Rund 60 Unternehmensvertreter folgten am Dienstag der Einladung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) zum Wirtschaftsgespräch im Plettenberger Ratssaal. Im Mittelpunkt standen die Lage der heimischen Unternehmen, die angespannte Finanzsituation der Stadt und die Frage, wie Verwaltung und Wirtschaft auf die aktuellen Herausforderungen reagieren können.
Erstmals begrüßte Lutz Güde als Mitglied der SIHK-Vollversammlung die Teilnehmer. „Heute stehen die heimischen Unternehmer im Mittelpunkt“, sagte Güde. Viele, wenn auch nicht mehr alle, führten Familienunternehmen. „Sie haben kein volles Konto, sondern eine große Verantwortung geerbt.“ Güde warb für einen offenen Austausch.
Hammecke: Nachfrage nach Edelstahl sinkt – Pflegebedarf wächst
Wie unterschiedlich sich wirtschaftliche Entwicklungen innerhalb einer Unternehmensgruppe auswirken können, schilderte Julian Hammecke. Unter dem Titel „Blick in die örtliche Wirtschaft“ stellte er Hammecke Edelstahl und das Pflegeteam Herzwerk vor.
Der Edelstahlhandel wurde 2013 von seinem Vater Elmar Hammecke gegründet. 2021 kam mit dem Pflegedienst Herzwerk ein zweites Standbein hinzu. Nach Angaben von Julian Hammecke ist der Bedarf an Edelstahl unter anderem durch die wachsende E-Mobilität und die sinkende Zahl der in Deutschland produzierten Autos um 36 Prozent zurückgegangen.
Ganz anders entwickelt sich der Pflegebereich. Rund 100 Mitarbeiter sind inzwischen beim Pflegeteam Herzwerk beschäftigt. Hammecke verwies auf Zahlen zur Entwicklung der Pflegebedürftigkeit im Märkischen Kreis. Herzwerk betreibt neben dem ambulanten Pflegedienst zwei Wohngemeinschaften sowie eine Service-Wohnen-Einrichtung in Werdohl.
Ab 2028 soll das „H7 Generationenquartier“ in Herscheid hinzukommen, das gemeinsam mit dem Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen (GWU) Plettenberg realisiert wird. Dort sind unter anderem zwölf Appartements für Pflegewohngruppen und eine Tagespflegeeinrichtung vorgesehen.
„Die beiden grundsätzlich unterschiedlichen Unternehmen verbindet unser Ansatz, passende Lösungen für die Region zu schaffen“, erklärte Hammecke.
Aus dem Kreis der Teilnehmer kam die Frage auf, warum ein vergleichbares Projekt bislang nicht in Plettenberg geplant sei. „Wir suchen ein passendes Grundstück in Plettenberg“, sagte Hammecke. Derzeit stünden einem solchen Vorhaben allerdings die hohen Baukosten entgegen.
Stefan Zimmermann, Aufsichtsratsvorsitzender des GWU, erinnerte daran, dass die Entscheidung für das H7-Projekt in Herscheid bereits vor etwa sechs Jahren gefallen sei. „Und damals hat sich Herscheid in jeder Beziehung engagierter dafür eingesetzt als Plettenberg“, sagte Zimmermann.
Einen weiteren wirtschaftlichen Schwerpunkt setzte Nina Felek von der SIHK. Sie informierte die Unternehmensvertreter in einem Impulsvortrag über Fördermöglichkeiten für Betriebe.
Stadtkämmerer: Haushaltsplanung für 2027 derzeit nicht möglich
Deutlich angespannter fiel der Blick auf die städtischen Finanzen aus. Stadtkämmerer Jannik Brinkmann berichtete von wachsenden Fehlbeträgen. „Die Fehlbeträge steigen auf mehr als 20 Millionen Euro“, sagte er. Die von Bund und Land geschaffenen Instrumente zur Abmilderung der kommunalen Verschuldung hält Brinkmann für ungeeignet.
Kritisch äußerte er sich insbesondere zum Verlustvortrag. Die Verluste würden gegen das Eigenkapital gerechnet, das dadurch zunehmend aufgezehrt werde.
Als Kernproblem bezeichnete Brinkmann die Entwicklung der kommunalen Ausgaben: Die Kosten für soziale Leistungen stiegen, während gleichzeitig die Sachinvestitionen zurückgingen. „Es wurden Standards geschaffen, die nicht mehr finanzierbar sind, und die Kommunen bleiben auf den Kosten sitzen“, sagte der Kämmerer. Eine Haushaltsplanung für das Jahr 2027 sei unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht möglich.
Stadtverwaltung soll schlanker und effizienter werden
Parallel zur schwierigen Finanzlage soll die Plettenberger Stadtverwaltung organisatorisch neu aufgestellt werden. Nach Angaben Brinkmanns werden die bisher vier Fachbereiche auf drei reduziert. Ziel sei eine schlankere und wirksamere Verwaltungsstruktur.
Bürgermeister Ralf Beßler versicherte den anwesenden Unternehmensvertretern, dass die Verwaltung daran arbeite, Abläufe schneller und effizienter zu gestalten.
Als Beispiel für bürokratische Hürden nannte Beßler die ursprünglich für den 21. November geplante Spendengala. Diese müsse abgesagt werden. „Es gibt zu viele Regularien. Wir müssen erst einen Verein gründen, um Spenden entgegennehmen zu können“, sagte der Bürgermeister. Aufgegeben sei das Vorhaben allerdings nicht: Die Spendengala soll nach seinen Angaben 2027 stattfinden.










