Eine Tour, die an die körperlichen Grenzen ging, die aber auch voller unvergesslicher, neuer Eindrücke war, unternahmen Nadja Kuhn aus Plettenberg und Verena Walter aus Iserlohn im vergangenen Dezember. Die beiden Extremsportlerinnen fuhren mit dem Mountainbike durch Kenia.
Nadja Kuhn ist in heimischen Sportlerkreisen bekannt dafür, dass sie immer wieder neue Herausforderungen sucht. Die 47-Jährige sammelte beim P-Weg-Marathon Stadtmeistertitel zuhauf auf nahezu allen Strecken mit dem Mountainbike, beim Laufen und in der Kombiwertung, absolvierte wiederholt die Triathlon-Langdistanz. Gerne radelt sie auch mal quer durch Deutschland oder von Wien nach Berlin.
Verena Walter (45) ist ehemalige Profi-Triathletin, bewältigte den legendären Iron Man auf Hawaii und ist ebenfalls vielfache Teilnehmerin beim P-Weg-Marathon in Plettenberg.
Zusammen begaben sich die beiden Sauerländerinnen im Dezember nach Kenia, um die Kenya Bike Odyssee unter die MTB-Räder zu nehmen. Die Tour wurde zum größten Abenteuer, dem sie sich bisher stellten.
Immer irgendwo im Nirgendwo
Die Kenya Bike Odyssee führt von der Hauptstadt Nairobi über gut 1.000 Kilometer bis Nanyuki. 1.000 Kilometer unbefestigte Straßen und Singletrails, hohe Berge, grüne Wälder, malerische Seen, zerklüftete, windgepeitschte Ebenen, roter Sand und riesige Flächen wilder Savanne. „Es gab unendlich viele landschaftlich beeindruckende Kilometer“, erzählt Nadja Kuhn im Gespräch mit LokalDirekt. Sie stellte aber auch schnell fest: „Die Route war sehr viel anspruchsvoller als erwartet und brachte mich schon mal an die Grenze.“ Aber genau dafür sei sie nach Afrika gereist. Sie genoss auch die mentale Herausforderung, sich ins in allen Belangen Unbekannte zu stürzen. „Wir waren 15 Tage lang immer irgendwo im Nirgendwo.“
Freundliche und entspannte Menschen
Für die körperlichen Strapazen wurden Nadja Kuhn und Verena Walter durch die vielfältigen Erlebnisse, Eindrücke und Begegnungen unterwegs mehr als entschädigt. „Wir haben freundliche und entspannte Menschen erlebt. Die Art und Weise des Lebens ist so weit weg von unserer Vorstellung, letztendlich doch so erstrebenswert. Dort herrscht eine Leichtigkeit und Einfachheit des Seins, die ich so noch nie erlebt habe“, schwärmt die Plettenbergerin. „Wir hatten zwar auch unschöne Begegnungen, aber meist sind wir auf große Gastfreundlichkeit gestoßen. Oftmals stellte sich uns natürlich die Frage, ob man mit dem eigenen Luxus in Form der Räder, Klamotten, Möglichkeit des Geldausgebens irgendwie negativ aufstößt, aber den Eindruck gab es eher selten.“
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Übernachtet wurde oft in den mitgeführten Zelten. Für die Sicherheit und den Schutz vor Wildtieren sorgten eigens engagierte Ranger. „Das Essen war einfach, aber immer frisch“, erzählt Nadja Kuhn. Eine etwas komfortablere Unterkunft fanden sie im Earth Camp in Eburu. Dort hat ein Japaner ein Camp mit kompletter Selbstversorgung aufgebaut, das sogar ein natürliches Spa in Form von Thermalquellen bietet.
Die letzten Tage der Kenya Bike Odyssey waren noch einmal eine spezielle körperliche und mentale Herausforderung für die beiden Bikerinnen. „Nicht nur die Strecke blieb anspruchsvoll, hinzu kamen entweder sehr heiße Gegenden oder auch immer wieder Regen, der das Fahren erschwerte, weil sich die Wege direkt in üble Matschfelder verwandelten.“
Sonnenaufgang auf dem Mount Kenya
Nach 15 Tagen hatten Nadja Kuhn und Verena Walter 1.050 Kilometer und 12.500 Höhenmeter mit dem Bike zurückgelegt. Die nächste Herausforderung folgte auf dem Fuß: Sie hatten sich die Besteigung des Lenana Peak im Mount-Kenya-Massiv vorgenommen. Die fünftägige Treckingtour brachte sie erneut an die eigenen Grenzen. Kälte, Regen und die Höhe - es ging von 3.000 bis hinauf auf 4.985 Meter - verlangten dem Körper einiges ab. „Das war Ausnahmezustand. Wir haben extra Medikamente gegen die Höhenkrankheit genommen“, so Nadja Kuhn. Der Sonnenaufgang oben auf dem Lenana Peak entschädigte jedoch für die Strapazen. „Das war spektakulär!“, schwärmt Nadja Kuhn. „Ein Erlebnis für die Ewigkeit!“










