„Iserlohner Pilsener" ist wieder da: Das „Genießerherbe aus dem Grüner Tal" erlebt seine Wiedergeburt. Die ersten 1200 Liter sind bereits gebraut, und auch das erste Tasting im kleinen Kreis war erfolgreich.
Mit Herzblut und festem Willen
„Wir sind stolz wie Oskar, dass wir es bis hier geschafft haben“, sagt Daniel Engel. Der 41-jährige Marketing-Fachmann hat mit einigen Gleichgesinnten die Traditionsmarke „Iserlohner Pilsener" wieder zum Leben erweckt. Daniel Engel weiter: „Seit die Brauerei 2014 ihre Pforten schloss, ist uns dieser unverwechselbare Geschmack ein Stück weit verloren gegangen. Mit einer ordentlichen Portion Herzblut und dem festen Willen, haben wir in den letzten Monaten alles darangesetzt, das Unmögliche möglich zu machen." Und jetzt ist es soweit.
Patent 2025 gesichert
Für seine Idee konnte der 41-Jährige den Lebensmittelhändler und Letmather Werbegemeinschaftsvorsitzenden Paul Nowak sowie die Musiker Andy Schade und Michael Grimm begeistern. Engel hatte sich bereits im September 2025 das Patent gesichert. „Das war ausgelaufen. Ich hatte es schon seit März 2020 auf dem Schirm und den Termin vorgemerkt." Um Mitternacht hatte er sich das dann auslaufende Patent per Mausklick gesichert. Jetzt seien „die echte und leckere alte Rezeptur“ sowie die Markenrechte für „Iserlohner Pilsener“ wieder da, wo sie hingehören — „bei uns in unserer Waldstadt.“
Gebraut wird wieder im Grüner Tal
Rezept und Rechte sind das eine — gebraut werden musste ja auch noch. Dafür konnte er Devin Gerdes und Daniel Jürck von der Waldstadt-Braumanufaktur gewinnen. Die hatten zuvor die insolvente Waldstadtbrauerei übernommen. „Jetzt brauen wir wieder im Grüner Tal, nur etwa 300 Meter Luftlinie von der ehemaligen Brauerei entfernt“, freut sich der 41-Jährige.
Ende Juni hatte der Braumeister den ersten Sud angesetzt. Der erste Test in kleiner Runde war bereits erfolgreich. Jetzt folgt ein zweiter Testlauf in größerem, aber immer noch privatem Rahmen, bei dem bewusst auch alte Kenner, Mitarbeiter und Brauer kosten sollen. „Wir wollen ehrliche Kritik, damit wir mit einem möglichst guten und originalgetreuen Produkt an den Markt gehen können“, sagt Devin Gerdes.
Aufbau von unten
Daniel Engel ist sich bewusst: „Wir können mit den Großen nicht mithalten. Wir wollen es von unten her wieder aufbauen.“ Stolz ist er darauf, dass sie die „Marke Iserlohner Pilsener aus China wieder nach Hause geholt haben“. „Wir sind Sauerländer, nicht Süß-Sauerländer“, sagt der Marketing-Fachmann mit Blick auf die verschiedenen Wirrungen nach der Insolvenz der Iserlohner Brauerei. Seit 1901 war dort Bier gebraut worden.
Das ehemalige Gelände und die Immobilien der Iserlohner Brauerei im Grüner Tal wurden im Juli 2023 an einen neuen Eigentümer verkauft. Die ursprüngliche Privatbrauerei Iserlohn war bereits im Jahr 2014 nach einer Insolvenz abgewickelt und verkauft worden. In der Blütezeit der „Iserlohner“ wurden an der Grüner Talstraße mehrere Hunderttausend Liter Bier gebraut. Später wurden dort nur noch andere Biersorten im Auftrag abgefüllt. Die verschiedenen Geschäftsführer – angefangen von Alfons-Sebastian Meier über vor allem Gernot Bittrich sowie Peter Michaelis, Günter Enning und Michael Jochheim – hatten das Unternehmen zur Traditionsmarke aufgebaut.
Die Historie
Der Niedergang der Iserlohner Brauerei begann 2001. Ab 2002 wurde die Brauerei von Peter Michaelis geleitet. Die Umsätze waren zu dieser Zeit stark rückläufig. Die Eigentümer wechselten. 2003 beabsichtigte Brau & Brunnen unter dem Vorstand Michael Hollmann, das Iserlohner Werk zu schließen. Zuletzt wurden von den 85 Beschäftigten bei einer Kapazität von etwa 400.000 Hektoliter (hl) noch rund 163.000 hl der Marke Iserlohner abgefüllt. Besorgte Bürger betrieben die Internetseite „Rettet-Iserlohner.de" oder befestigten Aufkleber an ihren Autos mit dem Schriftzug „Rettet Iserlohner.de". Bei den Heimspielen der Iserlohn Roosters entrollten die Fans Transparente mit demselben Schriftzug. Der damalige Landrat Aloys Steppuhn führte einen Demonstrationszug zur Firmenzentrale von Brau & Brunnen nach Dortmund an.
Umbenennung „Privatbrauerei“
Geschäftsführer Peter Michaelis sowie der Iserlohner Unternehmer Gerd Heutelbeck als Hauptgesellschafter und dessen Finanzchef Christian Ilske übernahmen die Firma und benannten sie in Privatbrauerei Iserlohn GmbH um. 30 der bis dato 80 Arbeitsplätze entfielen zunächst, bevor die Belegschaft 2004 wieder auf 76 Mitarbeiter anwuchs. Die Geschäfte wurden von Michaelis und Ilske geführt. Jährlich verließen fast 450.000 hl die Brauerei. Ab 1. September 2008 wurde Christian Rolinck Geschäftsführer der Privatbrauerei Iserlohn. Er leitete zuvor die Privatbrauerei A. Rolinck im Münsterland und löste Michaelis sowie Ilske ab. Im Jahr 2009 lag der Ausstoß bei rund 540.000 hl, davon 130.000 hl der Marke Iserlohner.
Verkauf an Michael Hollmann
Am 29. Juli 2010 wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen rückwirkend zum 1. Januar 2010 an den ehemaligen Vorstandschef des Getränkekonzerns Brau & Brunnen, Michael Hollmann, verkauft wurde. Im Sommer 2012 kamen Gerüchte über Qualitätsprobleme auf, die später von der Brauerei bestätigt und auf „Rohstoff-Schwankungen“ zurückgeführt wurden. Am Standort Iserlohn wurden zuletzt (2012) 80.000 hl Iserlohner Flaschenbier, 20.000 hl Fassbier sowie 400.000 hl als Bier- Handelsmarke für Supermarktketten gebraut.
Insolvenzverfahren
Am 14. November 2013 beantragte das Unternehmen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung. Nach der vorläufigen Eigenverwaltung hat das zuständige Amtsgericht das Insolvenzverfahren am 1. Februar 2014 eröffnet und den bisherigen vorläufigen Sachwalter zum Insolvenzverwalter bestellt. Am 31. März 2014 wurde die Produktion eingestellt, nachdem ein Verkauf der Brauerei nicht zum Abschluss geführt werden konnte. Im November 2014 wurde bekannt, dass der chinesische Investor und Hauptgeldgeber Zhang Wu Xing die Brauerei in China zum Verkauf angeboten hat.
(Quelle der Historie: Wikipedia)
Premiere auf dem Brückenfest
Jetzt also die Wiedergeburt in bescheidenem Rahmen. „Iserlohner Pilsener ist für Iserlohn weit mehr als ein Getränk. Das ist ein sehr emotionales Thema“, sagt Daniel Engel.
Iserlohner Pilsener ist neben den Iserlohn Roosters für ihn der Werbeträger für die Waldstadt. Vertrieben werden soll der neue-alte Gerstensaft zunächst mal über den Lebensmittelhandel — „und zwar in Six-Packs. Kisten kommen später“, verrät der 41-Jährige. Wer sich aber schon einmal einen Geschmacks-Test gönnen will, der ist beim Letmather Brückenfest vom 4. bis 7. September an der richtigen Adresse. Dann wird „Iserlohner Pilsener“ an einem Bierstand ausgeschenkt.








