Die Geschichte der Iserlohner Nadelindustrie steckt voller technischer Erfindungen, harter Arbeit und internationaler Handelsbeziehungen. Einen Einblick in diese wechselvolle Vergangenheit gibt eine öffentliche Führung durch das Nadelmuseum in der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf. Sie beginnt am Donnerstag, 3. September, um 14 Uhr.
Vom Draht zur fertigen Nadel
Dabei reicht der Blick weit zurück: Knochennadeln aus dem Römischen Reich, spätantike Schmucknadeln und frühmittelalterliche Messingnadeln zeigen, dass die Geschichte der Öhrnadel deutlich älter ist als die Iserlohner Nadelindustrie.
Ihren wirtschaftlichen Aufschwung nahm die Iserlohner Nadelproduktion im 18. Jahrhundert. Hunderte Arbeitsschritte und zahlreiche Heimarbeiter waren nötig, um aus einfachem Draht eine fertige Öhrnadel herzustellen. Auf den Messen in Leipzig und Frankfurt fanden die Produkte anschließend ihre Abnehmer. Werkzeuge der Nadler vermitteln im Museum einen Eindruck von der Präzision und dem handwerklichen Aufwand, den die Herstellung erforderte.
Im 19. Jahrhundert veränderte das Maschinenzeitalter die Produktion grundlegend. Dampfmaschinen beschleunigten die Arbeit, während die Nadelindustrie für einen großen Teil der Bevölkerung zum Broterwerb wurde. Fast die Hälfte der Iserlohner Bevölkerung arbeitete zeitweise in diesem Wirtschaftszweig – darunter viele Frauen und Kinder.
Zwischen Erfindergeist und sozialer Not
Die Nadelindustrie beeinflusste nicht nur die Stadtentwicklung, sondern auch das gesellschaftliche Leben. Katholische Nadler aus dem Rheinland brachten beispielsweise neben ihrem handwerklichen Können auch ihren Glauben nach Iserlohn.
Werkzeuge, Maschinen und Nadelprodukte erzählen im Museum von dieser Zeit. Moderne Medienstationen lassen zudem Erinnerungen von Nadelarbeiterinnen und Fabrikbesitzern lebendig werden. Die Geschichten handeln von technischem Erfindergeist und globalem Handel, aber ebenso von Kinderarbeit und sozialer Not, Arbeiterehre und Bürgerstolz.
Infos und Anmeldung
Die Führung dauert etwa eine Stunde. Die Teilnahme kostet vier Euro, Kinder unter zwölf Jahren nehmen kostenlos teil. Eine Anmeldung ist telefonisch unter 02371/217-1961 oder -1963 sowie per E-Mail an [email protected] erforderlich.
Hinweis: Das Nadelmuseum ist nicht in allen Bereichen vollständig rollstuhlgerecht. Die einzelnen Räume liegen auf unterschiedlichen Ebenen und sind jeweils über Treppen oder Stufen erreichbar. Weitere Informationen finden Interessierte im Internet unter www.museen-iserlohn.de.








