Hagen | Iserlohn. Die Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen (EJH), eine Tochtergesellschaft der Diakonie Mark-Ruhr, blickt im Jahr 2026 auf ihr 250-jähriges Bestehen zurück. Was 1776 als Waisenhaus begann, ist heute eine moderne Jugendhilfeorganisation mit vielfältigen Angeboten und Hilfeangeboten für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien.

Überregionale Nachrichten

Vom Waisenhaus zum "Komplexträger"

Vor fast 250 Jahren, am 12. Juli 1776, wurde die Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen als Waisenhaus gegründet. Heute ist sie als Tochtergesellschaft der Diakonie Mark-Ruhr ein Komplexträger im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Mit zirka 550 Beschäftigten ist die EJH in den unterschiedlichen Handlungsfeldern — Erziehungshilfe, offene Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit/Jugendberufshilfe, Schulsozialarbeit und offener Ganztag sowie Tageseinrichtungen für Kinder — tätig.

Ausstellung, Chronik, Tagungen und Mitmachaktionen

Ihr 250-jähriges Bestehen nimmt die EJH zum Anlass, ein ganzes Jahr lang Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Jugendhilfe sichtbar zu machen — gemeinsam mit der Stadtgesellschaft, Fachöffentlichkeit und vielen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern.

Geplant ist ein umfangreiches und vielfältiges Jubiläumsprogramm: Herzstück ist die Sonderausstellung „Vom Waisenhaus zur Jugendhilfe — 250 Jahre Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen“, die vom 16. Januar bis 14. Juni im Stadtmuseum Iserlohn gezeigt wird. Sie beleuchtet die Entstehung und Entwicklung der Einrichtung und ordnet diese in gesellschaftliche und fachliche Zusammenhänge ein. Prof. Dr. Holger Wendelin von der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe blickt flankierend dazu in einer wissenschaftlichen Chronik („250 Jahre Heimerziehung — Die Geschichte des evangelischen Waisenhauses Iserlohn“) auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Einrichtung.

Darüber hinaus sind für das Frühjahr und den Herbst 2026 insgesamt drei Fachtagungen geplant. Eine davon widmet sich im Herbst dem Thema „Sexualität, Schutz und Selbstbestimmung in der Jugendhilfe“. Ergänzt wird das Programm durch die dreiteilige Veranstaltungsreihe „Jugendhilfe im Dialog“, ein eigens entwickeltes Theaterstück zur „Neuen Autorität“, eine Podcast-Serie sowie einen Jubiläumssong.

Auch Mitmachen und Mitgestalten stehen im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres: Unter dem Motto „Erzähl mir (D)eine Geschichte — (M)ein Satz zur EJH“ teilen 250 Menschen ihre persönliche Verbindung zur Evangelischen Jugendhilfe. Zudem will die EJH mit der Aktion „250 Gute Taten“ ein Zeichen für soziales Engagement, Nachhaltigkeit und Solidarität setzen — getragen von Mitarbeitenden, Kooperationspartnern, befreundeten Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen.

Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind außerdem eigene Formate geplant, darunter Sommerfeste und kreative Freizeitangebote. Mitarbeitende und Ehemalige stehen bei einem Mitarbeitendenfest, einem Fußballturnier, einem Ehemaligentreffen sowie beim zentralen Abschlussgottesdienst Ende November 2026 im Fokus.

Alle Informationen, Termine und Hintergründe zum Jubiläumsjahr werden fortlaufend auf der Landingpage www.250jahre-ejh.de veröffentlicht. Die Festbroschüre zum 250-jährigen Bestehen der EJH finden Interessierte hier.

Verantwortung übernehmen — Vergangenheit aufarbeiten

Das Jubiläum nimmt die Evangelische Jugendhilfe auch zum Anlass, um „mit Demut in die Vergangenheit zu blicken und die eigene Geschichte kritisch zu reflektieren“, heißt es in einer Mitteilung der Diakonie Mark-Ruhr. Die EJH sei sich bewusst, dass es in der langen Geschichte der Einrichtung — wie auch in anderen Kontexten der Kinder- und Jugendhilfe — zu Leid, Gewalt und Übergriffen an Kindern und Jugendlichen gekommen sei. „Betroffenen Menschen zuzuhören, deren Leid anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen, ist für die EJH ein unverzichtbarer Teil ihrer Haltung“, so Reinhard Meng, Geschäftsführer der Evangelischen Jugendhilfe.

Transparenz und Sensibilität gegenüber Betroffenen und Prävention seien zentrale Grundlagen ihres heutigen Handelns: „Es ist ein 250-jähriges Lernen und Sich-Weiterentwickeln, manchmal auch ein Lernen aus dem Versagen von Strukturen und von Fehlern, die geschehen sind. Diese 250 Jahre mahnen und erinnern an die hohe Verantwortung, die insbesondere mit dem Schutz und der Fürsorge junger Menschen verbunden ist“, betont Matthias Börner, Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr.