Der SC Zurstrasse 70 hat sich für das Qualitätsbündnis des Landessportbundes (LSB) Nordrhein-Westfalen zum Schutz vor sexualisierter und interpersoneller Gewalt im Sport zertifizieren lassen — und positioniert sich damit als erster Breckerfelder Verein auch offiziell für mehr Prävention, Sensibilisierung und Verantwortung.

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Langer Weg zur Zertifizierung

Rund eineinhalb Jahre investierte der SC Zurstrasse in den Aufnahmeprozess. Die Dauer ergab sich aber nicht aus Mangel an Engagement, sie war den umfangreichen Kriterien geschuldet, die es seitens des Landessportbundes zu erfüllen galt. „Der Vorstand stand von Beginn an geschlossen hinter dem Vorhaben“, betont der 1. Vorsitzende Jens Richstein. „Aber es hängt nicht nur vom Vorstand ab — alle im Verein müssen es wollen, dahinter stehen und letztlich auch Zeit dafür investieren können.“

Neben formalen Beschlüssen und einer entsprechenden Satzungsanpassung gehörten auch eine Risikoanalyse, die Erstellung eines Schutzkonzeptes und der Aufbau eines lokalen Netzwerks zu den Anforderungen. Schulungen und Präventionsangebote nahmen dabei einen wichtigen Platz ein. Stefanie Kinzel, 2. Vorsitzende des SC, hob den Lerneffekt hervor: „Wir wurden für Themen und Signale sensibilisiert, die uns sonst vielleicht nicht aufgefallen wären. Das gibt uns heute mehr Sicherheit, um Situationen besser einschätzen und entsprechend handeln zu können.“

Engagement auf vielen Ebenen

Der SC Zurstraße bietet ein breites Sportangebot — von Fußball über Fitness und Darts bis hin zu Bogensport und Walking Football. Besonders die seit rund vier Jahren stetig wachsende Kinder- und Jugendfußballabteilung spielte eine zentrale Rolle bei den Überlegungen, sich qualifizieren beziehungsweise vom LSB zertifizieren zu lassen: „Gerade im Kinder- und Jugendbereich tragen wir eine große Verantwortung“, erklärt Astrid Kraning, 2. Jugendleiterin. „Deshalb war es für uns alle selbstverständlich, diesen Weg zu gehen.“ So habe der Verein bereits vor einigen Jahren erweiterte Führungszeugnisse für Trainer und Verantwortliche gefordert — ein Kriterium, dass auch im Qualitätsbündnis verpflichtend ist.

Trotz klarem Ziel forderte vor allem der organisatorische Aufwand viel Zeit. Vorstand, Trainer, Übungsleiter — sie alle investierten zahlreiche Stunden ihrer Freizeit in Konzepte, Abstimmungen und Fortbildungen. „Das lief alles neben Beruf und Familie“, erzählten Sandra Meinker, Trainerin der „DanceKids“, und Silvia Steffen aus dem Vorstand der Fitness-Abteilung. „Umso schöner ist es, dass sich dieser Einsatz jetzt auszahlt.“

Erster Breckerfelder Verein im Bündnis

Am Montag, 1. Juni, erhielt der SC Zurstrasse dann die offizielle Bestätigung: Alena Feldmann vom Kreissportbund Ennepe-Ruhr überreichte das Mitgliedsschild des Qualitätsbündnisses stellvertretend für den Landessportbund an den Vorstand.

Schild des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen mit dem Hinweis auf das Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter und interpersoneller Gewalt im Sport.
Der SC Zurstrasse 70 ist offiziell Mitglied im Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter und interpersoneller Gewalt im Sport.
Foto: Satur

Dabei würdigte sie das Engagement des Vereins: Der SC Zurstraße habe nicht nur ein außergewöhnliches Maß an Einsatz bei der Umsetzung eines Präventionskonzeptes gezeigt. „Er ist der erste Breckerfelder Sportverein, der sämtliche Kriterien erfüllt und sogar kreisweit erst der dritte oder vierte Verein, der in das Qualitätsbündnis aufgenommen wurde.“

Blick nach vorn

Mit der Aufnahme endet aber die Aufgabe nicht. Regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen werden künftig ein fester Bestandteil des Vereinslebens bleiben. Auch im Vereinsheim und in den Umkleidekabinen am Sportplatz Buddenkamp ist das Engagement gegen sexualisierte und interpersonelle Gewalt im Sport mittlerweile sichtbar: Es liegen Präventionsflyer mit Hilfsangeboten und -adressen aus, großformatige Plakate nennen die vereinsinternen Ansprechpersonen einschließlich Telefonnummer.

Flyer des Deutschen Fußballbundes informieren über Rechte und Grenzen im Sport, darunter Schutz vor Gewalt, Beleidigungen und Cybermobbing.
Im Vereinsheim liegen Flyer des Deutschen Fußballbundes aus, die Kinder und Jugendliche über Schutz und Sicherheit im Fußball beziehungsweise generell im Sport informieren.
Foto: Satur

„Wir möchten gerade Kindern und Jugendlichen vermitteln, dass wir auch abseits des Trainingsplatzes für sie da sind, falls sie sich mit einer Situation unwohl fühlen oder gefühlt haben — egal, ob hier im Verein, in der Schule, im Freundeskreis oder im häuslichen Umfeld“, betonte Astrid Kraning. 

Der SC Zurstrasse verstehe die Zertifizierung ohnehin nicht als Abschluss, sondern als dauerhafte Verpflichtung, erklärte Jens Richstein und machte deutlich: „Wir werden auch in Zukunft auf einen respektvollen Umgang und klare Regeln achten.“ Denn der Verein wolle nicht nur der wachsenden Kinder- und Jugendabteilung, sondern allen Mitgliedern ein Umfeld bieten, bei dem Sicherheit und gegenseitiges Vertrauen im Mittelpunkt stehe.