Die dringend empfohlenen Modernisierungen der Plettenberger Feuerwehrhäuser sind ein politischer Streitpunkt. Im Ausschuss für Sicherheit, Verkehr und Ordnung stand am Donnerstag die sogenannte „Vorhabenpriorisierung“ auf der Tagesordnung. Dabei übte Wehrleiter Markus Bauckhage deutliche Kritik an Rat und Verwaltung.

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Bauckhage warf der Stadt vor, die baulichen Probleme der Feuerwehrhäuser jahrelang vernachlässigt zu haben. Die Zustände seien seit langem bekannt, passiert sei jedoch zu wenig. Hintergrund ist der Brandschutzbedarfsplan, der bereits seit Jahren erheblichen Handlungsbedarf an mehreren Standorten sieht. Besonders kritisch bewertet die Feuerwehr fehlende Hygienestandards, Platzprobleme und bauliche Mängel an den Gerätehäusern.

Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel zeigte Verständnis für die Kritik des Wehrleiters. Angesichts der angespannten Haushaltslage müsse die Stadt jedoch priorisieren, damit zumindest die dringendsten Maßnahmen kurzfristig umgesetzt werden könnten.

Auch aus der Politik kamen kritische Töne. Peter Krieger (CDU) machte deutlich, dass die Stadt finanziell nicht alle Projekte gleichzeitig stemmen könne. Gleichzeitig kritisierte er scharf, dass kein Vertreter des Bauamtes an der Sitzung teilnahm. „Wir reden über Baumaßnahmen. Dazu gehört das Bauamt“, rügte Krieger.

Peter Schweighöfer, sachkundiger Bürger im Ausschuss, zeigte sich nach den Ausführungen des Wehrleiters alarmiert. „Das macht mir als Bürger Angst, wenn ich höre, unter welchen Umständen die Feuerwehr arbeiten muss“, betonte er.

Katharina Rittinghaus (Grüne) brachte eine mögliche Zusammenlegung der Löschgruppen Selscheid und Kleinhammer ins Gespräch. Denkbar sei eine interkommunale Lösung gemeinsam mit der Stadt Werdohl, um die Kosten für ein neues Feuerwehrhaus zu teilen. Vertreter der Feuerwehr wiesen diesen Vorschlag jedoch sowohl aus fachlicher Sicht als auch wegen der Kosten zurück.

SPD-Politiker Uwe Boese forderte unterdessen schnelle Verbesserungen an der Feuer- und Rettungswache. Besonders die seit Jahren genutzten Container seien kein Dauerzustand mehr. „Die Container müssen weg“, forderte Boese.

Vier Männer stehen vor Containern mit Rolltoren an einer Feuerwache und diskutieren. Im Hintergrund ein Gebäude mit Fenstern.
Die als Übergangslösung gedachten Container an der Feuer- und Rettungswache stehen inzwischen seit mehr als fünf Jahren dort.
Foto: Schlütter

Die Diskussion machte deutlich, wie groß der Investitionsstau bei der Plettenberger Feuerwehr inzwischen ist. Laut Feuerwehrführung geht es dabei längst nicht mehr nur um Komfort, sondern um Arbeits- und Gesundheitsschutz der Einsatzkräfte sowie um die langfristige Sicherstellung des Brandschutzes in der Stadt.

Der Ausschuss verwies die Priorisierung zur weiteren Beratung und Beschlussfassung an den in Haushaltsangelegenheiten zuständigen Rat.

Provisorien, Platzmangel, Sanierungsstau: Feuerwehr schlägt Alarm

In seiner Stellungnahme vor dem Ausschuss äußerte Wehrleiter Markus Bauckhage scharfe Kritik an der langjährigen Untätigkeit von Rat und Verwaltung hinsichtlich der baulichen Zustände der Feuerwehrhäuser.

Die wesentlichen Kernpunkte seiner Stellungnahme lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Versäumnis gesetzlicher Pflichten: Bauckhage wirft der Stadt vor, seit Jahren ihren gesetzlichen Pflichten als Arbeitgeber im Bereich Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und Unfallverhütung nicht nachzukommen. Er betont, dass der Brandschutz eine verpflichtende „Pflichtaufgabe zur Erfüllung nach Weisung“ und kein „Wunschkonzert“ sei. Das Argument knapper Kassen dürfe hierbei nicht gelten.

Kritik an Verschleppung: Obwohl der Handlungsbedarf bereits im Brandschutzbedarfsplan 2018 und durch diverse Gutachten festgestellt wurde, sei außer dem Neubau in Ohle kaum etwas passiert. Er äußert Unverständnis darüber, dass bereits beschlossene Prioritäten immer wieder neu diskutiert werden.

Mangelhafte Infrastruktur als Hindernis: Er weist auf konkrete Missstände hin, wie die mehr als fünfjährige Nutzung von provisorischen Containern an der Hauptwache, das Fehlen von Umkleiden und Geschlechtertrennung in Selscheid sowie den baufälligen Zustand in Holthausen. Diese Zustände erschweren die Anwerbung von neuem Personal und bringen die Jugendfeuerwehr an ihre räumlichen Grenzen.

Fehlende Wertschätzung: Bauckhage zieht einen Vergleich zu hohen Investitionen in Schulen und Kindergärten und stellt fest, dass die Feuerwehr dabei aus den Augen verloren wurde. Er sieht darin einen Mangel an Wertschätzung gegenüber den Einsatzkräften, die für die Bürger ihr Leben riskieren.

Dringender Appell: Er warnt davor, dass Personal zur modernen Wache nach Lüdenscheid abwandern könnte, wenn nicht umgehend investiert wird. Die Feuerwehr sei über die aktuelle Situation „sehr unglücklich“. Er rät dem Ausschuss daher dringend, die baulichen Versäumnisse nun zügig und umfangreich nachzuholen.