Eigentlich wollte Bürgermeister Olaf Stelse mit einem neuen Tagesordnungspunkt zur Verkehrssituation in der Stadt eine gute Nachricht verkünden. Denn den Antrag auf eine Tempo-30-Zone in Kierspe Dorf auf der Friedrich-Ebert-Straße zwischen Volksbankfiliale und der Gaststätte Zur Post (also dem engen, schulrelevanten Teilstück) hat der Kreis genehmigt – zumindest für die Dauer der A45-Sperrung.
Obwohl damit zunächst einhellig eine positive Nachricht verbucht wurde und sogar applaudiert wurde, kam es im weiteren Verlauf der Ratssitzung dennoch zu hitzigen Diskussionen.
Dass der Verkehr seit der Sperrung der A45 und auch im Zuge des Lkw-Durchfahrtsverbots in Lüdenscheid „noch unerträglicher“ geworden ist, ist jedem Ratsmitglied bewusst. Dass Straßen.NRW demnächst die Volmebrücke auf der B237 nach Überprüfung sanieren muss und deshalb die Straßenführung einspurig wird, verschärft das Ganze dramatisch. Dies stellten auch einige Ratsmitglieder fest.
Clemens Wieland (UWG) etwa meinte, dass dies „zwar ein schöner Erfolg“ sei, hielt aber den Beginn der 30-Zone für zu spät. Seiner Ansicht nach müsse dieser schon am Ortsschild an der Kuppe Hedberg beginnen, weil gerade dort viele Lkw mit hohem Tempo in die Stadt kämen. Dies wiederum sei gefährlich und unzumutbar für alle Bürger dort. Daher solle eine Tempo-30-Zone direkt dort beginnen.
Doch Stelse lenkte gleich ein, dass er wenig Chancen auf Erfolg sehe. Da die neue 30er-Zone nur zustande gekommen sei, weil sie im Bereich einer Schule und Kita läge.
Den Flickenteppich aus unterschiedlichen Tempo-Zonen (der nun vorliegende Wechsel zwischen 30 und 50) wurde von Detlef Jungmann (Bündnis 90/Die Grünen) bemängelt. Auch ihm sei der Beginn der Tempo-30-Zone „deutlich zu spät“. Er sprach sich dafür aus, durchgängig von der Hedberg-Kuppe bis zur Gesamtschule Tempo 30 einzuführen.
Auch Oliver Busch (SPD) zeigte sich nach anfänglicher Euphorie enttäuscht. Diese Lösung sei „keine richtige Hilfe und reißt mich nicht vom Hocker“. Clemens Wieland wies noch einmal darauf hin, dass die Themen „Feinstaubbelastung“ und „Lärmbelästigung“ gar nicht berücksichtigt seien. „Es sollten doch Messungen bezüglich Feinstaub und Lärm gemacht werden“, stellte er fest. Wären diese durchgeführt worden, „hätte man heute bereits ab Hedberg Tempo 30“, lautete seine Vermutung. Er forderte, den Druck auf den Kreis zu erhöhen.
Steffen Wieland (UWG) stellte die Möglichkeit in Frage, dauerhaft einen Blitzer zu installieren oder zumindest regelmäßige Kontrollen durchzuführen. Der Bürgermeister wies erneut darauf hin, dass ein Durchsetzung schwierig sein werde. Es solle eine weitere Zählung geben, nach deren Auswertung eventuell nachjustiert werden könne.
Bereits der geforderte Rot-Blitzer an der Fußgängerampel im Dorf wurde vom Kreis mit der Begründung abgelehnt, es handle sich um eine Bedarfsampel. Doch auch hier wolle man die Rot-Verstöße noch einmal prüfen, versprach Stelse. Allerdings rechne die Polizei durch die Einführung von Tempo 30 mit einer deutlichen Verringerung.
Fazit der Diskussion und der Abstimmung: Die Stadt Kierspe soll nun deutlich ein Durchfahrtsverbot für Lkw fordern.










