einem besonderen Fotospot – dem Karlsturm auf der Karlshöhe.
Doch die „gewonnene“ Zeit nutzte Kruse um einen ausführlichen Einblick in seine Arbeit und seine Werke zu geben. „Planung ist ein Großteil der Arbeit – Vor- und Nachbereitung teilen sich dabei den gleichen Umfang“, beschrieb er sein Hobby. Dass man seine Fotografien auch in den Sozialen Medien bestaunen könne, habe er einem alten Schulfreund zu verdanken, der ihn dazu motivierte. Bevor die Präsentation der Werke begann, erklärte Kruse möglichst praktisch, warum zu bestimmten Tagen im Jahr an der gleichen Position unterschiedliche Sternenbilder zu sehen sind. Dafür nutzte er eine Lampe als „Sonne“ und eine beleuchtete Kugel als „Erde“.

Mit Sternenkarten – die älteste ist bereits 45 Jahre alt – bekamen die Teilnehmer dann nochmal einen theoretischen Eindruck.
Innerhalb seines Vortrags stellte er diverse Fotografien vor und erklärte stets, wie und mit welcher fotografischen Ausrüstung er die Aufnahmen eingefangen hat. Damit die Fotografien später so klar und deutlich sind, benutzen die Astrofotografen eine spezielle Technik. Beim Stacking werden viele Fotos – immer vom gleichen Ausschnitt – digital „aufeinander gelegt“ und mittels Software bereinigt.
Bei der „Earth Night“ wird einmal jährlich für die gesamte Nacht – spätestens ab 22 Uhr – dazu aufgerufen, privates und öffentliches Kunstlicht auszustellen, damit man den Himmel fotografisch besser einfangen kann. Während der Coronapandemie und auch zu Beginn des Ukrainekriegs hätte man festgestellt, dass die Lichtverhältnisse sehr geeignet waren. Eine Situation, die sich Joachim Kruse wohl öfter wünscht.
Wer Interesse an seinen Fotografien und der Astrophysik hat, kann sich in den stets stattfindenden Kursen einen Einblick verschaffen. Auch die Gruppe der Astro-Freunde „Oben an der Volme“ trifft sich wöchentlich: immer Mittwochs ab 18.45 Uhr in den Räumlichkeiten der VHS im Lern- und Begegnungszentrum.










