Die Sorge um Energiepreise, Rohstoffe und Investitionen wächst. Beim SIHK-Konjunkturgespräch in Hagen forderten Unternehmer schnellere Reformen und mehr Verlässlichkeit für den Wirtschaftsstandort.

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Die wirtschaftliche Stimmung in Südwestfalen hat sich weiter verschlechtert. Beim Konjunkturgespräch der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) in Hagen machten Unternehmer und Kammervertreter am Dienstag, 12. Mai, deutlich, dass viele Betriebe inzwischen an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Besonders steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie politische Unsicherheit bremsen die Erwartungen der Unternehmen aus. Grundlage der Diskussion war die aktuelle SIHK-Konjunkturumfrage unter 419 Unternehmen mit rund 35.000 Beschäftigten.

Geschäftsklima weiter im Sinkflug

Der SIHK-Geschäftsklimaindex fiel von 91 auf 85 Punkte. Nur noch 13 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden Monaten mit besseren Geschäften. Dagegen erwarten 27 Prozent eine Verschlechterung der Lage. SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat sprach von einer „langjährigen Wachstumsschwäche“, die viele Betriebe in Alarmbereitschaft versetze. „Das aus Sicht der Unternehmen mangelhafte Reformtempo der Bundesregierung sorgt vielerorts für Frustration. Jedes fünfte Industrieunternehmen zieht Standort- und Teilverlagerungen konkret in Erwägung. Dies zeigt: Die Bundesregierung darf keine Zeit mehr verlieren, Maßnahmen zur Rettung des Wirtschaftsstandorts einzuleiten“, sagte Geruschkat. Besonders kritisch sehen die Unternehmen ausufernde Bürokratie, hohe Unternehmenssteuern und die Energiepolitik.

Rohstoffe werden zum strategischen Risiko

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die stark schwankenden Energie- und Rohstoffpreise. 78 Prozent der Unternehmen sehen darin inzwischen das größte Risiko für ihre weitere Entwicklung. Auch die Sorge um die Rohstoffversorgung wächst deutlich. Während 2020 nur neun Prozent der Betriebe darin ein Risiko sahen, liegt der Wert inzwischen bei 30 Prozent.

Tim Vogler, Geschäftsführer des gleichnamigen Lüdenscheider Industrieunternehmens, beschrieb die Folgen geopolitischer Krisen für die Unternehmen als längst alltäglich. Unsichere Handelswege, Kriege und schwankende Verfügbarkeiten wirkten sich direkt auf Produktion, Einkauf und Liefertermine aus. Dies führe zu massivem Druck bei der Preisgestaltung.

Forderung nach klaren Reformen

Die Unternehmen fordern vor allem mehr Planungssicherheit und weniger Regulierung. Die Unternehmen kritisierten langwierige Genehmigungsverfahren, hohe Energiekosten und erschwerte Finanzierungen. Laut SIHK berichten inzwischen 16 Prozent der Unternehmen von Problemen bei der Kreditvergabe, weil Banken höhere Sicherheiten verlangen.

„Die Unsicherheit ist inzwischen der größte Risikofaktor. Wir sehen zwar politische Ankündigungen wie den Bau-Turbo, Infrastrukturprogramme und Investitionsfonds, aber vor Ort kommt davon wenig Verlässliches an. Gleichzeitig verteuern Energie-, Rohstoff- und Transportkosten jedes Bauvorhaben und betriebliche sowie private Investoren halten ihr Geld zusammen. Wer bauen, modernisieren oder Standorte sichern soll, braucht bezahlbare Kosten sowie das Gefühl von Stabilität und Sicherheit”, erklärte Lucas Gebler, Geschäftsführer von Gebler Immobilien in Hagen.

Auch die Kreislaufwirtschaft spielte beim Konjunkturgespräch eine wichtige Rolle. Gustav Henrik Edelhoff von der Lobbe Holding forderte schnellere Genehmigungen, feste Quoten für Recyclingrohstoffe und die Einbeziehung der Branche in den Industriestrompreis.

Alle Ergebnisse und den ausführlichen Konjunkturbericht gibt es online unter 
sihk.de/konjunktur.