Der Caritasverband Altena-Lüdenscheid hat das 20-jährige Bestehen seines Angebots „Arbeitsgelegenheiten (AGH) für langzeitarbeitslose Menschen“ gefeiert. Bei einer Veranstaltung am Dienstag, 5. Mai, kamen Vertreter der Caritas, Kooperationspartner sowie ehemalige Teilnehmende zusammen, um auf zwei Jahrzehnte Integrationsarbeit zurückzublicken.
Instrument zur Wiedereingliederung
Arbeitsgelegenheiten gelten als wichtiges Instrument, um Menschen nach längerer Arbeitslosigkeit wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Der Caritasverband bietet derzeit zwölf Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichen Bereichen an. Dazu zählen hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Garten- und Landschaftsbau, das Upcycling-Projekt „Einzigware“ sowie der Stromspar-Check.
Neben einer festen Tagesstruktur steht bei den AGH vor allem die individuelle Begleitung im Mittelpunkt. Ziel ist es, gemeinsam mit den Teilnehmenden neue berufliche Perspektiven zu entwickeln und ihre persönlichen Kompetenzen zu stärken.
Mehr als 500 Teilnehmende begleitet
Stefan Hesse, Direktor des Caritasverbandes für das Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid, ist davon überzeugt, dass die AGH genau deshalb so erfolgreich sind: „In den vergangenen 20 Jahren haben wir in unserem Verband rund 520 individuelle Wege begleitet — jede dieser Geschichten steht für einen Menschen, der zunächst oft von großen Selbstzweifeln geprägt war und durch eine Arbeitsgelegenheit wieder Wertschätzung erfahren durfte.“
Die Maßnahmen wirkten dabei oft über die berufliche Integration hinaus: Es sei beeindruckend zu sehen, wie viele ihre eigenen Fähigkeiten wieder neu entdecken, persönliche Stärken entwickeln und dadurch nicht nur berufliche Anschlussfähigkeit gewinnen, sondern auch ihre persönliche Entwicklung voranbringen. „Dabei wirkt die AGH weit über den Einzelnen hinaus: Sie stabilisiert Familiensysteme, eröffnet neue Perspektiven und hilft, Würde und Sinn im eigenen Tun wiederzufinden“, so Hesse weiter.
Beispiel für gelungene Integration
Wie nachhaltig die Unterstützung wirken kann, zeigt das Beispiel von Jürgen Krauß, einem heutigen Mitarbeiter des Verbandes. Vor 14 Jahren begann er selbst als Teilnehmer einer Arbeitsgelegenheit bei der Caritas. Nach einer beruflichen und privaten Krise war er in die Langzeitarbeitslosigkeit geraten. „Ich bin in ein tiefes Loch gefallen“, erinnert er sich.
Im Rahmen der AGH konnte er seine organisatorischen Fähigkeiten einbringen und beim Aufbau eines Projekts mitwirken. Rückblickend bewertet er diese Chance als entscheidend: „Das war eine sehr bodenständige Arbeit, aber ich konnte meine Stärken sinnvoll einsetzen.“
Heute ist er fest angestellt und leitet selbst Teilnehmende an. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie wichtig es ist, sich mit seinen Fähigkeiten einbringen zu können und dafür Anerkennung zu bekommen. „Das hast Du gut gemacht — dieser Satz klingt so profan, aber er ist so wichtig“, sagt Krauß.
Bedeutung von Betreuung und Beratung
„Arbeitsgelegenheiten dienen dazu, Struktur und Stabilität im Alltag wiederzuerlangen“, betont auch Stefanie Siebelhoff, Direktorin des Caritasverbandes für das Bistum Essen. „Sie entfalten ihren Wert dort, wo sie gezielt ausgebaut und als Chance genutzt werden, Menschen nach langer Arbeitslosigkeit wieder Perspektiven zu eröffnen.“ Entscheidend sei dabei eine verlässliche und fachlich fundierte Begleitung, damit die Teilnehmenden Schritt für Schritt neues Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln können.
Ausbau der Angebote geplant
Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre spiegelt sich auch in der geplanten Erweiterung wider: Die derzeit zwölf AGH-Plätze sollen in naher Zukunft um sieben weitere aufgestockt werden. Für Stefan Hesse ist das eine Bestätigung des Ansatzes: „Wir stellen den Menschen mit seinen individuellen Fähigkeiten in den Mittelpunkt — das macht den Erfolg unserer Arbeit aus.“









