Die dunklen Wolken am Horizont des Arbeitsmarktes ließen sich trotz des Bilderbuchwetters, das am Freitag die traditionelle Mai-Kundgebung auf dem Lüdenscheider Rathausplatz begleitete, nicht vertreiben. Zu ernst ist die Lage für viele Arbeitnehmer im Märkischen Kreis und, diese Warnung sprachen alle drei Redner aus, auch für die Demokratie im Land.
Entsprechend groß war die Anteilnahme der Bevölkerung an der Maikundgebung. Das machte schon der lange Demonstrationszug deutlich, der mit den Grußworten des Geschäftsführers der DGB Region Ruhr-Mark, Stefan Marx, um 11 Uhr am Kreishaus auf den Weg in die Innenstadt geschickt wurde. Hunderte von Gewerkschaftlern und Arbeitnehmern zogen mit Transparenten, Fahnen und Plakaten, lautstark unterstützt durch Trillerpfeifen und Pauken, begleitet von Fahnenschwenkern, und eskortiert von der Polizei durch die Straßen und demonstrierten auf diese Weise Zusammenhalt und die Entschlossenheit, um ihre Rechte zu kämpfen. Am Rathausplatz, dem Ziel des Umzuges, erwartete die Teilnehmer eine kleine Budenstadt mit Imbiss-, Getränke- und Infoständen, Unterhaltungsprogramm für die Kinder und einer Rednerbühne, vor der sich die Menschen dicht an dicht drängten.
Demokratie ist nicht selbstverständlich
DGB-Kreisvorsitzender Manuel Bunge-Altenberg begrüßte in seiner Eröffnungsrede neben seinem Vorgänger Bernd Schildknecht Lüdenscheids Alt-Bürgermeister Dieter Dzewas, Halvers Bürgermeister Armin Kibbert und dessen Vorgänger Michael Brosch, die ehemalige Bundestagsabgeordnete Petra Crone und den Landtagsabgeordneten Gordan Dudas. Der DGB-Kreisvorsitzende mahnte in seiner Ansprache, dass es nicht selbstverständlich sei, in einer demokratischen Gesellschaft zu leben, die es erlaube, einen solchen Demonstrationszug durchzuführen. Energisch betonte er: „Den 1. Mai als Feiertag lassen wir uns nicht nehmen.“
Bürgermeister Sebastian Wagemeyer sprach die Bedrohung der Demokratie in unserem Land an. Er forderte mehr Unterstützung für die Kommunen. Könne die Stadt nicht das leisten, was die Bürger erwarten, schwände am Ende das Vertrauen. Und das öffne den Weg für diejenigen, die mit einfachen Parolen lockten.
Ferber: Der Acht-Stunden-Tag ist nicht verhandelbar
Kämpferisch zeigte sich Hauptredner Fabian Ferber. Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall im Märkischen Kreis warnte vor einem Abbau des Sozialstaates und versicherte: „Wir werden uns dagegen wehren. Wir lassen uns unser Grundrecht auf Tarifautonomie und Tarifverträge, einen guten Arbeitslohn (…) nicht nehmen.“ Der Acht-Stunden-Tag sei nicht verhandelbar. Eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes sei nicht notwendig. Das sei schon jetzt flexibel genug, verwies er auf Sonderschichten und Schichtdienste, die die Arbeitnehmer leisteten. Die gesetzliche Rente dürfe nicht auf eine Basisrente reduziert werden, kritisierte der 1. Bevollmächtigte. Die „Demografie-Bombe“ betrachtet er als vorgeschoben. Es gelte, zehn bis 15 Jahre zu überbrücken. Die Rente sei sicher. Auch die Absichten im Gesundheitsbereich zu sparen, kritisierte er und bezeichnete die Abschaffungsabsicht der Mitversicherung von Ehepartnern als „Schweinerei“. Soziale Leistungen seien nötig und möglich. „Wir leben immer noch in einem reichen Land." Kritik übte Fabian Ferber an unternehmerischen Fehlentscheidungen und staatlichem Versagen. Die Verlegung von Arbeitsplätzen ins Ausland dürfe nicht subventioniert werden.
Zum Schluss gab es noch einen besonderen Aufreger. Der 1. Bevollmächtigte holte Olaf Loock auf die Bühne. Der Iserlohner ist Mitinitiator der geplanten Betriebsratsgründung der Firma „Scheu Dental“ und hat im Zuge dieser Initiative nach vorausgegangener Freistellung am Donnerstag nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit seine Kündigung erhalten. Für Ferber ein Skandal und klarer Versuch, die rund 200 Arbeitnehmer der Niederlassung unter Druck zu setzen.









