Am Samstag vor dem ersten Advent hat in Wiblingwerde das traditionelle Ansingen des Advents stattgefunden – organisiert von Mitgliedern des Heimat- und Verkehrsvereins sowie der evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Mark und begleitet von den beiden Wiblingwerder Kindergärten. Was sonst als stimmungsvoller Auftakt in die Vorweihnachtszeit gilt, wirkte in diesem Jahr jedoch ungewöhnlich verhalten.

Schon lange vor Beginn füllte sich die evangelische Kirche. Wuselige Betriebsamkeit herrschte vor allem unter den jüngsten Teilnehmenden: Die Kindergartenkinder waren sichtlich aufgeregt, andere Kinder probten noch einmal ihre Texte, während Eltern nach freien Plätzen Ausschau hielten. Doch etwas war anders als in den Vorjahren. Wo die Kirche in der Regel aus allen Nähten platzt und Familien sich teils 30 Minuten vorher einfinden müssen, um noch einen Sitzplatz zu ergattern, blieb der ganz große Andrang diesmal aus. Die Kirche war zwar gut besucht, aber bei Weitem nicht so voll wie sonst. Eine Erklärung dafür hat niemand. Zwar fanden parallel der Weihnachtsmarkt in Nachrodt und das Winterspektakulum in Altena statt – doch das war in früheren Jahren ebenfalls der Fall, ohne dass es dem Ansingen geschadet hätte.

Die Kinder hatten ein Gebet zum Thema Licht vorbereitet.
Foto: Marvin Schmidt / LokalDirekt

Dabei hatte sich Gemeindepädagogin Annedore Weidlich spürbar viel Mühe gegeben, den Familiengottesdienst lebendig, kindgerecht, kurz und musikalisch zu gestalten. Das Programm, gemeinsam mit den Kindergärten erarbeitet, stellte das Thema „Licht“ in den Mittelpunkt – passend zum Beginn des Advents. Bekannte Kinderlieder wie „Dicke rote Kerzen“ sorgten dafür, dass viele der jungen Besucherinnen und Besucher lautstark mitsangen. Alles war darauf ausgelegt, den Zauber des Advents spürbar werden zu lassen.

Doch dieser Zauber wollte sich nicht so recht entfalten. Mehrere Besucher berichteten hinterher, es sei ungewöhnlich laut und unruhig gewesen – und zwar nicht auf die liebevolle, vorfreudige Art, wie es bei Veranstaltungen mit vielen Kindern üblich ist. Einige Erwachsene unterhielten sich durchaus lautstark während der Darbietungen der Kinder, die dafür teils wochenlang geübt hatten. Gleichzeitig ließen auch viele Kinder ihren Bewegungsdrang freien Lauf: Sie standen und hüpften auf Bänken. Szenen, die dem eigentlich besinnlichen Charakter der Veranstaltung wenig Raum ließen.

Und doch bot das Programm viel Schönes. Zum Abschluss trugen die Kinder kleine Teelichter hinaus vor die Kirche – als Symbol dafür, das Licht des Advents hinauszutragen. Unter dem hoch über dem Dorfplatz hängenden Adventskranz wurde schließlich die erste Kerze entzündet. Normalerweise ein Moment, der das Dorf für einen Augenblick innig zusammenführt.

Auch der anschließende Ausklang auf dem Platz mit Glühwein, Punsch und Bratwurst vom Heimatverein wirkte ruhiger als gewohnt. Wo sich sonst Menschentrauben bilden, leerte sich der Platz diesmal vergleichsweise schnell. Viele bedauerten das – zumal alle Beteiligten viel Zeit und Herzblut in die Vorbereitung gesteckt hatten.

So bleibt dieses Ansingen des Advents ein Abend der leisen Fragen und der ratlosen Gesichter: Woran lag es, dass Stimmung und Beteiligung hinter den Erwartungen zurückblieben? War es nur ein Ausreißer – oder ein Hinweis darauf, dass sich Traditionen verändern? Die Antwort wird wohl erst das nächste Jahr geben.