Melita Alzorba, Kay-Jörg Kawi und Zdenka Schwabbauer sind die Köpfe hinter der neuen Unabhängigen Wählergemeinschaft "Wir machen Lüdenscheid". Am Donnerstag, 7. Mai, präsentierte das Team der neuen politischen Gruppierung in der Bergstadt ihr Programm und ihre Ziele – und sparte dabei auch nicht an Kritik an den im Rat vertretenen Fraktionen.

„Ich persönlich erkenne gar nicht mehr, dass das, was vor der Wahl versprochen wurde, auch umgesetzt wird“, sagte Alzorba. Sie spielte auf zahlreiche im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU beschlossenen Ausgaben, allen voran den Kauf des P&C-Gebäudes, aber auch die neu geschaffenen Fraktionsgeschäftsführerposten sowie das neue Parkleitsystem an.

Lüdenscheid nach vorne bringen

Bei der Kommunalwahl 2025 ist Alzorba noch mit Unterstützung der CDU im Bürgermeisterwahlkampf angetreten. Auch ihre jetzigen Vorstandskollegen wie das damalige CDU-Mitglied Kawi lernte sie in diesem Zeitraum kennen. Jedoch waren die Schwerpunkte am Ende offensichtlich zu unterschiedlich. „Unser Auftrag ist nicht, Landes- oder Bundesthemen nach unten durchzureichen, sondern Lüdenscheid nach vorne zu bringen“, machte Alzorba den neuen Kurs deutlich.

Dazu hat sich die neue Wählervereinigung fünf Themenschwerpunkte überlegt: Stadtentwicklung; Kinder, Jugend und Bildungsmöglichkeiten; Sicherheit und Ordnung; Wirtschaft sowie Senioren. Zu allen fünf Punkten gab Kawi einige kurze Einblicke. Er sprach unter anderem das Tumo-Center an. Laut ihm ein"echter Gamechanger" für Lüdenscheid – sehr zur Freude von Tumo-Chefin Heike Müller-Bärwolf im Publikum.

Zudem rechnete er vor, dass in fünf Jahren das Durchschnittsalter in Lüdenscheid bei über 50 Jahren liegen wird und die Einwohnerzahl von aktuell 71.000 Leuten weiter schrumpfen wird. "Unsere Stadt wird älter", schlussfolgerte er. Daher brauche es mehr und passendere Angebote für Senioren. Mit Petra Radoux gibt es im Vorstand eine Beisiterin, die den Fokus auf Senioren legt.

Ähnliche Themen wie zur Kommunalwahl

Mit Blick auf die Themen der Kommunalwahl sagte Alzorba: „Es wiederholt sich, das ist mir klar.“ Sie bleibe ihren Themen, die sie schon in der Bürgermeisterwahl angesprochen hat, treu. Mit diesen holte sie in der Stichwahl 49,57 Prozent der Wählerstimmen, lediglich 173 Stimmen trennten sie vom Amtsinhaber Wagemeyer.

Zdenka Schwabbauer erklärte, die Themen sollen vor allem von den Lüdenscheidern selbst kommen. „Wir haben unsere Scheuklappen schon geöffnet“, stellte sie die Themenoffenheit bildlich dar.

Nach der rund halbstündigen Vorstellung des Vereins ging es in einen offenen Bürgerdialog über – Kay-Jörg Kawi und Melita Alzorba beantworteten mehr als eine Stunde lang die Fragen der anwesenden Bürger. Das Interesse an der Unabhängigen Wählergemeinschaft war groß, im Saal der Gaststätte Dahlmann mussten kurz vor Beginn der Veranstaltung noch zusätzliche Stühle hinzugestellt werden.

2030 Einzug in den Rat geplant

Nach der Fragerunde warb der Vorstand um Unterstützter – als Spender, als Ideengeber, aber auch für aktive Mitglieder. Auch wenn man sich in den kommenden Jahren auf die "außerparlamentarische Opposition" beschränken muss: Bei der Kommunalwahl 2030 möchte "Wir machen Lüdenscheid" in den Rat einziehen. "Unser Ziel es, dort mitspielen zu dürfen", hatte Schwabbauer im Rahmen der Veranstaltung gesagt. Im Gespräch mit LokalDirekt nach der Veranstaltung machten alle drei diese Ambitionen noch einmal deutlicher.

Zudem sprach LokalDirekt auch mit Christoph Weiland. Der Vorsitzende der Lüdenscheider CDU war, anders als Mitglieder der Lüdenscheider SPD- und AfD-Fraktion, der CDU oder der Kreis-UWG, nicht zu Gast bei der Veranstaltung. Telefonisch erklärte er am Folgetag: "Ich glaube, dass sie viel für die Demokratie erreicht hat. Natürlich sind wir im Gespräch gewesen und sind weiterhin im Gespräch."

"Ganz tolle Initiative"

Steffen Wieland, der Vorsitzende der UWG-Fraktion auf Kreisebene, war ebenfalls anwesend. "Ich finde es eine ganz tolle Initiative, die sich da gebildet hat", erklärte er. Ein Teil der Kreis-UWG ist "Wir machen Lüdenscheid" jedoch nicht, teilt der UWG-Kreisvorsitzende Klaus-Dieter Frick auf Anfrage von LokalDirekt mit. "Das Angebot steht, die düfen sich gerne bei mir melden", brachte auch er seine Unterstützung zum Ausdruck.

In den kommenden Wochen und Monaten sollen weitere Veranstaltungen, unter anderem die Teilnahme an Stadtteilkonferenzen, folgen. Alle Informationen rund um den Verein gibt es auf der Website.