Interview.

Das Sprachcafé in Halver wurde am 21. April mit dem Integrationspreis des Märkischen Kreises ausgezeichnet. Gewürdigt wurde damit das Engagement der Ehrenamtlichen, die den Zusammenhalt zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund stärken. Im Interview mit LokalDirekt berichten Ilse Clever und Susanne Nolan, die sich im Sprachcafé engagieren, über das Angebot in Halver und gewähren persönliche Einblicke in ihre Arbeit mit Geflüchteten.

Die Initiative begann bereits im Jahr 2015 im Rahmen der Flüchtlingshilfe und wurde 2022 mit mehreren Sprachkursen erneut aufgenommen. Zum Angebot gehören aktuell ein monatlich stattfindendes Sprachcafé sowie verschiedene niedrigschwellige Sprachlernangebote in kleinen Gruppen. Ziel ist es, Geflüchtete beim Knüpfen sozialer Kontakte zu unterstützen, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen zu leisten und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre ersten Deutschkenntnisse praktisch anzuwenden. Die Gruppe der Ehrenamtlichen besteht überwiegend aus ehemaligen Lehrkräften sowie einer Sozialpädagogin im Ruhestand.

LokalDirekt: Was bedeutet Ihnen der Integrationspreis?

Ilse Clever und Susanne Nolan: Über die 500 Euro, die wir gewonnen haben, freuen wir uns sehr. Dadurch können wir uns zusätzliche Angebote leisten, die sonst nicht möglich gewesen wären. Derzeit sammeln wir noch Ideen für die Verwendung des Geldes. Eine Möglichkeit wäre, gemeinsam mit Interessierten aus unseren Kursen einen kulturellen Ausflug zu einer Ausstellung zu organisieren.

Das Geld spielt jedoch eine zweitrangige Rolle. Entscheidend sind die positiven Rückmeldungen und die Wertschätzung unserer Arbeit. Besonders wichtig ist mir zudem, dass das Thema Integration in diesem Zusammenhang einen positiven Beiklang erhält und sichtbar wird, was durch solche Arbeit gelingen kann, anstatt den Fokus auf Schwierigkeiten zu legen. (Ilse Clever)

Wie wurde die Entscheidung über den Gewinner getroffen?

Wir haben keine Informationen darüber, ob es weitere Mitbewerber gab. Yvonne Behnke von der Stadt Halver hat uns vorgeschlagen und zu einem späteren Zeitpunkt erhielten wir dann die Einladung zur Siegerehrung. (Ilse Clever)

Was war die ursprüngliche Idee hinter dem Sprachcafé?

Das Sprachcafé existiert seit März vergangenen Jahres und findet einmal monatlich an jedem ersten Mittwoch im Monat statt. Der Ursprungsgedanke war, die Anmeldungen für unsere bereits zuvor organisierten Sprachkurse in einer angenehmen Atmosphäre zu bewerben, in der die Menschen gerne zusammenkommen. Zusätzlich sollten die Besucher die zukünftigen Lehrkräfte persönlich kennenlernen, um die Hemmschwelle weiter zu senken. Daraus hat sich nach einer gewissen Zeit jedoch etwas Komplexeres entwickelt, sodass wir einige Kooperationspartner mit ins Boot geholt haben, die bei jeder Veranstaltung eine Beratung anbieten. (Ilse Clever)

Welche Partner nehmen regelmäßig am Sprachcafé teil?

Unter anderem ist eine Anmeldung zu Kursen der Volkshochschule möglich. Zusätzlich kann die Beratung von Elvira Wiegand, der Sozialarbeiterin der Stadt Halver, in Anspruch genommen werden. Außerdem sind ein bis zwei Mitarbeiterinnen des Jobcenters anwesend, die offene Fragen beantworten, bei der Lösung von Problemen unterstützen und für Gespräche zur Verfügung stehen. (Ilse Clever)

Wie funktioniert die Verständigung trotz Sprachbarrieren?

Wir haben immer einen Übersetzer vor Ort, da nicht alle Gäste fließend Deutsch sprechen und es dadurch schwierig sein kann, ein vernünftiges Gespräch zu führen. Der Übersetzer spricht Deutsch, Englisch, Ukrainisch, Russisch und Arabisch. (Susanne Nolan)

Aus welchen Ländern stammen die Teilnehmenden?

Syrer und Ukrainer sind am häufigsten vertreten. Darüber hinaus kommen die Teilnehmenden auch aus dem Irak, Afghanistan, dem Iran, Pakistan, der Türkei, Guinea und Tschetschenien. (Susanne Nolan und Ilse Clever)

Wie viele Gäste kommen ins Sprachcafé?

Das Sprachcafé ist mittlerweile sehr gut angenommen und lebendig. Neben unserem Team sind in der Regel oft bis zu 40 Personen anwesend. Einige Besucher bringen auch ihre Kinder mit, für die wir eine Kinderbetreuung anbieten. (Ilse Clever)

Worauf sind Sie besonders stolz?

Besonders stolz sind wir darauf, dass sich das Sprachcafé so gut entwickelt hat und heute von so vielen Menschen angenommen wird. Anfangs war es nur ein sehr kleiner, überschaubarer Rahmen mit den Gästen, die wir direkt angesprochen haben. Mittlerweile ist daraus glücklicherweise ein Selbstläufer geworden.

Wir sind auch besonders stolz auf unsere Kooperationspartner, da sie vor Ort sehr wertvolle Unterstützung leisten und unsere Arbeit erleichtern. (Ilse Clever)

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Es wäre schön, wenn noch mehr Halveraner, die Deutsch sprechen, vorbeikommen und sich in die Gruppe einbringen, um mit Besuchern ins Gespräch zu kommen, die die Sprache noch nicht gut beherrschen. Das ist natürlich nicht mit allen sofort möglich, da die Kommunikation noch nicht immer flüssig ist, aber jeder entwickelt sich weiter. (Susanne Nolan)

Woran könnte es liegen, dass bisher nur wenige Deutschsprachige das Café besuchen und sich einbringen?

Manche Menschen haben am Anfang eine gewisse Hemmung, mit Personen ins Gespräch zu kommen, die noch nicht gut Deutsch sprechen. Man muss sich erst einmal darauf einstellen, in die Situation hineinwachsen und Wege finden, um diese Hemmungen abzubauen, bis die Kommunikation mit den Geflüchteten gelingt.

Ich denke – und das zeigen auch unsere Beobachtungen –, dass es nach etwas Erfahrung gar nicht mehr kompliziert ist. Außerdem braucht es keinen großen oder differenzierten Wortschatz, um einfache Gespräche zu führen. Vielleicht hilft es einigen auch zu wissen, dass es keine Eins-zu-eins-Gespräche sind, sondern eher Gespräche in kleinen Gruppen. Das gibt vielen Gästen ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit. (Ilse Clever)

Welche Momente sind Ihnen insbesondere in Erinnerung geblieben?

Ich habe vor eineinhalb Jahren einen meiner Sprachkurse mit einer Gruppe Syrer gestartet. Anfangs war ich selbst sehr unsicher, da niemand Deutsch oder Englisch sprach. Ein Dolmetscher hat uns zu Beginn begleitet und für eine bessere Verständigung gesorgt. Er hat den Teilnehmern auch grundlegende Dinge wie Verbindlichkeit und Eigenverantwortung vermittelt, um eine gemeinsame Basis für die Zusammenarbeit zu schaffen.

Die Gruppe ist im Laufe der Zeit dann zu einem guten Team zusammengewachsen. Heute löst sie sich jedoch zunehmend auf, da nach und nach alle ihr Sprachzertifikat erworben haben und nun ihren eigenen Weg gehen. Einige beginnen eine Ausbildung, andere haben bereits eine Arbeit gefunden oder sind umgezogen. Trotzdem fühlen sich viele weiterhin miteinander verbunden, sodass sie gelegentlich beim Sprachcafé vorbeischauen und stolz ihre Sprachzertifikate herausholen und zeigen, was sie erreicht haben. (Ilse Clever)

Was wünschen Sie sich, um Geflüchtete künftig besser unterstützen zu können?

Es gibt einige Geflüchtete, die sich gerne ehrenamtlich engagieren würden. Allerdings ist es nicht immer einfach, entsprechende Kontakte herzustellen und Fuß zu fassen. Gelegentlich konnten wir Tätigkeiten vermitteln, etwa im Bürger- oder Jugendzentrum. Für viele Bereiche fehlen uns jedoch die passenden Kontakte, um weiterzuhelfen. Die Menschen wünschen sich vor allem eine Aufgabe, um sich sinnvoll betätigen zu können und Kontakte zu (neuen) Menschen zu knüpfen. (Susanne Nolan und Ilse Clever)

Lesen Sie auch über dieses Thema: „Sprachcafé in Halver mit dem Integrationspreis ausgezeichnet"